Gesetz der großen Zahlen

Gesetz der großen Zahlen

Oberstufe
lim⁡n→∞P(∣hn−p∣<ε)=1\lim_{n \to \infty} P\left(|h_n - p| < \varepsilon\right) = 1

Voraussetzung: nn unabhängige Versuche mit gleicher Trefferwahrscheinlichkeit p,p, ε>0\varepsilon > 0

hnh_n
relative Häufigkeit der Treffer nach n Versuchen
pp
Trefferwahrscheinlichkeit bei jedem Versuch
nn
Anzahl der Versuche
ε\varepsilon
beliebig kleine, aber feste Toleranz

Mit wachsender Versuchszahl liegt die relative Häufigkeit mit immer größerer Wahrscheinlichkeit beliebig nah an p.

Erklärung

Wirft man eine Münze oft, pendelt sich der Anteil „Kopf“ bei 50 %50\,\% ein. Das Gesetz der großen Zahlen macht diese Erfahrung genau: Die relative Häufigkeit hnh_n eines Treffers nähert sich bei vielen unabhängigen Wiederholungen der Wahrscheinlichkeit pp.

Genauer: Man gibt eine beliebig kleine Toleranz ε\varepsilon vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass hnh_n um weniger als ε\varepsilon von pp abweicht, strebt für n→∞n \to \infty gegen 11. Größere Abweichungen sind also nicht unmöglich, werden aber immer unwahrscheinlicher.

Wie schnell das geht, zeigt die Tschebyscheff-Ungleichung:

P(∣hn−p∣≥ε)≤p(1−p)nε2P\left(|h_n - p| \geq \varepsilon\right) \leq \frac{p(1-p)}{n \varepsilon^2}

Das Gesetz begründet, warum man Wahrscheinlichkeiten über relative Häufigkeiten schätzen kann. Es sagt aber nichts über einzelne Versuche: Eine Münze „merkt sich“ nicht, wie oft schon Kopf kam.

Beispiele

Eine faire Münze wird 10001000-mal geworfen, p=0,5p = 0{,}5, also p(1−p)=0,25p(1-p) = 0{,}25. Wie wahrscheinlich weicht der Anteil „Kopf“ um mindestens 0,050{,}05 von 0,50{,}5 ab?

P(∣h1000−0,5∣≥0,05)≤0,251000⋅0,052=0,1P\left(|h_{1000} - 0{,}5| \geq 0{,}05\right) \leq \frac{0{,}25}{1000 \cdot 0{,}05^2} = 0{,}1

Der Anteil liegt also mit mindestens 90 %90\,\% zwischen 0,450{,}45 und 0,550{,}55. Bei 10 00010\,000 Würfen sinkt die Schranke auf 0,2510 000⋅0,052=0,01\frac{0{,}25}{10\,000 \cdot 0{,}05^2} = 0{,}01.

Die Standardabweichung der relativen Häufigkeit ist p(1−p)n\sqrt{\frac{p(1-p)}{n}}. Sie beträgt bei 100100 Würfen 0,050{,}05 und bei 10 00010\,000 Würfen nur noch 0,0050{,}005.

Typische Fehler

  • Glauben, nach vielen Würfen mit „Zahl“ müsse bald Kopf kommen, „damit es sich ausgleicht“. Die Versuche sind unabhängig; die Wahrscheinlichkeit bleibt bei jedem Wurf 0,50{,}5.
  • Annehmen, die absolute Abweichung werde kleiner. Die Standardabweichung der Anzahl „Kopf“ wächst von 100⋅0,25=5\sqrt{100 \cdot 0{,}25} = 5 auf 10 000⋅0,25=50\sqrt{10\,000 \cdot 0{,}25} = 50. Nur der Anteil nähert sich pp.
  • Das Gesetz als Garantie für eine bestimmte Versuchsreihe lesen. Es sagt nur, dass große Abweichungen der relativen Häufigkeit von pp immer unwahrscheinlicher werden.

Verwandte Formeln