Hypothesentest

Hypothesentest

Oberstufe
Pp0(X∈A‾)≤αP_{p_0}(X \in \overline{A}) \leq \alpha

Voraussetzung: XX unter H0H_0 binomialverteilt mit nn und p0,p_0, 0<α<10 < \alpha < 1

H0H_0
Nullhypothese, die Annahme über die Trefferwahrscheinlichkeit, die geprüft wird
p0p_0
Trefferwahrscheinlichkeit laut Nullhypothese
XX
Testgröße, die Anzahl der Treffer in der Stichprobe
nn
Stichprobenumfang
A‾\overline{A}
Ablehnungsbereich, die Werte von X, bei denen man H₀ verwirft
α\alpha
Signifikanzniveau, die höchstens erlaubte Irrtumswahrscheinlichkeit
Pp0P_{p_0}
Wahrscheinlichkeit, berechnet mit p = p₀

Ein Hypothesentest verwirft H₀, wenn das Ergebnis in einem Bereich liegt, der unter H₀ höchstens mit Wahrscheinlichkeit α vorkommt.

Erklärung

Mit einem Hypothesentest entscheidet man anhand einer Stichprobe, ob eine Annahme über eine unbekannte Trefferwahrscheinlichkeit pp verworfen wird. Die Annahme heißt Nullhypothese H0H_0, die Gegenannahme Alternative H1H_1.

Man legt vorher einen Ablehnungsbereich A‾\overline{A} fest. Fällt die Trefferzahl dort hinein, verwirft man H0H_0. Der Bereich wird so gewählt, dass dies bei gültiger Nullhypothese höchstens mit der Wahrscheinlichkeit α\alpha passiert, dem Signifikanzniveau (oft 5 %5\,\% oder 1 %1\,\%).

Ablauf eines Tests mit einer binomialverteilten Testgröße:

  1. Hypothesen aufstellen, z.B. H0 ⁣:p≤p0H_0\colon p \leq p_0 gegen H1 ⁣:p>p0H_1\colon p > p_0.
  2. Testgröße XX, Stichprobenumfang nn und Signifikanzniveau α\alpha festlegen.
  3. Art des Tests bestimmen: rechtsseitig (große Werte sprechen gegen H0H_0), linksseitig (kleine Werte) oder zweiseitig.
  4. Den Ablehnungsbereich mit p=p0p = p_0 so groß wie möglich wählen, sodass Pp0(X∈A‾)≤αP_{p_0}(X \in \overline{A}) \leq \alpha gilt.
  5. Entscheidungsregel formulieren, Stichprobe auswerten, Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren.

Alle Schritte bis zur Entscheidungsregel müssen vor der Auswertung der Stichprobe feststehen. Ein Test beweist nichts: Wer H0H_0 verwirft, kann sich irren (Fehler 1. Art), und wer H0H_0 nicht verwirft, hat sie damit nicht bestätigt.

Beispiele

Ein bisheriges Medikament wirkt bei 60 %60\,\% der Patienten. Ein Hersteller behauptet, sein neues Mittel wirke besser. Es wird an n=50n = 50 Personen getestet, XX ist die Anzahl der Personen, bei denen es wirkt.

  • Hypothesen: H0 ⁣:p≤0,6H_0\colon p \leq 0{,}6, H1 ⁣:p>0,6H_1\colon p > 0{,}6. Gerechnet wird mit dem Randwert p0=0,6p_0 = 0{,}6.
  • Viele Erfolge sprechen gegen H0H_0, der Test ist rechtsseitig: A‾={k;…;50}\overline{A} = \{k; \ldots; 50\}.
  • Erwartet werden unter H0H_0 etwa 50⋅0,6=3050 \cdot 0{,}6 = 30 Erfolge.

Gesucht ist das kleinste kk mit P(X≥k)≤0,05P(X \geq k) \leq 0{,}05:

P(X≥36)≈0,0540>0,05,P(X≥37)≈0,0280≤0,05P(X \geq 36) \approx 0{,}0540 > 0{,}05, \qquad P(X \geq 37) \approx 0{,}0280 \leq 0{,}05

Entscheidungsregel: Wirkt das Mittel bei mindestens 3737 von 5050 Personen, wird H0H_0 verworfen, und man geht von einer besseren Wirkung aus. Die Irrtumswahrscheinlichkeit beträgt dabei höchstens 2,8 %2{,}8\,\%.

Typische Fehler

  • Die Hypothesen vertauschen. Was man nachweisen möchte, gehört in H1H_1, denn nur das Verwerfen von H0H_0 ist eine abgesicherte Aussage.
  • Den Ablehnungsbereich erst nach dem Blick auf die Daten festlegen. Dann stimmt das Signifikanzniveau nicht mehr.
  • P(X≥37)P(X \geq 37) mit 1−P(X≤37)1 - P(X \leq 37) berechnen. Richtig ist 1−P(X≤36)1 - P(X \leq 36).
  • Das Nicht-Verwerfen als Beweis für H0H_0 deuten. Es heißt nur, dass die Daten nicht deutlich genug dagegen sprechen.

Verwandte Formeln