Stationäre Verteilung

Stationäre Verteilung

Studium
A⋅π⃗=π⃗,π1+…+πm=1A \cdot \vec{\pi} = \vec{\pi}, \qquad \pi_1 + \ldots + \pi_m = 1

Voraussetzung: AA stochastische Matrix (Spaltensummen 1),1), πi≥0\pi_i \geq 0

AA
Übergangsmatrix; a_ij ist die Wahrscheinlichkeit für einen Wechsel von Zustand j nach Zustand i
π⃗\vec{\pi}
stationäre Verteilung (Fixvektor), die sich durch einen Schritt nicht ändert
πi\pi_i
langfristiger Anteil bzw. Wahrscheinlichkeit von Zustand i
mm
Anzahl der Zustände

Eine stationäre Verteilung ist ein Wahrscheinlichkeitsvektor, den die Übergangsmatrix unverändert lässt; oft ist sie die Grenzverteilung.

Erklärung

Eine stationäre Verteilung einer Markow-Kette ist eine Verteilung auf die Zustände, die sich durch einen Übergang nicht mehr ändert. Startet die Kette in π⃗\vec{\pi}, bleibt sie für alle Zeiten in π⃗\vec{\pi}. Algebraisch ist π⃗\vec{\pi} ein Eigenvektor zum Eigenwert 1, normiert auf die Komponentensumme 11.

Berechnung: Man löst das lineare Gleichungssystem (A−E) π⃗=0⃗(A - E)\,\vec{\pi} = \vec{0} mit der Einheitsmatrix EE zusammen mit der Normierung ∑πi=1\sum \pi_i = 1. Eine der Gleichungen aus (A−E) π⃗=0⃗(A - E)\,\vec{\pi} = \vec{0} ist überflüssig und wird durch die Normierung ersetzt.

Existenz, Eindeutigkeit und Konvergenz für endlich viele Zustände:

  • Eine stationäre Verteilung existiert immer.
  • Sie ist eindeutig, wenn die Kette irreduzibel ist (jeder Zustand ist von jedem aus erreichbar).
  • Ist die Kette zusätzlich aperiodisch (z.B. wenn eine Potenz AkA^k nur positive Einträge hat), dann konvergiert An⋅v⃗0→π⃗A^n \cdot \vec{v}_0 \to \vec{\pi} für jeden Startvektor. π⃗\vec{\pi} ist dann die Grenzverteilung.

Für zwei Zustände mit Wechselwahrscheinlichkeiten aa (von 1 nach 2) und bb (von 2 nach 1), a+b>0a + b > 0, gilt

π⃗=(ba+baa+b)\vec{\pi} = \begin{pmatrix} \frac{b}{a+b} \\[2pt] \frac{a}{a+b} \end{pmatrix}

In der Zeilenschreibweise vieler Lehrbücher lautet die Bedingung π⃗ TP=π⃗ T\vec{\pi}^{\,T} P = \vec{\pi}^{\,T} mit P=ATP = A^T.

Beispiele

Für die Anbieterwechsel mit A=(0,80,30,20,7)A = \begin{pmatrix} 0{,}8 & 0{,}3 \\ 0{,}2 & 0{,}7 \end{pmatrix} liefert die erste Zeile von Aπ⃗=π⃗A\vec{\pi} = \vec{\pi}:

0,8 π1+0,3 π2=π1⇒0,3 π2=0,2 π10{,}8\,\pi_1 + 0{,}3\,\pi_2 = \pi_1 \quad \Rightarrow \quad 0{,}3\,\pi_2 = 0{,}2\,\pi_1

Mit π1+π2=1\pi_1 + \pi_2 = 1 folgt π1=0,6\pi_1 = 0{,}6 und π2=0,4\pi_2 = 0{,}4. Die Formel für zwei Zustände bestätigt das: 0,30,2+0,3=0,6\frac{0{,}3}{0{,}2 + 0{,}3} = 0{,}6. Probe:

(0,8⋅0,6+0,3⋅0,40,2⋅0,6+0,7⋅0,4)=(0,60,4)\begin{pmatrix} 0{,}8 \cdot 0{,}6 + 0{,}3 \cdot 0{,}4 \\ 0{,}2 \cdot 0{,}6 + 0{,}7 \cdot 0{,}4 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 0{,}6 \\ 0{,}4 \end{pmatrix}

Langfristig hat Anbieter X also 60 %60\,\% Marktanteil, egal wie die Anteile am Anfang verteilt sind. Der zweite Eigenwert ist 1−0,2−0,3=0,51 - 0{,}2 - 0{,}3 = 0{,}5, deshalb halbiert sich der Abstand zur stationären Verteilung mit jedem Schritt.

Gegenbeispiel zur Konvergenz: Bei A=(0110)A = \begin{pmatrix} 0 & 1 \\ 1 & 0 \end{pmatrix} ist π⃗=(0,5; 0,5)\vec{\pi} = (0{,}5;\ 0{,}5) stationär, aber vom Start (1; 0)(1;\ 0) aus springt die Verteilung ewig hin und her (Periode 22).

Typische Fehler

  • Die Normierung vergessen. Aπ⃗=π⃗A\vec{\pi} = \vec{\pi} allein hat unendlich viele Lösungen, alle Vielfachen von π⃗\vec{\pi}.
  • Mit der falschen Konvention rechnen: Bei zeilenstochastischen Matrizen ist π⃗ TP=π⃗ T\vec{\pi}^{\,T} P = \vec{\pi}^{\,T} zu lösen, nicht Pπ⃗=π⃗P\vec{\pi} = \vec{\pi}.
  • Annehmen, die Kette konvergiere immer gegen π⃗\vec{\pi}. Bei periodischen Ketten gilt das nicht.
  • Bei reduziblen Ketten eine eindeutige stationäre Verteilung erwarten.

Verwandte Formeln