Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest

Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest

Studium
χ2=∑i=1r∑j=1c(Nij−Eij)2Eij,Eij=Ni⋅⋅N⋅jn\chi^2 = \sum_{i=1}^{r} \sum_{j=1}^{c} \frac{(N_{ij} - E_{ij})^2}{E_{ij}}, \quad E_{ij} = \frac{N_{i\cdot} \cdot N_{\cdot j}}{n}

Voraussetzung: Eij≥5E_{ij} \geq 5 für alle Zellen (Faustregel)

χ2\chi^2
Wert der Testgröße
rr
Anzahl der Zeilen (Ausprägungen des ersten Merkmals)
cc
Anzahl der Spalten (Ausprägungen des zweiten Merkmals)
NijN_{ij}
beobachtete Häufigkeit in Zeile i und Spalte j
EijE_{ij}
erwartete Häufigkeit bei Unabhängigkeit
Ni⋅N_{i\cdot}
Summe der Zeile i
N⋅jN_{\cdot j}
Summe der Spalte j
nn
Gesamtzahl der Beobachtungen

Der Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest prüft anhand einer Kreuztabelle, ob zwei Merkmale unabhängig sind.

Erklärung

Zwei Merkmale (z.B. Altersgruppe und Kaufentscheidung) werden an nn Personen erhoben und in einer Kontingenztafel mit rr Zeilen und cc Spalten ausgezählt. Die Nullhypothese lautet: Die Merkmale sind unabhängig.

Bei Unabhängigkeit ist die Wahrscheinlichkeit einer Zelle das Produkt der Rand-Wahrscheinlichkeiten. Schätzt man diese durch die relativen Randhäufigkeiten, erhält man die erwarteten Häufigkeiten

Eij=n⋅Ni⋅n⋅N⋅jn=Ni⋅⋅N⋅jnE_{ij} = n \cdot \frac{N_{i\cdot}}{n} \cdot \frac{N_{\cdot j}}{n} = \frac{N_{i\cdot} \cdot N_{\cdot j}}{n}

Unter H0H_0 ist χ2\chi^2 näherungsweise Chi-Quadrat-verteilt mit (r−1)(c−1)(r - 1)(c - 1) Freiheitsgraden. H0H_0 wird verworfen, wenn χ2\chi^2 das Quantil χ(r−1)(c−1); 1−α2\chi^2_{(r-1)(c-1);\,1-\alpha} übersteigt (für α=5 %\alpha = 5\,\%: 3,8413{,}841 bei einem, 5,9915{,}991 bei zwei Freiheitsgraden).

Für eine Vierfeldertafel mit den Zellen a,ba, b (erste Zeile) und c,dc, d (zweite Zeile) gibt es eine Kurzformel:

χ2=n (ad−bc)2(a+b)(c+d)(a+c)(b+d)\chi^2 = \frac{n\,(ad - bc)^2}{(a+b)(c+d)(a+c)(b+d)}

Beispiele

Je 100100 Personen aus Gruppe A und Gruppe B werden gefragt, ob sie ein Produkt kaufen würden:

janeinSumme
Gruppe A6040100
Gruppe B4555100
Summe10595200

Erwartete Häufigkeiten: E11=100⋅105200=52,5E_{11} = \frac{100 \cdot 105}{200} = 52{,}5 und E12=100⋅95200=47,5E_{12} = \frac{100 \cdot 95}{200} = 47{,}5, in der zweiten Zeile ebenso. Jede Zelle weicht um 7,57{,}5 ab:

χ2=7,52⋅(252,5+247,5)≈4,51\chi^2 = 7{,}5^2 \cdot \left(\frac{2}{52{,}5} + \frac{2}{47{,}5}\right) \approx 4{,}51

Die Kurzformel liefert denselben Wert: 200⋅(60⋅55−40⋅45)2100⋅100⋅105⋅95≈4,51\frac{200 \cdot (60 \cdot 55 - 40 \cdot 45)^2}{100 \cdot 100 \cdot 105 \cdot 95} \approx 4{,}51.

Mit (2−1)(2−1)=1(2-1)(2-1) = 1 Freiheitsgrad ist der kritische Wert 3,8413{,}841. Wegen 4,51>3,8414{,}51 > 3{,}841 wird die Unabhängigkeit auf dem 5 %5\,\%-Niveau verworfen: Die Kaufbereitschaft hängt von der Gruppe ab.

Typische Fehler

  • Die erwarteten Häufigkeiten als Gesamtzahl geteilt durch die Zellenzahl berechnen. Sie hängen von den Randsummen ab.
  • Die Freiheitsgrade als r⋅c−1r \cdot c - 1 zählen. Richtig ist (r−1)(c−1)(r - 1)(c - 1).
  • Mit Prozentwerten statt absoluten Häufigkeiten rechnen.
  • Ein signifikantes Ergebnis als Nachweis einer Ursache deuten. Der Test zeigt nur einen Zusammenhang.

Verwandte Formeln