Konfidenzintervall für den Erwartungswert

Konfidenzintervall für den Erwartungswert

Studium
[ xˉ−tn−1; 1−α2⋅sn ; xˉ+tn−1; 1−α2⋅sn ]\left[\, \bar{x} - t_{n-1;\,1-\frac{\alpha}{2}} \cdot \frac{s}{\sqrt{n}} \,;\ \bar{x} + t_{n-1;\,1-\frac{\alpha}{2}} \cdot \frac{s}{\sqrt{n}} \,\right]

Voraussetzung: X1,…,XnX_1, \ldots, X_n unabhängig,, N(μ,σ2)N(\mu, \sigma^2)-verteilt mit unbekanntem σ,\sigma, n≥2,n \geq 2, 0<α<10 < \alpha < 1

xˉ\bar{x}
arithmetisches Mittel der Stichprobe
ss
korrigierte Standardabweichung der Stichprobe (mit n − 1 im Nenner)
nn
Stichprobenumfang
tn−1; 1−α2t_{n-1;\,1-\frac{\alpha}{2}}
Quantil der t-Verteilung mit n − 1 Freiheitsgraden
α\alpha
Irrtumswahrscheinlichkeit, 1 − α ist das Konfidenzniveau

Intervall um den Stichprobenmittelwert, das den unbekannten Erwartungswert μ mit Wahrscheinlichkeit 1 − α überdeckt.

Erklärung

Aus einer Stichprobe x1,…,xnx_1, \ldots, x_n soll der unbekannte Erwartungswert μ\mu geschätzt werden. Statt nur den Punktschätzer xˉ\bar{x} anzugeben, konstruiert man ein Intervall, das μ\mu mit vorgegebener Sicherheit 1−α1 - \alpha (Konfidenzniveau) überdeckt.

Grundlage ist, dass T=Xˉ−μS/nT = \frac{\bar{X} - \mu}{S / \sqrt{n}} bei normalverteilten Daten t-verteilt mit n−1n - 1 Freiheitsgraden ist. Aus P(∣T∣≤tn−1; 1−α/2)=1−αP\big(|T| \leq t_{n-1;\,1-\alpha/2}\big) = 1 - \alpha folgt das Intervall durch Auflösen nach μ\mu.

Varianten:

  • σ\sigma bekannt: Man ersetzt ss durch σ\sigma und das t-Quantil durch das Normalverteilungsquantil z1−α/2z_{1-\alpha/2} (z.B. 1,961{,}96 für 95 %95\,\%).
  • Daten nicht normalverteilt, nn groß (Faustregel n≥30n \geq 30): Nach dem zentralen Grenzwertsatz gilt das Intervall näherungsweise.

Die Breite des Intervalls schrumpft mit 1n\frac{1}{\sqrt{n}} und wächst mit dem Konfidenzniveau.

Beispiele

Eine Abfüllanlage wird geprüft: n=10n = 10 Packungen, Mittelwert xˉ=502 g\bar{x} = 502\,\text{g}, Standardabweichung s=4 gs = 4\,\text{g}. Für 95 %95\,\% ist t9; 0,975=2,262t_{9;\,0{,}975} = 2{,}262:

2,262⋅410≈2,862{,}262 \cdot \frac{4}{\sqrt{10}} \approx 2{,}86[ 502−2,86; 502+2,86 ]≈[ 499,14; 504,86 ] g[\,502 - 2{,}86;\ 502 + 2{,}86\,] \approx [\,499{,}14;\ 504{,}86\,]\ \text{g}

Wäre σ=4 g\sigma = 4\,\text{g} bekannt, betrüge der Radius nur 1,96⋅410≈2,481{,}96 \cdot \frac{4}{\sqrt{10}} \approx 2{,}48.

Bei n=30n = 30 Prüfungsergebnissen mit xˉ=85\bar{x} = 85 und s=12s = 12 ist t29; 0,975=2,045t_{29;\,0{,}975} = 2{,}045, der Radius 2,045⋅1230≈4,482{,}045 \cdot \frac{12}{\sqrt{30}} \approx 4{,}48 und das Intervall [ 80,52; 89,48 ][\,80{,}52;\ 89{,}48\,].

Typische Fehler

  • Das Konfidenzniveau als Wahrscheinlichkeit für μ\mu deuten. Zufällig ist das Intervall, nicht μ\mu: Das Verfahren liefert in 95 %95\,\% aller Stichproben ein Intervall, das μ\mu enthält.
  • Bei unbekanntem σ\sigma und kleinem nn das Normalverteilungsquantil 1,961{,}96 nehmen. Das Intervall wird zu schmal.
  • ss statt sn\frac{s}{\sqrt{n}} verwenden. Dann beschreibt man die Streuung einzelner Werte, nicht die des Mittelwerts.
  • Die unkorrigierte Standardabweichung (Nenner nn) einsetzen. Das t-Intervall setzt die korrigierte Version mit n−1n - 1 voraus.

Verwandte Formeln