Ablehnungsbereich bei der Binomialverteilung

Ablehnungsbereich bei der Binomialverteilung

Oberstufe
A‾={0;…;k} mit Pp0(X≤k)≤α<Pp0(X≤k+1)\overline{A} = \{0; \ldots; k\} \text{ mit } P_{p_0}(X \leq k) \leq \alpha < P_{p_0}(X \leq k+1)

Voraussetzung: XX unter H0H_0 binomialverteilt mit nn und p0,p_0, linksseitiger Test

A‾\overline{A}
Ablehnungsbereich von H₀
kk
kritischer Wert, die größte Trefferzahl, die noch im Ablehnungsbereich liegt
XX
Testgröße, die Anzahl der Treffer in der Stichprobe
p0p_0
Trefferwahrscheinlichkeit laut Nullhypothese
α\alpha
Signifikanzniveau
Pp0P_{p_0}
Wahrscheinlichkeit, berechnet mit p = p₀

Der Ablehnungsbereich ist der größte Randbereich, dessen Wahrscheinlichkeit unter H₀ höchstens α beträgt.

Erklärung

Der Ablehnungsbereich eines Tests enthält die Trefferzahlen, bei denen man die Nullhypothese verwirft. Er liegt an dem Rand, an dem die Ergebnisse gegen H0H_0 sprechen, und wird mit der Trefferwahrscheinlichkeit p0p_0 der Nullhypothese berechnet.

Die Formel zeigt den linksseitigen Test (H1 ⁣:p<p0H_1\colon p < p_0). Man sucht das größte kk, für das die kumulierte Wahrscheinlichkeit P(X≤k)P(X \leq k) noch höchstens α\alpha ist. Die anderen Fälle:

  • Rechtsseitig (H1 ⁣:p>p0H_1\colon p > p_0): A‾={k;…;n}\overline{A} = \{k; \ldots; n\} mit dem kleinsten kk, für das P(X≥k)=1−P(X≤k−1)≤αP(X \geq k) = 1 - P(X \leq k-1) \leq \alpha gilt.
  • Zweiseitig (H1 ⁣:p≠p0H_1\colon p \neq p_0): Man teilt α\alpha auf beide Seiten auf und bestimmt links und rechts je einen Bereich mit höchstens α2\frac{\alpha}{2}.

Die übrigen Werte bilden den Annahmebereich AA. In der Praxis liest man die kumulierten Werte aus einer Tabelle ab oder probiert mit dem Taschenrechner benachbarte kk aus.

Beispiele

Eine Partei hatte bisher einen Stimmenanteil von 40 %40\,\%. Es wird vermutet, dass er gesunken ist. Getestet wird H0 ⁣:p≥0,4H_0\colon p \geq 0{,}4 gegen H1 ⁣:p<0,4H_1\colon p < 0{,}4 mit n=100n = 100 Befragten auf dem Niveau α=5 %\alpha = 5\,\%.

P(X≤31)≈0,0398≤0,05,P(X≤32)≈0,0615>0,05P(X \leq 31) \approx 0{,}0398 \leq 0{,}05, \qquad P(X \leq 32) \approx 0{,}0615 > 0{,}05

Also ist A‾={0;…;31}\overline{A} = \{0; \ldots; 31\}. Sprechen sich höchstens 3131 Befragte für die Partei aus, wird H0H_0 verworfen.

Zweiseitiger Test, ob eine Münze fair ist: H0 ⁣:p=0,5H_0\colon p = 0{,}5, n=100n = 100, α=5 %\alpha = 5\,\%. Auf jede Seite entfallen höchstens 0,052=0,025\frac{0{,}05}{2} = 0{,}025.

P(X≤39)≈0,0176≤0,025,P(X≤40)≈0,0284>0,025P(X \leq 39) \approx 0{,}0176 \leq 0{,}025, \qquad P(X \leq 40) \approx 0{,}0284 > 0{,}025

Wegen der Symmetrie bei p=0,5p = 0{,}5 ist der rechte Teil {61;…;100}\{61; \ldots; 100\}, denn 100−39=61100 - 39 = 61. Ablehnungsbereich: A‾={0;…;39}∪{61;…;100}\overline{A} = \{0; \ldots; 39\} \cup \{61; \ldots; 100\}. Die tatsächliche Irrtumswahrscheinlichkeit ist 2⋅P(X≤39)≈0,03522 \cdot P(X \leq 39) \approx 0{,}0352.

Typische Fehler

  • Das erste kk nehmen, bei dem P(X≤k)P(X \leq k) größer als α\alpha ist. Der Ablehnungsbereich endet einen Wert davor.
  • Beim zweiseitigen Test auf jeder Seite das volle α\alpha verwenden. Jede Seite bekommt nur α2\frac{\alpha}{2}.
  • Beim rechtsseitigen Test P(X≥k)P(X \geq k) als 1−P(X≤k)1 - P(X \leq k) berechnen. Richtig ist 1−P(X≤k−1)1 - P(X \leq k-1).
  • Mit einem Wert aus H1H_1 statt mit p0p_0 rechnen.

Verwandte Formeln