Erwartungswert und Varianz der Poisson-Verteilung

Erwartungswert und Varianz der Poisson-Verteilung

Studium
E(X)=λ,V(X)=λ,σ=λE(X) = \lambda, \qquad V(X) = \lambda, \qquad \sigma = \sqrt{\lambda}

Voraussetzung: XX Poisson-verteilt mit Parameter λ>0\lambda > 0

XX
Poisson-verteilte Zufallsgröße, z.B. Anzahl der Ereignisse pro Zeitraum
E(X)E(X)
Erwartungswert
V(X)V(X)
Varianz, auch Var(X) geschrieben
σ\sigma
Standardabweichung
λ\lambda
Parameter der Poisson-Verteilung, mittlere Anzahl der Ereignisse

Bei der Poisson-Verteilung sind Erwartungswert und Varianz beide gleich λ, die Standardabweichung ist √λ.

Erklärung

Für eine Poisson-verteilte Zufallsgröße XX mit P(X=k)=λkk! e−λP(X = k) = \frac{\lambda^k}{k!}\,e^{-\lambda} stimmen Erwartungswert und Varianz überein. Das ist ein Kennzeichen der Poisson-Verteilung: Ist bei Zähldaten die empirische Varianz deutlich größer als der Mittelwert (Überdispersion), passt das Poisson-Modell nicht.

Herleitung über die Exponentialreihe ∑k=0∞λkk!=eλ\sum_{k=0}^{\infty} \frac{\lambda^k}{k!} = e^{\lambda}:

E(X)=∑k=1∞k⋅λkk! e−λ=λ∑k=1∞λk−1(k−1)! e−λ=λE(X) = \sum_{k=1}^{\infty} k \cdot \frac{\lambda^k}{k!}\,e^{-\lambda} = \lambda \sum_{k=1}^{\infty} \frac{\lambda^{k-1}}{(k-1)!}\,e^{-\lambda} = \lambda

Genauso ergibt sich E(X(X−1))=λ2E\big(X(X-1)\big) = \lambda^2. Mit dem Verschiebungssatz folgt

V(X)=E(X(X−1))+E(X)−(E(X))2=λ2+λ−λ2=λV(X) = E\big(X(X-1)\big) + E(X) - \big(E(X)\big)^2 = \lambda^2 + \lambda - \lambda^2 = \lambda

Der Variationskoeffizient σE(X)=1λ\frac{\sigma}{E(X)} = \frac{1}{\sqrt{\lambda}} wird mit wachsendem λ\lambda kleiner: Große Zählraten schwanken relativ weniger.

Beispiele

Für λ=3\lambda = 3 ergibt die Summe ∑k⋅P(X=k)\sum k \cdot P(X = k) den Wert 33 und ∑k2⋅P(X=k)\sum k^2 \cdot P(X = k) den Wert 1212. Damit ist V(X)=12−32=3V(X) = 12 - 3^2 = 3.

In einer Notaufnahme kommen nachts im Mittel 44 Patienten pro Stunde an. Dann ist σ=4=2\sigma = \sqrt{4} = 2: Werte von etwa 22 bis 66 Ankünften pro Stunde sind üblich.

Für eine ganze Nacht von 88 Stunden ist λ=4⋅8=32\lambda = 4 \cdot 8 = 32 und

σ=32=42≈5,66\sigma = \sqrt{32} = 4\sqrt{2} \approx 5{,}66

Die Standardabweichung wächst also nicht mit dem Faktor 88, sondern nur mit 8\sqrt{8}.

Typische Fehler

  • Die Standardabweichung gleich λ\lambda setzen. λ\lambda ist die Varianz, σ=λ\sigma = \sqrt{\lambda}.
  • Beim Wechsel des Zeitraums σ\sigma statt λ\lambda skalieren. Man skaliert λ\lambda und zieht danach die Wurzel.
  • Das Poisson-Modell trotz deutlich abweichender Varianz der Daten verwenden.

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