Konfidenzintervall für einen Anteil

Konfidenzintervall für einen Anteil

Oberstufe
[ h−zh(1−h)n ; h+zh(1−h)n ]\left[\, h - z \sqrt{\frac{h(1-h)}{n}} \,;\ h + z \sqrt{\frac{h(1-h)}{n}} \,\right]

Voraussetzung: n⋅h⋅(1−h)>9n \cdot h \cdot (1-h) > 9

hh
relative Häufigkeit der Treffer in der Stichprobe
nn
Stichprobenumfang
zz
Faktor zum Konfidenzniveau, z.B. 1,96 für 95 %

Intervall um den Stichprobenanteil h, das den unbekannten Anteil p mit vorgegebener Sicherheit überdeckt.

Erklärung

Ein unbekannter Anteil pp (z.B. der Stimmenanteil einer Partei) soll aus einer Stichprobe geschätzt werden. In der Stichprobe vom Umfang nn beobachtet man die relative Häufigkeit hh. Da hh zufällig schwankt, gibt man statt eines einzelnen Werts ein Konfidenzintervall an.

Der Faktor zz legt das Konfidenzniveau fest (vgl. Sigma-Regeln):

  • z=1,64z = 1{,}64 für 90 %90\,\% (genauer 1,6451{,}645)
  • z=1,96z = 1{,}96 für 95 %95\,\%
  • z=2,58z = 2{,}58 für 99 %99\,\% (genauer 2,5762{,}576)

Vorausgesetzt wird eine zufällige Stichprobe mit unabhängigen Beobachtungen. Der Wurzelausdruck schätzt die Standardabweichung der relativen Häufigkeit. Die Formel beruht auf der Näherung durch die Normalverteilung und ist nur brauchbar, wenn n⋅h⋅(1−h)>9n \cdot h \cdot (1-h) > 9 gilt (Laplace-Bedingung σ>3\sigma > 3).

Das Konfidenzniveau bezieht sich auf das Verfahren, nicht auf das eine berechnete Intervall: Bei häufiger Wiederholung überdeckt es in etwa 95 %95\,\% der Fälle den wahren Anteil pp. Ob pp in genau diesem Intervall liegt, ist entweder wahr oder falsch.

Die Breite schrumpft mit 1n\frac{1}{\sqrt{n}}: Für ein halb so breites Intervall braucht man die vierfache Stichprobe.

Hinweis: Manche Lehrbücher bestimmen die Grenzen genauer, indem sie die Ungleichung ∣h−p∣≤zp(1−p)n|h - p| \leq z\sqrt{\frac{p(1-p)}{n}} nach pp auflösen. Bei großem nn unterscheiden sich beide Ergebnisse kaum.

Beispiele

Bei einer Umfrage unter n=1000n = 1000 Personen sind 420420 für einen Vorschlag, also h=0,42h = 0{,}42. Bedingung: 1000⋅0,42⋅0,58=243,6>91000 \cdot 0{,}42 \cdot 0{,}58 = 243{,}6 > 9. Für 95 %95\,\%:

1,96⋅0,42⋅0,581000≈1,96⋅0,0156≈0,0311{,}96 \cdot \sqrt{\frac{0{,}42 \cdot 0{,}58}{1000}} \approx 1{,}96 \cdot 0{,}0156 \approx 0{,}031[ 0,42−0,031; 0,42+0,031 ]≈[ 0,389; 0,451 ][\,0{,}42 - 0{,}031;\ 0{,}42 + 0{,}031\,] \approx [\,0{,}389;\ 0{,}451\,]

Das 95 %95\,\%-Konfidenzintervall für den Anteil der Befürworter reicht also von etwa 38,9 %38{,}9\,\% bis 45,1 %45{,}1\,\%.

Bei 40004000 Befragten und gleichem hh wäre der Radius nur noch 1,96⋅0,42⋅0,584000≈0,0151{,}96 \cdot \sqrt{\frac{0{,}42 \cdot 0{,}58}{4000}} \approx 0{,}015.

Typische Fehler

  • Das Konfidenzniveau falsch deuten. Nicht pp ist zufällig, sondern das Intervall. Gemeint ist: Das Verfahren liefert in etwa 95 %95\,\% aller Stichproben ein Intervall, das pp enthält.
  • nn im Nenner unter der Wurzel vergessen. Dann ist das Intervall viel zu breit.
  • Die absolute Trefferzahl (420420) statt der relativen Häufigkeit (0,420{,}42) einsetzen.
  • Die Bedingung n⋅h⋅(1−h)>9n \cdot h \cdot (1-h) > 9 bei kleinen Stichproben nicht prüfen.

Verwandte Formeln