Erwartungswert und Standardabweichung der Binomialverteilung

Erwartungswert und Standardabweichung der Binomialverteilung

Oberstufe
μ=n⋅p,σ=n⋅p⋅(1−p)\mu = n \cdot p,\quad \sigma = \sqrt{n \cdot p \cdot (1-p)}

Voraussetzung: XX binomialverteilt,, n∈N,n \in \mathbb{N}, n≥1,n \geq 1, 0≤p≤10 \leq p \leq 1

μ\mu
Erwartungswert E(X) der Trefferzahl
σ\sigma
Standardabweichung der Trefferzahl, Wurzel aus der Varianz V(X)
nn
Länge der Bernoulli-Kette
pp
Trefferwahrscheinlichkeit bei jedem Versuch
1−p1-p
Nietenwahrscheinlichkeit bei jedem Versuch

Für eine binomialverteilte Trefferzahl gilt μ = n · p und σ = √(n · p · (1 − p)).

Erklärung

Ist die Trefferzahl XX binomialverteilt mit nn Versuchen und Trefferwahrscheinlichkeit pp, muss man Erwartungswert und Standardabweichung nicht über die allgemeinen Summenformeln berechnen. Es gilt einfach:

μ=E(X)=n⋅pV(X)=n⋅p⋅(1−p)σ=V(X)\mu = E(X) = n \cdot p \qquad V(X) = n \cdot p \cdot (1-p) \qquad \sigma = \sqrt{V(X)}

μ=n⋅p\mu = n \cdot p ist anschaulich: Bei nn Versuchen mit je Trefferwahrscheinlichkeit pp erwartet man im Mittel n⋅pn \cdot p Treffer. μ\mu muss keine ganze Zahl sein.

σ\sigma beschreibt, wie weit die Trefferzahl typischerweise von μ\mu abweicht. Für pp nahe 00 oder 11 ist die Streuung klein, am größten ist sie bei p=0,5p = 0{,}5.

Für Abschätzungen nutzt man die Sigma-Regeln: Ist σ>3\sigma > 3 (Laplace-Bedingung), liegt XX mit grob 68 % Wahrscheinlichkeit im Intervall [μ−σ; μ+σ][\mu - \sigma;\ \mu + \sigma]. Das ist nur eine Faustregel; der exakte Wert hängt von nn und pp ab.

Beispiele

Ein Würfel wird 100100-mal geworfen, XX ist die Anzahl der Sechsen (n=100n = 100, p=16p = \frac{1}{6}):

μ=100⋅16≈16,67σ=100⋅16⋅56≈13,89≈3,73\mu = 100 \cdot \frac{1}{6} \approx 16{,}67 \qquad \sigma = \sqrt{100 \cdot \frac{1}{6} \cdot \frac{5}{6}} \approx \sqrt{13{,}89} \approx 3{,}73

Weil σ≈3,73>3\sigma \approx 3{,}73 > 3 ist, gilt die Sigma-Regel: Die Anzahl der Sechsen liegt mit grob 68 % Wahrscheinlichkeit zwischen 16,67−3,73≈12,9416{,}67 - 3{,}73 \approx 12{,}94 und 16,67+3,73≈20,3916{,}67 + 3{,}73 \approx 20{,}39, also bei 1313 bis 2020 Sechsen. Exakt mit der Binomialverteilung berechnet ist P(13≤X≤20)≈0,718P(13 \leq X \leq 20) \approx 0{,}718, also etwa 72 %.

Eine Fluggesellschaft hat 200200 Buchungen, jeder Fluggast erscheint mit Wahrscheinlichkeit 0,080{,}08 nicht. Für die Anzahl der Nichterscheinenden gilt (unter der Annahme, dass die Fluggäste unabhängig voneinander handeln):

μ=200⋅0,08=16σ=200⋅0,08⋅0,92=14,72≈3,84\mu = 200 \cdot 0{,}08 = 16 \qquad \sigma = \sqrt{200 \cdot 0{,}08 \cdot 0{,}92} = \sqrt{14{,}72} \approx 3{,}84

Typische Fehler

  • Die Wurzel vergessen: n⋅p⋅(1−p)n \cdot p \cdot (1-p) ist die Varianz, nicht die Standardabweichung. Im Würfelbeispiel wäre 13,8913{,}89 statt 3,733{,}73 falsch.
  • pp und 1−p1 - p verwechseln, etwa im Flugbeispiel μ=200⋅0,92\mu = 200 \cdot 0{,}92 rechnen. Das ist die erwartete Zahl der Erscheinenden, nicht der Nichterscheinenden.
  • Die Formeln auf Zufallsgrößen anwenden, die nicht binomialverteilt sind, z.B. auf eine Augenzahl oder beim Ziehen ohne Zurücklegen aus einer kleinen Urne.
  • Die Sigma-Regeln ohne Prüfung von σ>3\sigma > 3 verwenden. Bei kleinem σ\sigma sind die Näherungen ungenau.

Verwandte Formeln