Konvergenzordnung

Konvergenzordnung

Studium
∣xk+1−x∗∣≤C ∣xk−x∗∣p|x_{k+1} - x^*| \leq C\,|x_k - x^*|^p

Voraussetzung: p≥1,p \geq 1, C>0,C > 0, C<1C < 1 falls p=1,p = 1, k≥k0k \geq k_0

xkx_k
Näherung nach k Iterationsschritten
x∗x^*
gesuchter Grenzwert, z.B. eine Nullstelle
pp
Konvergenzordnung
CC
Konstante; bei p = 1 die Konvergenzrate
k0k_0
Index, ab dem die Ungleichung gilt

Die Konvergenzordnung p gibt an, wie schnell der Fehler eines Iterationsverfahrens von Schritt zu Schritt schrumpft.

Erklärung

Die Konvergenzordnung beschreibt, wie schnell eine Folge von Näherungen xkx_k gegen den Grenzwert x∗x^* läuft. Mit dem Fehler ek=∣xk−x∗∣e_k = |x_k - x^*| heißt das Verfahren konvergent von der Ordnung pp, wenn ab einem Index ek+1≤C ekpe_{k+1} \leq C\,e_k^p gilt.

  • Linear (p=1p = 1, C<1C < 1): Der Fehler wird pro Schritt um den Faktor CC kleiner. Man gewinnt pro Schritt etwa −log⁡10C-\log_{10} C Dezimalstellen.
  • Superlinear: ek+1ek→0\frac{e_{k+1}}{e_k} \to 0, also schneller als jede lineare Rate.
  • Quadratisch (p=2p = 2): Die Zahl der richtigen Stellen verdoppelt sich ungefähr in jedem Schritt.

Typische Werte:

VerfahrenOrdnung
Bisektionlinear mit C=12C = \frac{1}{2} (Fehlerschranke)
Fixpunktiterationlinear mit C≈∣g′(x∗)∣C \approx \lvert g'(x^*) \rvert, falls g′(x∗)≠0g'(x^*) \neq 0
Sekantenverfahrenp=1+52≈1,618p = \frac{1 + \sqrt{5}}{2} \approx 1{,}618
Newton-Verfahrenp=2p = 2 bei einfacher Nullstelle

Aus drei aufeinanderfolgenden Fehlern lässt sich pp schätzen:

p≈ln⁡(ek+1/ek)ln⁡(ek/ek−1)p \approx \frac{\ln(e_{k+1} / e_k)}{\ln(e_k / e_{k-1})}

Die Ordnung gilt asymptotisch, also nahe am Grenzwert. Weit weg vom Ziel kann ein Verfahren hoher Ordnung langsam sein oder gar nicht konvergieren.

Beispiele

Newton-Verfahren für x2−2=0x^2 - 2 = 0, also xk+1=12(xk+2xk)x_{k+1} = \frac{1}{2}\left(x_k + \frac{2}{x_k}\right), ab x0=1x_0 = 1:

kkxkx_kFehler eke_k
11,50,0858
21712≈1,416667\frac{17}{12} \approx 1{,}4166670,0025
3577408≈1,414216\frac{577}{408} \approx 1{,}4142162,1⋅10−62{,}1 \cdot 10^{-6}

Die Schätzformel mit e1e_1, e2e_2, e3e_3 ergibt p≈1,98p \approx 1{,}98, also quadratische Konvergenz. Die Konstante ist C=∣f′′(x∗)2f′(x∗)∣=122≈0,35C = \left|\frac{f''(x^*)}{2 f'(x^*)}\right| = \frac{1}{2\sqrt{2}} \approx 0{,}35.

Die Fixpunktiteration xk+1=xk2+1x_{k+1} = \frac{x_k}{2} + 1 hat den Fixpunkt 22, und es gilt exakt xk+1−2=12(xk−2)x_{k+1} - 2 = \frac{1}{2}(x_k - 2). Das ist lineare Konvergenz mit C=0,5C = 0{,}5: Pro Schritt gewinnt man nur etwa 0,30{,}3 Dezimalstellen.

Typische Fehler

  • Bei p=1p = 1 die Bedingung C<1C < 1 vergessen. Mit C≥1C \geq 1 muss der Fehler nicht kleiner werden.
  • Die Ordnung aus den ersten, noch weit entfernten Schritten schätzen. Die Schätzung wird erst nahe am Grenzwert verlässlich.
  • Quadratische Konvergenz von Newton auch bei mehrfachen Nullstellen erwarten. Dort konvergiert das Verfahren nur linear.
  • Ordnung und Aufwand verwechseln: Das Sekantenverfahren hat eine kleinere Ordnung als Newton, braucht aber keine Ableitung und pro Schritt nur eine Funktionsauswertung.

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