Gauß-Algorithmus

Gauß-Algorithmus

Oberstufe
(a11a12a13b1a21a22a23b2a31a32a33b3)  ⟶  (∗∗∗∗0∗∗∗00∗∗)\left(\begin{array}{ccc|c} a_{11} & a_{12} & a_{13} & b_1 \\ a_{21} & a_{22} & a_{23} & b_2 \\ a_{31} & a_{32} & a_{33} & b_3 \end{array}\right) \;\longrightarrow\; \left(\begin{array}{ccc|c} \ast & \ast & \ast & \ast \\ 0 & \ast & \ast & \ast \\ 0 & 0 & \ast & \ast \end{array}\right)
aija_{ij}
Koeffizient der Unbekannten xⱼ in der i-ten Gleichung
bib_i
rechte Seite der i-ten Gleichung
∗\ast
beliebige Zahl, die beim Umformen entsteht

Man formt ein lineares Gleichungssystem mit erlaubten Zeilenumformungen in Stufenform um und löst es von unten nach oben.

Erklärung

Mit dem Gauß-Algorithmus löst man lineare Gleichungssysteme mit beliebig vielen Unbekannten. Man schreibt die Koeffizienten in eine erweiterte Koeffizientenmatrix und bringt sie mit erlaubten Umformungen in Stufenform (Dreiecksform): Unterhalb der Diagonalen stehen nur Nullen.

Erlaubte Umformungen, die die Lösungsmenge nicht ändern:

  • zwei Gleichungen vertauschen,
  • eine Gleichung mit einer Zahl ungleich 00 multiplizieren,
  • ein Vielfaches einer Gleichung zu einer anderen addieren.

Danach liest man die letzte Unbekannte aus der letzten Zeile ab und setzt rückwärts in die Zeilen darüber ein.

An der Stufenform erkennt man auch die Zahl der Lösungen:

  • Eine Zeile 0=c0 = c mit c≠0c \neq 0: keine Lösung.
  • Eine Zeile 0=00 = 0 und dadurch weniger echte Gleichungen als Unbekannte: unendlich viele Lösungen mit freiem Parameter.
  • Sonst: genau eine Lösung.

Beispiele

I:x1+x2+x3=6II:2x1−x2+x3=3III:x1+2x2−x3=2\begin{aligned} \text{I:}\quad x_1 + x_2 + x_3 &= 6 \\ \text{II:}\quad 2x_1 - x_2 + x_3 &= 3 \\ \text{III:}\quad x_1 + 2x_2 - x_3 &= 2 \end{aligned}

Mit II−2⋅I\text{II} - 2 \cdot \text{I} und III−I\text{III} - \text{I} fällt x1x_1 heraus:

II′ ⁣:−3x2−x3=−9III′ ⁣:x2−2x3=−4\begin{aligned} \text{II}'\colon\quad -3x_2 - x_3 &= -9 \\ \text{III}'\colon\quad x_2 - 2x_3 &= -4 \end{aligned}

Mit 3⋅III′+II′3 \cdot \text{III}' + \text{II}' fällt x2x_2 heraus: −7x3=−21-7x_3 = -21, also x3=3x_3 = 3. Rückwärts eingesetzt: −3x2−3=−9-3x_2 - 3 = -9 ergibt x2=2x_2 = 2, und aus I folgt x1=6−2−3=1x_1 = 6 - 2 - 3 = 1. Die Lösung ist (1∣2∣3)(1 \mid 2 \mid 3).

Das System x1+x2=2x_1 + x_2 = 2, 2x1+2x2=52x_1 + 2x_2 = 5 führt mit II−2⋅I\text{II} - 2 \cdot \text{I} auf 0=10 = 1. Es hat keine Lösung.

Das System x1+x2=2x_1 + x_2 = 2, 2x1+2x2=42x_1 + 2x_2 = 4 führt auf 0=00 = 0. Mit x2=tx_2 = t ist x1=2−tx_1 = 2 - t, es gibt unendlich viele Lösungen (2−t∣t)(2 - t \mid t), t∈Rt \in \mathbb{R}.

Typische Fehler

  • Beim Addieren eines Vielfachen nur die linke Seite umformen und die rechte Seite vergessen.
  • Vorzeichenfehler beim Subtrahieren, z.B. −1−2⋅1=−3-1 - 2 \cdot 1 = -3, nicht −1-1.
  • Eine Zeile mit 00 multiplizieren. Dabei geht eine Gleichung verloren.
  • Aus einer Zeile 0=00 = 0 schließen, dass das System keine Lösung hat. Sie bedeutet einen freien Parameter, nicht einen Widerspruch.

Verwandte Formeln