Ungleichung von Tschebyscheff

Ungleichung von Tschebyscheff

Studium
P(∣X−μ∣≥c)≤σ2c2P\big(|X - \mu| \geq c\big) \leq \frac{\sigma^2}{c^2}

Voraussetzung: c>0,c > 0, μ=E(X),\mu = E(X), σ2=Var⁡(X)<∞\sigma^2 = \operatorname{Var}(X) < \infty

XX
Zufallsgröße mit beliebiger Verteilung
μ\mu
Erwartungswert von X
σ2\sigma^2
Varianz von X
cc
Mindestabstand vom Erwartungswert

Die Wahrscheinlichkeit, dass X mindestens um c von μ abweicht, ist höchstens σ²/c², für jede Verteilung.

Erklärung

Die Ungleichung von Tschebyscheff (auch Tschebyschow) schätzt ab, wie wahrscheinlich eine große Abweichung vom Erwartungswert ist. Sie braucht nur μ\mu und σ2\sigma^2, gilt also für jede Verteilung mit endlicher Varianz.

Setzt man c=kσc = k\sigma mit k>0k > 0, erhält man die einprägsame Form

P(∣X−μ∣≥kσ)≤1k2P\big(|X - \mu| \geq k\sigma\big) \leq \frac{1}{k^2}

Für k≤1k \leq 1 ist die Schranke mindestens 11 und sagt nichts aus. Gleichwertig ist P(∣X−μ∣<c)≥1−σ2c2P(|X - \mu| < c) \geq 1 - \frac{\sigma^2}{c^2}.

Herleitung: Mit dem Indikator des Ereignisses ∣X−μ∣≥c|X - \mu| \geq c gilt c2⋅1{∣X−μ∣≥c}≤(X−μ)2c^2 \cdot \mathbf{1}_{\{|X - \mu| \geq c\}} \leq (X - \mu)^2. Erwartungswert bilden liefert c2⋅P(∣X−μ∣≥c)≤σ2c^2 \cdot P(|X - \mu| \geq c) \leq \sigma^2.

Wichtigste Anwendung ist das schwache Gesetz der großen Zahlen: Für die relative Häufigkeit hnh_n in nn unabhängigen Versuchen mit Trefferwahrscheinlichkeit pp ist Var⁡(hn)=p(1−p)n\operatorname{Var}(h_n) = \frac{p(1-p)}{n}, also

P(∣hn−p∣≥c)≤p(1−p)nc2≤14nc2→n→∞0P\big(|h_n - p| \geq c\big) \leq \frac{p(1-p)}{n c^2} \leq \frac{1}{4 n c^2} \xrightarrow{n \to \infty} 0

Dabei wurde p(1−p)≤0,5⋅0,5=0,25p(1-p) \leq 0{,}5 \cdot 0{,}5 = 0{,}25 benutzt.

Beispiele

Eine Maschine füllt Packungen mit μ=500 g\mu = 500\,\text{g} und σ=4 g\sigma = 4\,\text{g}, die Verteilung ist unbekannt. Abweichung um mindestens 10 g10\,\text{g}:

P(∣X−500∣≥10)≤42102=0,16P\big(|X - 500| \geq 10\big) \leq \frac{4^2}{10^2} = 0{,}16

Mit k=2k = 2 liegen höchstens 122=25 %\frac{1}{2^2} = 25\,\% der Werte außerhalb der 2σ2\sigma-Umgebung, mit k=3k = 3 höchstens 19≈11,1 %\frac{1}{9} \approx 11{,}1\,\%. Bei einer Normalverteilung wären es nur etwa 4,6 %4{,}6\,\% bzw. 0,3 %0{,}3\,\%; die Schranke ist grob, dafür allgemein.

Münzwurf mit n=1000n = 1000: Die relative Häufigkeit weicht nur mit einer Wahrscheinlichkeit von höchstens 14⋅1000⋅0,052=0,1\frac{1}{4 \cdot 1000 \cdot 0{,}05^2} = 0{,}1 um 0,050{,}05 oder mehr von pp ab.

Typische Fehler

  • Die Schranke als Näherungswert lesen. 0,160{,}16 ist nur eine obere Grenze; die tatsächliche Wahrscheinlichkeit kann viel kleiner sein.
  • σ\sigma statt σ2\sigma^2 im Zähler einsetzen. Mit 4102\frac{4}{10^2} wäre die Schranke falsch.
  • Die Ungleichung für k≤1k \leq 1 anwenden und sich über eine nutzlose Schranke ≥1\geq 1 wundern.
  • Die Sigma-Regeln der Normalverteilung auf beliebige Verteilungen übertragen. Ohne Verteilungsannahme gilt nur Tschebyscheff.

Verwandte Formeln