Standardfehler des Mittelwerts

Standardfehler des Mittelwerts

Studium
σXˉ=σn,gescha¨tzt:  SE=sn\sigma_{\bar{X}} = \frac{\sigma}{\sqrt{n}}, \qquad \text{geschätzt: } \ \mathrm{SE} = \frac{s}{\sqrt{n}}

Voraussetzung: X1,…,XnX_1, \ldots, X_n unabhängig mit gleicher Standardabweichung σ,\sigma, n≥1n \geq 1

σXˉ\sigma_{\bar{X}}
Standardabweichung des Stichprobenmittels
σ\sigma
Standardabweichung eines einzelnen Messwerts
nn
Stichprobenumfang
ss
korrigierte Standardabweichung der Stichprobe als Schätzung für σ
SE\mathrm{SE}
geschätzter Standardfehler

Der Standardfehler gibt an, wie stark der Mittelwert einer Stichprobe vom Umfang n um den wahren Erwartungswert schwankt.

Erklärung

Einzelne Messwerte streuen mit der Standardabweichung σ\sigma. Der Mittelwert aus nn unabhängigen Messungen streut deutlich weniger. Weil sich bei unabhängigen Summanden die Varianzen addieren, gilt

V(Xˉ)=V ⁣(1n∑i=1nXi)=1n2⋅nσ2=σ2nV(\bar{X}) = V\!\left(\frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n} X_i\right) = \frac{1}{n^2} \cdot n\sigma^2 = \frac{\sigma^2}{n}

Die Wurzel daraus ist der Standardfehler σn\frac{\sigma}{\sqrt{n}}. Da σ\sigma meist unbekannt ist, setzt man die Stichprobenstandardabweichung ss ein.

Folgerungen:

  • Die Genauigkeit wächst nur mit n\sqrt{n}. Für einen halb so großen Standardfehler braucht man die vierfache Stichprobe.
  • Der Standardfehler ist die Grundlage von Konfidenzintervallen (xˉ±t⋅SE\bar{x} \pm t \cdot \mathrm{SE}) und t-Tests.
  • Nach dem zentralen Grenzwertsatz ist Xˉ\bar{X} für großes nn näherungsweise normalverteilt mit Standardabweichung σn\frac{\sigma}{\sqrt{n}}, auch wenn die Einzelwerte es nicht sind.

Beispiele

Körpergrößen streuen mit s=12 cms = 12\,\text{cm}. Bei n=36n = 36 Personen ist

SE=1236=2 cm\mathrm{SE} = \frac{12}{\sqrt{36}} = 2\,\text{cm}

Für SE=1 cm\mathrm{SE} = 1\,\text{cm} braucht man n=4⋅36=144n = 4 \cdot 36 = 144 Personen, denn 12144=1\frac{12}{\sqrt{144}} = 1.

Zehn Messungen einer Pendeldauer haben s=0,8 mss = 0{,}8\,\text{ms}. Der Standardfehler des Mittelwerts ist 0,810≈0,253 ms\frac{0{,}8}{\sqrt{10}} \approx 0{,}253\,\text{ms}.

Liegt der Mittelwert eines Tests bei 5050 Punkten mit SE=2\mathrm{SE} = 2, dann umfasst der Bereich xˉ±2⋅SE\bar{x} \pm 2 \cdot \mathrm{SE} die Werte von 4646 bis 5454, grob ein 95 %95\,\%-Konfidenzintervall bei großem nn.

Typische Fehler

  • Standardfehler und Standardabweichung verwechseln. ss beschreibt die Streuung der Einzelwerte, SE\mathrm{SE} die Unsicherheit des Mittelwerts.
  • Durch nn statt durch n\sqrt{n} teilen. Dann wirkt die Schätzung viel genauer, als sie ist.
  • Die Formel bei abhängigen Messungen (z.B. Zeitreihen, Klumpenstichproben) verwenden. Dann ist der Standardfehler meist größer.

Verwandte Formeln