Varianz einer Zufallsgröße

Varianz einer Zufallsgröße

Oberstufe
V(X)=∑i=1n(xi−μ)2⋅P(X=xi)V(X) = \sum_{i=1}^{n} (x_i - \mu)^2 \cdot P(X = x_i)

Voraussetzung: XX nimmt genau die verschiedenen Werte x1,…,x_1, \ldots, xnx_n an,, μ=E(X)\mu = E(X)

V(X)V(X)
Varianz der Zufallsgröße X, auch Var(X) oder σ² geschrieben
XX
Zufallsgröße
xix_i
die möglichen Werte von X
P(X=xi)P(X = x_i)
Wahrscheinlichkeit, dass X den Wert x_i annimmt
μ\mu
Erwartungswert E(X)
nn
Anzahl der möglichen Werte
ii
Laufindex von 1 bis n

Die Varianz ist die mit den Wahrscheinlichkeiten gewichtete Summe der quadrierten Abweichungen vom Erwartungswert.

Erklärung

Der Erwartungswert μ=E(X)\mu = E(X) sagt, wo eine Zufallsgröße im Mittel liegt. Die Varianz V(X)V(X) misst, wie stark die Werte um μ\mu streuen. Für jeden Wert xix_i quadriert man die Abweichung xi−μx_i - \mu und gewichtet sie mit ihrer Wahrscheinlichkeit.

Sie ist das Gegenstück zur empirischen Varianz von Messdaten: Statt relativer Häufigkeiten stehen hier Wahrscheinlichkeiten.

Die Standardabweichung ist σ=V(X)\sigma = \sqrt{V(X)}. Sie hat dieselbe Einheit wie XX und ist deshalb anschaulicher.

Oft schneller ist der Verschiebungssatz:

V(X)=E(X2)−μ2=∑i=1nxi2⋅P(X=xi)−μ2V(X) = E(X^2) - \mu^2 = \sum_{i=1}^{n} x_i^2 \cdot P(X = x_i) - \mu^2

Beispiele

Augenzahl XX eines fairen Würfels, μ=3,5\mu = 3{,}5:

V(X)=(1−3,5)2+(2−3,5)2+…+(6−3,5)26=3512≈2,92V(X) = \frac{(1 - 3{,}5)^2 + (2 - 3{,}5)^2 + \ldots + (6 - 3{,}5)^2}{6} = \frac{35}{12} \approx 2{,}92

Mit dem Verschiebungssatz: E(X2)=1+4+9+16+25+366=916E(X^2) = \frac{1 + 4 + 9 + 16 + 25 + 36}{6} = \frac{91}{6}, also V(X)=916−3,52=3512V(X) = \frac{91}{6} - 3{,}5^2 = \frac{35}{12}.

Ein Spiel zahlt 00 € mit Wahrscheinlichkeit 0,50{,}5, 22 € mit 0,30{,}3 und 55 € mit 0,20{,}2. Erwartungswert: μ=0⋅0,5+2⋅0,3+5⋅0,2=1,6\mu = 0 \cdot 0{,}5 + 2 \cdot 0{,}3 + 5 \cdot 0{,}2 = 1{,}6. Varianz:

V(X)=(0−1,6)2⋅0,5+(2−1,6)2⋅0,3+(5−1,6)2⋅0,2=3,64V(X) = (0 - 1{,}6)^2 \cdot 0{,}5 + (2 - 1{,}6)^2 \cdot 0{,}3 + (5 - 1{,}6)^2 \cdot 0{,}2 = 3{,}64

Probe mit dem Verschiebungssatz: E(X2)=0⋅0,5+4⋅0,3+25⋅0,2=6,2E(X^2) = 0 \cdot 0{,}5 + 4 \cdot 0{,}3 + 25 \cdot 0{,}2 = 6{,}2 und 6,2−1,62=3,646{,}2 - 1{,}6^2 = 3{,}64. Die Standardabweichung ist σ=3,64≈1,91\sigma = \sqrt{3{,}64} \approx 1{,}91 €.

Typische Fehler

  • Die Abweichungen nicht mit den Wahrscheinlichkeiten gewichten, sondern einfach mitteln. Das geht nur, wenn alle Werte gleich wahrscheinlich sind, wie beim Würfel.
  • Beim Verschiebungssatz μ\mu statt μ2\mu^2 abziehen. 6,2−1,6=4,66{,}2 - 1{,}6 = 4{,}6 ist falsch.
  • E(X2)E(X^2) und (E(X))2(E(X))^2 verwechseln. E(X2)E(X^2) ist der Erwartungswert der quadrierten Werte.
  • Varianz und Standardabweichung verwechseln. Die Varianz hat die quadrierte Einheit, hier €², und ist deshalb nicht direkt mit den Werten vergleichbar.

Verwandte Formeln