Fehler der Trapezregel

Fehler der Trapezregel

Studium
∣∫abf(x) dx−Tn∣≤(b−a) h212max⁡x∈[a,b]∣f′′(x)∣\left| \int_a^b f(x)\,dx - T_n \right| \leq \frac{(b - a)\,h^2}{12} \max_{x \in [a, b]} |f''(x)|

Voraussetzung: ff zweimal stetig differenzierbar auf [a,b],[a, b], h=b−anh = \frac{b - a}{n}

TnT_n
Näherung der summierten Trapezregel mit n Teilintervallen
a,ba, b
Integrationsgrenzen
hh
Schrittweite, Breite eines Teilintervalls
nn
Anzahl der Teilintervalle
f′′f''
zweite Ableitung des Integranden

Der Fehler der summierten Trapezregel ist höchstens (b − a) · h² / 12 mal das Maximum von |f″|; er sinkt quadratisch mit h.

Erklärung

Die summierte Trapezregel TnT_n nähert ∫abf(x) dx\int_a^b f(x)\,dx mit nn Trapezen der Breite hh. Ist ff zweimal stetig differenzierbar, gibt es ein ξ∈[a,b]\xi \in [a, b] mit

∫abf(x) dx−Tn=−(b−a) h212 f′′(ξ)\int_a^b f(x)\,dx - T_n = -\frac{(b - a)\,h^2}{12}\,f''(\xi)

Weil man ξ\xi nicht kennt, schätzt man ∣f′′(ξ)∣|f''(\xi)| durch das Maximum von ∣f′′∣|f''| auf [a,b][a, b] ab. Daraus folgt die Schranke oben.

Folgerungen:

  • Ordnung 2: Halbiert man hh, wird der Fehler etwa viermal kleiner.
  • Für lineare Funktionen ist f′′=0f'' = 0, die Trapezregel ist dann exakt.
  • Aus der Schranke bestimmt man, wie viele Teilintervalle für eine gewünschte Genauigkeit ε\varepsilon reichen: h≤12 ε(b−a)max⁡∣f′′∣h \leq \sqrt{\frac{12\,\varepsilon}{(b - a) \max |f''|}}.
  • Für glatte ff gilt genauer ∫abf dx−Tn≈−h212(f′(b)−f′(a))\int_a^b f\,dx - T_n \approx -\frac{h^2}{12}\bigl(f'(b) - f'(a)\bigr). Diese Näherung ist oft viel schärfer als die Schranke.

Beispiele

∫01ex dx\int_0^1 e^x\,dx soll mit einem Fehler von höchstens 10−410^{-4} berechnet werden. Es ist f′′=ex≤ef'' = e^x \leq e auf [0,1][0, 1], also muss gelten

1⋅h212⋅e≤10−4⇒h≤12⋅10−4e≈0,021\frac{1 \cdot h^2}{12} \cdot e \leq 10^{-4} \quad\Rightarrow\quad h \leq \sqrt{\frac{12 \cdot 10^{-4}}{e}} \approx 0{,}021

Wegen n=1hn = \frac{1}{h} braucht man mindestens n=48n = 48 Teilintervalle. Mit n=47n = 47 wäre die Schranke knapp über 10−410^{-4}.

∫0πsin⁡x dx=2\int_0^\pi \sin x\,dx = 2 mit n=4n = 4, also h=π4h = \frac{\pi}{4}:

T4=π4(sin⁡π4+sin⁡π2+sin⁡3π4)=π4 (1+2)≈1,8961T_4 = \frac{\pi}{4} \left( \sin\tfrac{\pi}{4} + \sin\tfrac{\pi}{2} + \sin\tfrac{3\pi}{4} \right) = \frac{\pi}{4}\,(1 + \sqrt{2}) \approx 1{,}8961

Der tatsächliche Fehler ist 0,10390{,}1039. Die Schranke liefert mit max⁡∣f′′∣=1\max|f''| = 1 den Wert π⋅(π/4)212=π3192≈0,1615\frac{\pi \cdot (\pi/4)^2}{12} = \frac{\pi^3}{192} \approx 0{,}1615. Die asymptotische Formel −h212(cos⁡π−cos⁡0)=π296≈0,1028-\frac{h^2}{12}(\cos\pi - \cos 0) = \frac{\pi^2}{96} \approx 0{,}1028 trifft den Fehler fast genau. Mit n=8n = 8 sinkt der Fehler auf etwa 0,02580{,}0258, also ungefähr auf ein Viertel.

Typische Fehler

  • hh und nn verwechseln: Die Schranke enthält h2=(b−an)2h^2 = \left(\frac{b - a}{n}\right)^2, nicht n2n^2.
  • Das Maximum von ∣f′′∣|f''| nur an den Randpunkten suchen. Es kann auch im Inneren liegen.
  • Die Schranke für den tatsächlichen Fehler halten. Sie ist eine obere Grenze, der echte Fehler kann deutlich kleiner sein.
  • Bei der Bestimmung von nn abrunden. Man muss auf die nächste ganze Zahl aufrunden.

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