Explizites Euler-Verfahren
Voraussetzung:
- Näherung für die Lösung y(t_k)
- k-ter Zeitpunkt, t_k = t_0 + k · h
- Schrittweite
- rechte Seite der Differentialgleichung y′ = f(t, y)
- Anfangswert zur Zeit t_0
Das explizite Euler-Verfahren löst y′ = f(t, y) näherungsweise, indem es in jedem Schritt der aktuellen Steigung folgt.
Erklärung
Das explizite Euler-Verfahren ist das einfachste Verfahren für Anfangswertprobleme , . Ausgehend vom Anfangswert geht man in Schritten der Breite vorwärts. In jedem Schritt berechnet man die Steigung am aktuellen Punkt und folgt dieser Geraden bis . Die Näherungslösung ist ein Streckenzug, daher der Name Polygonzugverfahren.
Das Verfahren entspricht dem Abbruch der Taylorreihe nach dem linearen Glied: .
Eigenschaften:
- Konvergenzordnung 1: Der globale Fehler an einem festen Zeitpunkt ist proportional zu . Halbiert man , halbiert sich der Fehler ungefähr.
- Explizit: ergibt sich direkt aus bekannten Werten, ohne Gleichung zu lösen.
- Stabilität: Bei abklingenden Lösungen muss klein genug sein. Für mit ist nötig, also . Sonst schwingt die Näherung mit wachsendem Betrag.
Für muss eine Lipschitz-Bedingung in gelten, damit die Lösung eindeutig ist und das Verfahren konvergiert.
Beispiele
, mit der exakten Lösung . Jeder Schritt multipliziert mit . Mit erreicht man nach vier Schritten:
Mit und zehn Schritten ist . Der Fehler sinkt von auf , ungefähr proportional zu .
, mit der Lösung . Mit ist und nach zehn Schritten ; exakt ist . Mit dagegen ist , und die Näherung springt , obwohl die echte Lösung abklingt.
, mit :
Die exakte Lösung ist , also .
Typische Fehler
- Die Steigung am neuen statt am alten Punkt auswerten. Das wäre das implizite Euler-Verfahren.
- Bei die Zeit nicht mitführen und z.B. immer einsetzen.
- Eine zu große Schrittweite wählen. Neben großem Fehler droht bei abklingenden Lösungen Instabilität.
- Die Anzahl der Schritte falsch bestimmen: Von bis sind es Schritte.