Korrigierte Stichprobenvarianz

Korrigierte Stichprobenvarianz

Studium
sn−12=1n−1∑i=1n(xi−xˉ)2s_{n-1}^2 = \frac{1}{n-1} \sum_{i=1}^{n} (x_i - \bar{x})^2

Voraussetzung: n≥2n \geq 2

sn−12s_{n-1}^2
korrigierte Stichprobenvarianz (Teiler n − 1)
nn
Stichprobenumfang
xix_i
der i-te Stichprobenwert
ii
Laufindex von 1 bis n
xˉ\bar{x}
arithmetisches Mittel der Stichprobe

Die korrigierte Stichprobenvarianz teilt die Summe der quadrierten Abweichungen durch n − 1 und schätzt σ² erwartungstreu.

Erklärung

Bezeichnung: Auf der Seite zur empirischen Varianz steht s2s^2 für die Variante mit Teiler nn. Hier heißt die Variante mit Teiler n−1n - 1 deshalb sn−12s_{n-1}^2. In Büchern und auf Taschenrechnern wird s2s^2 für beide Varianten verwendet, daher immer auf den Teiler achten.

Die Werte x1,…,xnx_1, \ldots, x_n seien eine Stichprobe aus einer Grundgesamtheit mit unbekannter Varianz σ2\sigma^2. Teilt man die Summe der quadrierten Abweichungen durch n−1n - 1 statt durch nn, erhält man einen erwartungstreuen Schätzer: Für unabhängige, identisch verteilte Stichprobenvariablen gilt E(Sn−12)=σ2E(S_{n-1}^2) = \sigma^2.

Warum n−1n - 1? Die Abweichungen werden vom Stichprobenmittel xˉ\bar{x} gemessen, nicht vom wahren Erwartungswert μ\mu. Weil xˉ\bar{x} aus denselben Daten berechnet wird, liegt es systematisch näher an den Werten, und die Quadratsumme fällt zu klein aus. Genauer gilt E(∑(Xi−Xˉ)2)=(n−1)σ2E\big(\sum (X_i - \bar{X})^2\big) = (n-1)\sigma^2. Man spricht von Bessel-Korrektur; n−1n - 1 ist die Zahl der Freiheitsgrade, da die Abweichungen sich zu 00 summieren.

Der Verschiebungssatz lautet hier

sn−12=1n−1(∑i=1nxi2−n xˉ2)s_{n-1}^2 = \frac{1}{n-1}\left(\sum_{i=1}^{n} x_i^2 - n\,\bar{x}^2\right)

Die Wurzel sn−1=sn−12s_{n-1} = \sqrt{s_{n-1}^2} ist die übliche Schätzung der Standardabweichung, aber selbst nicht erwartungstreu für σ\sigma (sie unterschätzt im Mittel leicht).

Beispiele

Stichprobe 2,4,4,5,102, 4, 4, 5, 10 mit n=5n = 5 und xˉ=5\bar{x} = 5. Die Abweichungen −3,−1,−1,0,5-3, -1, -1, 0, 5 haben die Quadratsumme 3636:

sn−12=365−1=9,sn−1=3s_{n-1}^2 = \frac{36}{5 - 1} = 9, \qquad s_{n-1} = 3

Mit dem Verschiebungssatz: ∑xi2=161\sum x_i^2 = 161, also sn−12=161−5⋅524=9s_{n-1}^2 = \frac{161 - 5 \cdot 5^2}{4} = 9.

Die empirische Varianz mit Teiler nn (dort s2s^2 geschrieben) wäre 365=7,2\frac{36}{5} = 7{,}2. Umrechnung: 7,2⋅54=97{,}2 \cdot \frac{5}{4} = 9.

Typische Fehler

  • Teiler nn und n−1n - 1 verwechseln oder nicht angeben. Taschenrechner bieten meist beide an (σx\sigma_x bzw. sxs_x), und das Symbol s2s^2 steht je nach Quelle für die eine oder die andere Variante.
  • Die Formel mit n−1n - 1 verwenden, obwohl die Daten die gesamte Grundgesamtheit sind. Dann ist die Varianz mit Teiler nn die richtige Kenngröße.
  • Annehmen, sn−1s_{n-1} sei erwartungstreu für σ\sigma, nur weil sn−12s_{n-1}^2 es für σ2\sigma^2 ist.
  • Im Verschiebungssatz xˉ2\bar{x}^2 ohne den Faktor nn abziehen.

Verwandte Formeln