Näherung von Moivre-Laplace

Näherung von Moivre-Laplace

Oberstufe
P(X≤k)≈Φ(k+0,5−μσ),μ=np, σ=np(1−p)P(X \leq k) \approx \Phi\left(\frac{k + 0{,}5 - \mu}{\sigma}\right), \quad \mu = np,\ \sigma = \sqrt{np(1-p)}

Voraussetzung: XX binomialverteilt mit nn und p,p, σ>3\sigma > 3

XX
binomialverteilte Zufallsgröße, die Anzahl der Treffer
kk
obere Grenze für die Trefferzahl
Φ\Phi
Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung
μ\mu
Erwartungswert der Binomialverteilung
σ\sigma
Standardabweichung der Binomialverteilung
nn
Länge der Bernoulli-Kette
pp
Trefferwahrscheinlichkeit
0,50{,}5
Stetigkeitskorrektur, der halbe Abstand zwischen zwei ganzen Zahlen

Für σ > 3 lassen sich Binomialwahrscheinlichkeiten gut mit der Normalverteilung und der Stetigkeitskorrektur annähern.

Erklärung

Für große nn ist die Binomialverteilung mühsam zu berechnen. Ihr Histogramm sieht dann aber fast aus wie eine Glockenkurve. Der Satz von Moivre-Laplace erlaubt es deshalb, Binomialwahrscheinlichkeiten mit der Normalverteilung zu nähern, die denselben Erwartungswert μ=np\mu = np und dieselbe Standardabweichung σ=np(1−p)\sigma = \sqrt{np(1-p)} hat.

Die Näherung ist brauchbar, wenn die Laplace-Bedingung σ>3\sigma > 3 erfüllt ist.

Die +0,5+0{,}5 heißt Stetigkeitskorrektur. Im Histogramm gehört zum Wert kk ein Balken von k−0,5k - 0{,}5 bis k+0,5k + 0{,}5. Damit der Balken bei kk voll mitzählt, integriert man bis k+0,5k + 0{,}5. Weitere Fälle:

  • P(a≤X≤b)≈Φ(b+0,5−μσ)−Φ(a−0,5−μσ)P(a \leq X \leq b) \approx \Phi\left(\frac{b + 0{,}5 - \mu}{\sigma}\right) - \Phi\left(\frac{a - 0{,}5 - \mu}{\sigma}\right)
  • Lokale Näherung für einen einzelnen Wert: P(X=k)≈1σφ(k−μσ)P(X = k) \approx \frac{1}{\sigma} \varphi\left(\frac{k - \mu}{\sigma}\right) mit der Dichte φ\varphi der Standardnormalverteilung.

Heute rechnen Taschenrechner Binomialwahrscheinlichkeiten meist direkt. Die Näherung bleibt wichtig, weil sie die Sigma-Regeln und Konfidenzintervalle begründet.

Beispiele

Eine faire Münze wird 100100-mal geworfen, XX ist die Anzahl „Kopf“. Dann ist μ=100⋅0,5=50\mu = 100 \cdot 0{,}5 = 50 und σ=100⋅0,5⋅0,5=5>3\sigma = \sqrt{100 \cdot 0{,}5 \cdot 0{,}5} = 5 > 3. Höchstens 5555-mal Kopf:

P(X≤55)≈Φ(55+0,5−505)=Φ(1,1)≈0,8643P(X \leq 55) \approx \Phi\left(\frac{55 + 0{,}5 - 50}{5}\right) = \Phi(1{,}1) \approx 0{,}8643

Der exakte Wert ist 0,86440{,}8644. Ohne Stetigkeitskorrektur erhielte man nur Φ(1)≈0,8413\Phi(1) \approx 0{,}8413.

Lokale Näherung für genau 5050-mal Kopf:

P(X=50)≈15⋅12π≈0,0798P(X = 50) \approx \frac{1}{5} \cdot \frac{1}{\sqrt{2\pi}} \approx 0{,}0798

Exakt ist (10050)⋅0,5100≈0,0796\binom{100}{50} \cdot 0{,}5^{100} \approx 0{,}0796.

Typische Fehler

  • Die Laplace-Bedingung nicht prüfen. Bei 2020 Münzwürfen ist σ≈2,24<3\sigma \approx 2{,}24 < 3, die Näherung ist dann zu ungenau.
  • Die Stetigkeitskorrektur in die falsche Richtung anbringen. Bei P(X≥a)P(X \geq a) rechnet man mit a−0,5a - 0{,}5, bei P(X≤b)P(X \leq b) mit b+0,5b + 0{,}5.
  • Mit der Varianz np(1−p)np(1-p) statt mit σ\sigma standardisieren.

Verwandte Formeln