Linearität des Erwartungswerts
Voraussetzung: und existieren
- Erwartungswert
- Zufallsgrößen auf demselben Wahrscheinlichkeitsraum, nicht unbedingt unabhängig
- feste reelle Zahlen
Der Erwartungswert einer Linearkombination ist die Linearkombination der Erwartungswerte, auch ohne Unabhängigkeit.
Erklärung
Der Erwartungswert ist linear: Konstante Faktoren lassen sich herausziehen, Summen lassen sich aufteilen, und eine additive Konstante bleibt erhalten. Für beliebig viele Zufallsgrößen gilt entsprechend
Die wichtigste Eigenschaft: Dafür ist keine Unabhängigkeit nötig. Das macht die Regel zu einem starken Werkzeug. Man zerlegt eine komplizierte Zufallsgröße in eine Summe einfacher Indikatorvariablen mit und addiert deren Erwartungswerte.
Die Regel folgt direkt aus der Definition als (gewichtete) Summe bzw. Integral, weil Summe und Integral linear sind.
Beispiele
Augensumme zweier Würfel: Mit folgt ohne Verteilungstabelle
Ein Spiel zahlt Euro, wobei die Augenzahl eines Würfels ist:
Erwartungswert der Binomialverteilung: , wobei ist, wenn der -te Versuch ein Treffer ist. Wegen ist , z.B. für , .
Typische Fehler
- Die Regel auf Produkte übertragen. gilt nur, wenn und unkorreliert sind, z.B. bei Unabhängigkeit.
- Die Regel auf nichtlineare Funktionen übertragen. Beim Würfel ist , aber . Ebenso ist .
- Glauben, für brauche man Unabhängigkeit. Erst bei der Varianz einer Summe spielt die Abhängigkeit eine Rolle.