Linearität des Erwartungswerts

Linearität des Erwartungswerts

Studium
E(aX+bY+c)=a E(X)+b E(Y)+cE(aX + bY + c) = a\,E(X) + b\,E(Y) + c

Voraussetzung: a,b,c∈R,a, b, c \in \mathbb{R}, E(X)E(X) und E(Y)E(Y) existieren

EE
Erwartungswert
X,YX, Y
Zufallsgrößen auf demselben Wahrscheinlichkeitsraum, nicht unbedingt unabhängig
a,b,ca, b, c
feste reelle Zahlen

Der Erwartungswert einer Linearkombination ist die Linearkombination der Erwartungswerte, auch ohne Unabhängigkeit.

Erklärung

Der Erwartungswert ist linear: Konstante Faktoren lassen sich herausziehen, Summen lassen sich aufteilen, und eine additive Konstante bleibt erhalten. Für beliebig viele Zufallsgrößen gilt entsprechend

E(X1+X2+…+Xn)=E(X1)+E(X2)+…+E(Xn)E(X_1 + X_2 + \ldots + X_n) = E(X_1) + E(X_2) + \ldots + E(X_n)

Die wichtigste Eigenschaft: Dafür ist keine Unabhängigkeit nötig. Das macht die Regel zu einem starken Werkzeug. Man zerlegt eine komplizierte Zufallsgröße in eine Summe einfacher Indikatorvariablen Ij∈{0,1}I_j \in \{0, 1\} mit E(Ij)=P(Ij=1)E(I_j) = P(I_j = 1) und addiert deren Erwartungswerte.

Die Regel folgt direkt aus der Definition als (gewichtete) Summe bzw. Integral, weil Summe und Integral linear sind.

Beispiele

Augensumme zweier Würfel: Mit E(X)=E(Y)=3,5E(X) = E(Y) = 3{,}5 folgt ohne Verteilungstabelle

E(X+Y)=3,5+3,5=7E(X + Y) = 3{,}5 + 3{,}5 = 7

Ein Spiel zahlt 2X−32X - 3 Euro, wobei XX die Augenzahl eines Würfels ist:

E(2X−3)=2⋅3,5−3=4E(2X - 3) = 2 \cdot 3{,}5 - 3 = 4

Erwartungswert der Binomialverteilung: X=I1+…+InX = I_1 + \ldots + I_n, wobei Ij=1I_j = 1 ist, wenn der jj-te Versuch ein Treffer ist. Wegen E(Ij)=pE(I_j) = p ist E(X)=n⋅pE(X) = n \cdot p, z.B. 10⋅0,3=310 \cdot 0{,}3 = 3 für n=10n = 10, p=0,3p = 0{,}3.

Typische Fehler

  • Die Regel auf Produkte übertragen. E(X⋅Y)=E(X)⋅E(Y)E(X \cdot Y) = E(X) \cdot E(Y) gilt nur, wenn XX und YY unkorreliert sind, z.B. bei Unabhängigkeit.
  • Die Regel auf nichtlineare Funktionen übertragen. Beim Würfel ist E(X2)=916≈15,17E(X^2) = \frac{91}{6} \approx 15{,}17, aber (E(X))2=12,25(E(X))^2 = 12{,}25. Ebenso ist E ⁣(1X)≠1E(X)E\!\left(\frac{1}{X}\right) \neq \frac{1}{E(X)}.
  • Glauben, für E(X+Y)=E(X)+E(Y)E(X + Y) = E(X) + E(Y) brauche man Unabhängigkeit. Erst bei der Varianz einer Summe spielt die Abhängigkeit eine Rolle.

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