Notwendiger Stichprobenumfang

Notwendiger Stichprobenumfang

Oberstufe
n≥z2⋅p (1−p)d2n \geq \frac{z^2 \cdot p\,(1 - p)}{d^2}

Voraussetzung: d>0,d > 0, 0≤p≤1;0 \leq p \leq 1; ohne Vorwissen über pp setzt man p=0,5p = 0{,}5

nn
notwendiger Stichprobenumfang
zz
Faktor zum Konfidenzniveau, z.B. 1,96 für 95 %
pp
(geschätzter) Anteil in der Grundgesamtheit
dd
gewünschte Genauigkeit, halbe Breite des Konfidenzintervalls

Mindestgröße einer Stichprobe, damit ein Konfidenzintervall für einen Anteil höchstens die halbe Breite d hat.

Erklärung

Bevor man eine Umfrage oder Messreihe durchführt, will man wissen, wie groß die Stichprobe sein muss, damit das Ergebnis genau genug ist. Die gewünschte Genauigkeit dd ist der Radius (die halbe Breite) des Konfidenzintervalls.

Für einen Anteil hat das Konfidenzintervall den Radius z⋅p(1−p)nz \cdot \sqrt{\frac{p(1-p)}{n}}. Die Forderung

z⋅p (1−p)n≤dz \cdot \sqrt{\frac{p\,(1-p)}{n}} \leq d

löst man nach nn auf und erhält die Formel. Das Ergebnis wird immer aufgerundet. Die Formel nutzt die Normalverteilungsnäherung und setzt voraus, dass npn p und n(1−p)n(1-p) nicht zu klein sind (Faustregel: beide mindestens 1010).

Der Anteil pp ist vor der Umfrage unbekannt. Hat man eine Vorabschätzung (z.B. aus einer früheren Umfrage), setzt man sie ein. Sonst nimmt man den ungünstigsten Fall p=0,5p = 0{,}5, denn p(1−p)p(1-p) ist dort am größten (14\frac{1}{4}). Dann gilt einfach n≥(z2d)2n \geq \left(\frac{z}{2d}\right)^2.

Für einen Mittelwert mit bekannter (oder geschätzter) Standardabweichung σ\sigma lautet die entsprechende Formel

n≥(z⋅σd)2n \geq \left(\frac{z \cdot \sigma}{d}\right)^2

Die nötige Stichprobe wächst mit dem Quadrat der Genauigkeit: Halbe Fehlerspanne bedeutet vierfachen Umfang.

Beispiele

Ein Meinungsforschungsinstitut möchte einen Stimmenanteil mit 95 %95\,\% Sicherheit auf ±3\pm 3 Prozentpunkte genau bestimmen. Ohne Vorwissen (p=0,5p = 0{,}5):

n≥1,962⋅0,250,032≈1067,1⇒n=1068n \geq \frac{1{,}96^2 \cdot 0{,}25}{0{,}03^2} \approx 1067{,}1 \quad \Rightarrow \quad n = 1068

Ist aus früheren Umfragen bekannt, dass der Anteil bei etwa 20 %20\,\% liegt:

n≥1,962⋅0,2⋅0,80,032≈682,95⇒n=683n \geq \frac{1{,}96^2 \cdot 0{,}2 \cdot 0{,}8}{0{,}03^2} \approx 682{,}95 \quad \Rightarrow \quad n = 683

Für ±1,5\pm 1{,}5 Prozentpunkte statt ±3\pm 3 bräuchte man den vierfachen Umfang.

Mittelwert: Ein IQ-Test hat σ=15\sigma = 15. Um den mittleren IQ einer Gruppe mit 95 %95\,\% Sicherheit auf ±2\pm 2 Punkte genau zu schätzen:

n≥(1,96⋅152)2=216,09⇒n=217n \geq \left(\frac{1{,}96 \cdot 15}{2}\right)^2 = 216{,}09 \quad \Rightarrow \quad n = 217

Typische Fehler

  • Abrunden statt aufrunden. Mit 10671067 Befragten wird die Genauigkeit knapp verfehlt.
  • Die volle Breite des Intervalls für dd einsetzen. dd ist die halbe Breite, also der Abstand vom Schätzwert zur Grenze.
  • Prozentpunkte als Prozent einsetzen: ±3\pm 3 Prozentpunkte bedeutet d=0,03d = 0{,}03, nicht d=3d = 3.
  • Denken, eine doppelte Stichprobe halbiere den Fehler. Dafür braucht man die vierfache Stichprobe.

Verwandte Formeln