Fehler 1. und 2. Art

Fehler 1. und 2. Art

Oberstufe
α∗=Pp0(X∈A‾),β=Pp1(X∈A)\alpha^* = P_{p_0}(X \in \overline{A}), \qquad \beta = P_{p_1}(X \in A)

Voraussetzung: XX binomialverteilt,, p0p_0 laut H0,H_0, p1p_1 ein Wert aus H1H_1

α∗\alpha^*
Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art, H₀ wird verworfen, obwohl sie stimmt
β\beta
Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art, H₀ wird nicht verworfen, obwohl sie falsch ist
XX
Testgröße, die Anzahl der Treffer in der Stichprobe
A, A‾A,\ \overline{A}
Annahmebereich und Ablehnungsbereich von H₀
p0p_0
Trefferwahrscheinlichkeit laut Nullhypothese
p1p_1
angenommene wahre Trefferwahrscheinlichkeit, für die β berechnet wird

Fehler 1. Art heißt, eine richtige Nullhypothese zu verwerfen, Fehler 2. Art, eine falsche beizubehalten.

Erklärung

Bei einem Hypothesentest kann man sich auf zwei Arten irren:

H0H_0 ist wahrH0H_0 ist falsch
H0H_0 wird verworfenFehler 1. Artrichtig
H0H_0 wird nicht verworfenrichtigFehler 2. Art
  • Die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art (α\alpha-Fehler) berechnet man mit p0p_0. Sie ist durch das Signifikanzniveau begrenzt: α∗≤α\alpha^* \leq \alpha.
  • Die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art (β\beta-Fehler) hängt vom wahren Wert pp ab, den man nicht kennt. Man berechnet sie deshalb für einen angenommenen Wert p1p_1 aus der Alternative.

Die beiden Fehler hängen zusammen: Ein kleinerer Ablehnungsbereich senkt α∗\alpha^*, erhöht aber β\beta. Beide zugleich verkleinert nur ein größerer Stichprobenumfang. Die Wahrscheinlichkeit 1−β1 - \beta, eine falsche Nullhypothese zu erkennen, heißt Güte oder Trennschärfe des Tests.

Beispiele

Ein neues Medikament soll besser wirken als das alte mit 60 %60\,\%. Getestet wird H0 ⁣:p≤0,6H_0\colon p \leq 0{,}6 an n=50n = 50 Personen, Ablehnungsbereich A‾={37;…;50}\overline{A} = \{37; \ldots; 50\}.

Fehler 1. Art: Das Mittel ist nicht besser, trotzdem wirkt es zufällig bei mindestens 3737 Personen.

α∗=P0,6(X≥37)≈0,0280\alpha^* = P_{0{,}6}(X \geq 37) \approx 0{,}0280

Fehler 2. Art: Das Mittel wirkt in Wahrheit bei 75 %75\,\%, der Test erkennt das aber nicht.

β=P0,75(X≤36)≈0,3630\beta = P_{0{,}75}(X \leq 36) \approx 0{,}3630

Die Güte für p1=0,75p_1 = 0{,}75 beträgt also nur 1−β≈0,6371 - \beta \approx 0{,}637. Ein deutlich wirksameres Medikament bleibt mit etwa 36 %36\,\% Wahrscheinlichkeit unentdeckt.

Würde man schon ab 3636 Erfolgen verwerfen, sänke β\beta auf P0,75(X≤35)≈0,2519P_{0{,}75}(X \leq 35) \approx 0{,}2519. Dafür stiege α∗\alpha^* auf P0,6(X≥36)≈0,0540P_{0{,}6}(X \geq 36) \approx 0{,}0540 und läge über 5 %5\,\%.

Typische Fehler

  • β\beta mit p0p_0 berechnen. Für den Fehler 2. Art braucht man einen Wert p1p_1 aus der Alternative.
  • α∗+β=1\alpha^* + \beta = 1 annehmen. Die beiden Wahrscheinlichkeiten gehören zu verschiedenen Werten von pp und ergänzen sich nicht.
  • Die Fehlerarten im Sachzusammenhang vertauschen. Fehler 1. Art bedeutet immer: H0H_0 wird zu Unrecht verworfen.

Verwandte Formeln