Satz von Bayes

Satz von Bayes

Oberstufe
PB(A)=PA(B)⋅P(A)P(B)P_B(A) = \frac{P_A(B) \cdot P(A)}{P(B)}

Voraussetzung: P(A)>0,P(A) > 0, P(B)>0P(B) > 0

A,BA, B
zwei Ereignisse, z.B. A „Ursache“ und B „beobachtetes Merkmal“
PB(A)P_B(A)
gesuchte Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung B, auch P(A | B)
PA(B)P_A(B)
bekannte Wahrscheinlichkeit von B unter der Bedingung A, auch P(B | A)
P(A)P(A)
Wahrscheinlichkeit von A ohne weiteres Wissen
P(B)P(B)
Gesamtwahrscheinlichkeit von B

Der Satz von Bayes dreht eine bedingte Wahrscheinlichkeit um und berechnet P_B(A) aus P_A(B).

Erklärung

Oft kennt man PA(B)P_A(B), möchte aber PB(A)P_B(A) wissen. Beispiel: Man weiß, wie zuverlässig ein Test eine Eigenschaft erkennt, und fragt, wie wahrscheinlich die Eigenschaft bei einem positiven Test tatsächlich vorliegt. Der Satz von Bayes dreht die Bedingung um.

Er folgt direkt aus der Definition der bedingten Wahrscheinlichkeit, denn P(A∩B)=P(A)⋅PA(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P_A(B):

PB(A)=P(A∩B)P(B)=PA(B)⋅P(A)P(B)P_B(A) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)} = \frac{P_A(B) \cdot P(A)}{P(B)}

Den Nenner P(B)P(B) kennt man meist nicht direkt. Man berechnet ihn mit der Pfadadditionsregel aus beiden Ästen des Baumdiagramms (Satz von der totalen Wahrscheinlichkeit):

P(B)=P(A)⋅PA(B)+P(A‾)⋅PA‾(B)P(B) = P(A) \cdot P_A(B) + P(\overline{A}) \cdot P_{\overline{A}}(B)

Beide Voraussetzungen sind nötig: P(A)>0P(A) > 0, damit PA(B)P_A(B) definiert ist, und P(B)>0P(B) > 0, damit man durch P(B)P(B) teilen darf. Für die Zerlegung von P(B)P(B) braucht man zusätzlich 0<P(A)<10 < P(A) < 1, damit auch PA‾(B)P_{\overline{A}}(B) definiert ist.

Beispiele

Spamfilter: 20 % aller E-Mails sind Spam (AA). Der Filter markiert Spam mit Wahrscheinlichkeit 0,950{,}95, normale Mails markiert er irrtümlich mit 0,020{,}02. BB ist „Mail wird markiert“.

P(B)=0,2⋅0,95+0,8⋅0,02=0,19+0,016=0,206P(B) = 0{,}2 \cdot 0{,}95 + 0{,}8 \cdot 0{,}02 = 0{,}19 + 0{,}016 = 0{,}206PB(A)=0,95⋅0,20,206=95103≈92,2 %P_B(A) = \frac{0{,}95 \cdot 0{,}2}{0{,}206} = \frac{95}{103} \approx 92{,}2\,\%

Seltene Eigenschaft: In einer Produktion ist 1 % der Teile defekt (AA). Ein Prüfgerät schlägt bei defekten Teilen mit 0,980{,}98 Alarm (BB), bei intakten Teilen fälschlich mit 0,030{,}03.

P(B)=0,01⋅0,98+0,99⋅0,03=0,0395P(B) = 0{,}01 \cdot 0{,}98 + 0{,}99 \cdot 0{,}03 = 0{,}0395PB(A)=0,98⋅0,010,0395=98395≈24,8 %P_B(A) = \frac{0{,}98 \cdot 0{,}01}{0{,}0395} = \frac{98}{395} \approx 24{,}8\,\%

Nur etwa jedes vierte Teil mit Alarm ist also wirklich defekt. Mit Häufigkeiten wird das anschaulich: Von 10 00010\,000 Teilen sind 100100 defekt, davon lösen 9898 Alarm aus. Von den 99009900 intakten Teilen lösen 297297 Alarm aus. Unter allen 98+297=39598 + 297 = 395 Alarmen sind nur 9898 echte.

Typische Fehler

  • PB(A)P_B(A) mit PA(B)P_A(B) gleichsetzen. Im zweiten Beispiel ist PA(B)=98 %P_A(B) = 98\,\%, aber PB(A)P_B(A) nur etwa 24,8 %24{,}8\,\%.
  • Im Nenner nur den Pfad über AA nehmen und die Fehlalarme (Pfad über A‾\overline{A}) vergessen. Dann käme 11 heraus.
  • Die Grundwahrscheinlichkeit P(A)P(A) ignorieren. Ist AA selten, sind auch bei einem guten Test viele Alarme falsch.
  • PA‾(B)P_{\overline{A}}(B) nicht einfach als 1−PA(B)1 - P_A(B) ansetzen: Die Fehlalarmquote 0,030{,}03 ist nicht 1−0,98=0,021 - 0{,}98 = 0{,}02. Beide Werte sind unabhängig voneinander gegeben.

Verwandte Formeln