Satz von Bayes
Voraussetzung:
- zwei Ereignisse, z.B. A „Ursache“ und B „beobachtetes Merkmal“
- gesuchte Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung B, auch P(A | B)
- bekannte Wahrscheinlichkeit von B unter der Bedingung A, auch P(B | A)
- Wahrscheinlichkeit von A ohne weiteres Wissen
- Gesamtwahrscheinlichkeit von B
Der Satz von Bayes dreht eine bedingte Wahrscheinlichkeit um und berechnet P_B(A) aus P_A(B).
Erklärung
Oft kennt man , möchte aber wissen. Beispiel: Man weiß, wie zuverlässig ein Test eine Eigenschaft erkennt, und fragt, wie wahrscheinlich die Eigenschaft bei einem positiven Test tatsächlich vorliegt. Der Satz von Bayes dreht die Bedingung um.
Er folgt direkt aus der Definition der bedingten Wahrscheinlichkeit, denn :
Den Nenner kennt man meist nicht direkt. Man berechnet ihn mit der Pfadadditionsregel aus beiden Ästen des Baumdiagramms (Satz von der totalen Wahrscheinlichkeit):
Beide Voraussetzungen sind nötig: , damit definiert ist, und , damit man durch teilen darf. Für die Zerlegung von braucht man zusätzlich , damit auch definiert ist.
Beispiele
Spamfilter: 20 % aller E-Mails sind Spam (). Der Filter markiert Spam mit Wahrscheinlichkeit , normale Mails markiert er irrtümlich mit . ist „Mail wird markiert“.
Seltene Eigenschaft: In einer Produktion ist 1 % der Teile defekt (). Ein Prüfgerät schlägt bei defekten Teilen mit Alarm (), bei intakten Teilen fälschlich mit .
Nur etwa jedes vierte Teil mit Alarm ist also wirklich defekt. Mit Häufigkeiten wird das anschaulich: Von Teilen sind defekt, davon lösen Alarm aus. Von den intakten Teilen lösen Alarm aus. Unter allen Alarmen sind nur echte.
Typische Fehler
- mit gleichsetzen. Im zweiten Beispiel ist , aber nur etwa .
- Im Nenner nur den Pfad über nehmen und die Fehlalarme (Pfad über ) vergessen. Dann käme heraus.
- Die Grundwahrscheinlichkeit ignorieren. Ist selten, sind auch bei einem guten Test viele Alarme falsch.
- nicht einfach als ansetzen: Die Fehlalarmquote ist nicht . Beide Werte sind unabhängig voneinander gegeben.