Zentraler Grenzwertsatz

Zentraler Grenzwertsatz

Studium
lim⁡n→∞P(Sn−nμσn≤z)=Φ(z),Sn=X1+…+Xn\lim_{n \to \infty} P\left(\frac{S_n - n\mu}{\sigma \sqrt{n}} \leq z\right) = \Phi(z), \quad S_n = X_1 + \ldots + X_n

Voraussetzung: X1,X2,…X_1, X_2, \ldots unabhängig und identisch verteilt,, E(Xi)=μ,E(X_i) = \mu, 0<V(Xi)=σ2<∞,0 < V(X_i) = \sigma^2 < \infty, z∈Rz \in \mathbb{R}

X1,…,XnX_1, \ldots, X_n
unabhängige, identisch verteilte Zufallsgrößen
SnS_n
Summe der ersten n Zufallsgrößen
nn
Anzahl der Summanden
μ\mu
Erwartungswert jedes einzelnen X_i
σ\sigma
Standardabweichung jedes einzelnen X_i
zz
beliebige reelle Schranke
Φ\Phi
Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung

Die standardisierte Summe vieler unabhängiger, gleich verteilter Zufallsgrößen ist für große n annähernd standardnormalverteilt.

Erklärung

Der zentrale Grenzwertsatz erklärt, warum die Normalverteilung so oft auftritt: Addiert man viele unabhängige Zufallsgrößen mit derselben Verteilung, so ist die Summe näherungsweise normalverteilt, egal wie die einzelnen Summanden verteilt sind. Es genügt, dass Erwartungswert μ\mu und Varianz σ2\sigma^2 existieren und σ>0\sigma > 0 ist.

Für die Praxis liest man den Satz als Näherung für großes nn:

Sn≈N ⁣(nμ, nσ2),Xˉn=Snn≈N ⁣(μ, σ2n)S_n \approx N\!\left(n\mu,\ n\sigma^2\right), \qquad \bar{X}_n = \frac{S_n}{n} \approx N\!\left(\mu,\ \frac{\sigma^2}{n}\right)

Die Standardabweichung des Mittelwerts ist also σn\frac{\sigma}{\sqrt{n}} (Standardfehler). Der Satz ist eine Aussage über Konvergenz in Verteilung: Die Verteilungsfunktionen konvergieren an jeder Stelle zz gegen Φ(z)\Phi(z).

Wie groß nn sein muss, hängt von der Schiefe der Ausgangsverteilung ab. Für symmetrische Verteilungen reicht oft n≈30n \approx 30, für stark schiefe Verteilungen braucht man deutlich mehr. Der Satz von Moivre-Laplace ist der Spezialfall für Bernoulli-verteilte Summanden.

Beispiele

Ein fairer Würfel wird 100100-mal geworfen. Für einen Wurf gilt μ=3,5\mu = 3{,}5 und σ2=3512\sigma^2 = \frac{35}{12}. Für die Augensumme S100S_{100} ist E(S100)=100⋅3,5=350E(S_{100}) = 100 \cdot 3{,}5 = 350 und

σS=100⋅3512≈17,08\sigma_{S} = \sqrt{100 \cdot \tfrac{35}{12}} \approx 17{,}08

Da S100S_{100} nur ganze Zahlen annimmt, rechnet man mit Stetigkeitskorrektur:

P(S100≤370)≈Φ ⁣(370,5−35017,08)≈Φ(1,20)≈0,885P(S_{100} \leq 370) \approx \Phi\!\left(\frac{370{,}5 - 350}{17{,}08}\right) \approx \Phi(1{,}20) \approx 0{,}885

Die Lebensdauer eines Bauteils hat Erwartungswert 55 Jahre und Standardabweichung 55 Jahre (stark schief, z.B. exponentialverteilt). Für den Mittelwert von 3636 Bauteilen gilt näherungsweise Xˉ≈N ⁣(5, (56)2)\bar{X} \approx N\!\left(5,\ \left(\frac{5}{6}\right)^2\right), denn 536=56\frac{5}{\sqrt{36}} = \frac{5}{6}. Damit

P(Xˉ>6)≈1−Φ ⁣(6−55/6)=1−Φ(1,2)≈0,1151P(\bar{X} > 6) \approx 1 - \Phi\!\left(\frac{6 - 5}{5/6}\right) = 1 - \Phi(1{,}2) \approx 0{,}1151

Typische Fehler

  • Behaupten, die einzelnen XiX_i würden normalverteilt. Nur die Summe bzw. der Mittelwert ist näherungsweise normalverteilt.
  • Beim Mittelwert mit σ\sigma statt σn\frac{\sigma}{\sqrt{n}} standardisieren. Das unterschätzt die Konzentration um μ\mu stark.
  • Den Satz ohne Voraussetzungen anwenden. Bei unendlicher Varianz (z.B. Cauchy-Verteilung) oder stark abhängigen Summanden gilt er nicht.
  • Den zentralen Grenzwertsatz mit dem Gesetz der großen Zahlen verwechseln. Dieses sagt nur Xˉn→μ\bar{X}_n \to \mu, nicht, wie die Abweichung verteilt ist.

Verwandte Formeln