Übergangsmatrix einer Markow-Kette

Übergangsmatrix einer Markow-Kette

Oberstufe
v⃗n+1=A⋅v⃗n,v⃗n=An⋅v⃗0\vec{v}_{n+1} = A \cdot \vec{v}_n, \qquad \vec{v}_n = A^n \cdot \vec{v}_0

Voraussetzung: aij≥0,a_{ij} \geq 0, jede Spaltensumme von AA ist 11

AA
Übergangsmatrix; a_ij ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Schritt von Zustand j nach Zustand i zu wechseln
aija_{ij}
Eintrag in Zeile i und Spalte j der Übergangsmatrix
v⃗n\vec{v}_n
Zustandsvektor nach n Schritten, enthält die Wahrscheinlichkeiten (oder Anteile) der Zustände
v⃗0\vec{v}_0
Startvektor
nn
Anzahl der Schritte

Die Übergangsmatrix einer Markow-Kette berechnet aus der aktuellen Verteilung auf die Zustände die Verteilung nach dem nächsten Schritt.

Erklärung

Eine Markow-Kette beschreibt einen Vorgang, der sich schrittweise zwischen endlich vielen Zuständen bewegt, z.B. Kunden zwischen zwei Anbietern oder Wetterlagen von Tag zu Tag. Entscheidend ist die Markow-Eigenschaft: Die Wahrscheinlichkeit für den nächsten Zustand hängt nur vom aktuellen Zustand ab, nicht von der Vorgeschichte.

Die Übergangswahrscheinlichkeiten stehen in der Übergangsmatrix AA. In der hier verwendeten Schreibweise steht in Spalte jj, wohin man von Zustand jj aus wechselt. Deshalb ist jede Spaltensumme 11 (stochastische Matrix). Der Zustandsvektor v⃗n\vec{v}_n enthält die Wahrscheinlichkeiten der Zustände nach nn Schritten. Ein Schritt ist eine Matrix-Vektor-Multiplikation, nn Schritte entsprechen der Matrixpotenz AnA^n.

Der Eintrag (An)ij(A^n)_{ij} ist die Wahrscheinlichkeit, in nn Schritten von jj nach ii zu gelangen. Die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Pfades ist das Produkt der Übergangswahrscheinlichkeiten entlang des Pfades.

Hinweis: Viele Hochschulbücher schreiben die Wahrscheinlichkeiten in Zeilen und rechnen mit Zeilenvektoren, v⃗n+1 T=v⃗n TP\vec{v}_{n+1}^{\,T} = \vec{v}_n^{\,T} P. Dann ist P=ATP = A^T, und die Zeilensummen sind 11.

Beispiele

Zwei Mobilfunkanbieter X und Y: Von den Kunden von X bleiben pro Jahr 80 %80\,\%, 20 %20\,\% wechseln zu Y. Von Y bleiben 70 %70\,\%, 30 %30\,\% wechseln zu X. Mit der Reihenfolge (X, Y):

A=(0,80,30,20,7)A = \begin{pmatrix} 0{,}8 & 0{,}3 \\ 0{,}2 & 0{,}7 \end{pmatrix}

Zu Beginn haben beide je 50 %50\,\% Marktanteil:

v⃗1=(0,80,30,20,7)(0,50,5)=(0,550,45),v⃗2=A⋅v⃗1=(0,5750,425)\vec{v}_1 = \begin{pmatrix} 0{,}8 & 0{,}3 \\ 0{,}2 & 0{,}7 \end{pmatrix} \begin{pmatrix} 0{,}5 \\ 0{,}5 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 0{,}55 \\ 0{,}45 \end{pmatrix}, \qquad \vec{v}_2 = A \cdot \vec{v}_1 = \begin{pmatrix} 0{,}575 \\ 0{,}425 \end{pmatrix}

Dasselbe Ergebnis liefert A2⋅v⃗0A^2 \cdot \vec{v}_0 mit A2=(0,70,450,30,55)A^2 = \begin{pmatrix} 0{,}7 & 0{,}45 \\ 0{,}3 & 0{,}55 \end{pmatrix}.

Ein Kunde von X wechselt im ersten Jahr zu Y, im zweiten zurück zu X und bleibt im dritten Jahr bei X. Die Wahrscheinlichkeit für genau diesen Pfad ist 0,2⋅0,3⋅0,8=0,0480{,}2 \cdot 0{,}3 \cdot 0{,}8 = 0{,}048.

Typische Fehler

  • Zeilen und Spalten vertauschen. Bei der Spaltenschreibweise muss jede Spalte die Summe 11 haben. Ist stattdessen jede Zeile 11, rechnet man mit Zeilenvektoren von links.
  • A⋅v⃗A \cdot \vec{v} und v⃗⋅A\vec{v} \cdot A verwechseln. Die Matrixmultiplikation ist nicht kommutativ.
  • v⃗n\vec{v}_n mit n⋅A⋅v⃗0n \cdot A \cdot \vec{v}_0 statt An⋅v⃗0A^n \cdot \vec{v}_0 berechnen.
  • Die Markow-Eigenschaft ohne Prüfung annehmen, obwohl der nächste Zustand auch von früheren Zuständen abhängt.

Verwandte Formeln