Satz von der totalen Wahrscheinlichkeit

Satz von der totalen Wahrscheinlichkeit

Oberstufe
P(B)=∑i=1nP(Ai)⋅PAi(B)P(B) = \sum_{i=1}^{n} P(A_i) \cdot P_{A_i}(B)

Voraussetzung: A1,…,AnA_1, \ldots, A_n paarweise unvereinbar,, A1∪…∪An=Ω,A_1 \cup \ldots \cup A_n = \Omega, P(Ai)>0P(A_i) > 0

BB
das Ereignis, dessen Wahrscheinlichkeit gesucht ist
A1,…,AnA_1, \ldots, A_n
Zerlegung der Ergebnismenge in Fälle, die sich nicht überschneiden
P(Ai)P(A_i)
Wahrscheinlichkeit des i-ten Falls
PAi(B)P_{A_i}(B)
bedingte Wahrscheinlichkeit von B im i-ten Fall
Ω\Omega
Ergebnismenge, also alle möglichen Ergebnisse
nn
Anzahl der Fälle

P(B) ergibt sich als Summe über alle Fälle Aᵢ, jeweils P(Aᵢ) mal die bedingte Wahrscheinlichkeit von B im Fall Aᵢ.

Erklärung

Oft ist eine Wahrscheinlichkeit nicht direkt bekannt, wohl aber für verschiedene Fälle getrennt. Der Satz von der totalen Wahrscheinlichkeit setzt diese Teile zusammen: Man gewichtet die bedingte Wahrscheinlichkeit PAi(B)P_{A_i}(B) in jedem Fall mit der Wahrscheinlichkeit P(Ai)P(A_i) des Falls und addiert.

Voraussetzung ist eine Zerlegung von Ω\Omega: Die Fälle A1,…,AnA_1, \ldots, A_n überschneiden sich nicht, und zusammen decken sie alles ab. Im einfachsten Fall sind es zwei: AA und das Gegenereignis A‾\overline{A}:

P(B)=P(A)⋅PA(B)+P(A‾)⋅PA‾(B)P(B) = P(A) \cdot P_A(B) + P(\overline{A}) \cdot P_{\overline{A}}(B)

Im Baumdiagramm ist das genau die Pfadmultiplikationsregel entlang jedes Pfads zu BB und danach die Pfadadditionsregel über alle diese Pfade.

Das Ergebnis P(B)P(B) wird oft als Nenner im Satz von Bayes gebraucht.

Beispiele

Maschine M1M_1 stellt 60 %60\,\% der Teile her, davon sind 2 %2\,\% fehlerhaft. Maschine M2M_2 stellt 40 %40\,\% her, davon sind 5 %5\,\% fehlerhaft. Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig gewähltes Teil fehlerhaft ist (FF):

P(F)=0,6⋅0,02+0,4⋅0,05=0,012+0,02=0,032P(F) = 0{,}6 \cdot 0{,}02 + 0{,}4 \cdot 0{,}05 = 0{,}012 + 0{,}02 = 0{,}032

Mit Bayes folgt daraus z.B., dass ein fehlerhaftes Teil mit 0,4⋅0,050,032=0,020,032=0,625\frac{0{,}4 \cdot 0{,}05}{0{,}032} = \frac{0{,}02}{0{,}032} = 0{,}625 von M2M_2 stammt.

Ein Händler bezieht Ware von drei Lieferanten zu 50 %50\,\%, 30 %30\,\% und 20 %20\,\%. Deren Fehlerquoten sind 1 %1\,\%, 2 %2\,\% und 4 %4\,\%:

P(F)=0,5⋅0,01+0,3⋅0,02+0,2⋅0,04=0,019P(F) = 0{,}5 \cdot 0{,}01 + 0{,}3 \cdot 0{,}02 + 0{,}2 \cdot 0{,}04 = 0{,}019

Typische Fehler

  • Die Fehlerquoten einfach mitteln. 0,02+0,052=0,035\frac{0{,}02 + 0{,}05}{2} = 0{,}035 ist falsch, weil M1M_1 mehr produziert und deshalb stärker zählt.
  • Fälle verwenden, die sich überschneiden oder nicht alles abdecken. Die P(Ai)P(A_i) müssen zusammen 11 ergeben (hier 0,5+0,3+0,2=10{,}5 + 0{,}3 + 0{,}2 = 1).
  • PAi(B)P_{A_i}(B) und PB(Ai)P_B(A_i) vertauschen. Gegeben ist meist die Fehlerquote einer Maschine, also PM1(F)P_{M_1}(F), nicht der Anteil von M1M_1 an den fehlerhaften Teilen.

Verwandte Formeln