Satz von Gauß

Satz von Gauß

Studium
∭Vdiv⁡F⃗ dV=∯∂VF⃗⋅n⃗ dS\iiint_V \operatorname{div} \vec{F}\, dV = \oiint_{\partial V} \vec{F} \cdot \vec{n}\, dS

Voraussetzung: VV beschränkt,, n⃗\vec{n} äußere Normale,, F⃗∈C1{\vec{F} \in C^1}

VV
räumlicher Bereich, z.B. Kugel oder Quader
∂V\partial V
geschlossene Oberfläche von V
F⃗\vec{F}
Vektorfeld
n⃗\vec{n}
nach außen zeigender Einheitsnormalenvektor der Oberfläche
dSdS
Flächenelement der Oberfläche
dVdV
Volumenelement

Der Fluss eines Vektorfelds durch eine geschlossene Fläche ist gleich dem Integral seiner Divergenz über das Innere.

Erklärung

Der Satz von Gauß (auch Divergenzsatz) verbindet ein Volumenintegral mit einem Oberflächenintegral. Rechts steht der Fluss von F⃗\vec F durch die geschlossene Oberfläche: wie viel pro Zeit nach außen strömt, wenn F⃗\vec F eine Strömung beschreibt. Links steht die Summe aller Quellen und Senken im Inneren. Anschaulich: Was netto herausfließt, muss im Inneren entstanden sein.

Genau gilt der Satz für einen beschränkten Bereich V⊂R3V \subset \mathbb{R}^3 mit stückweise glattem Rand ∂V\partial V, die äußere Einheitsnormale n⃗\vec n und ein Feld F⃗\vec F, das auf einer Umgebung von VV stetig differenzierbar ist (F⃗∈C1\vec F \in C^1).

Der Satz wird in beide Richtungen genutzt:

  • Ein schwieriges Oberflächenintegral (z.B. über die sechs Seiten eines Quaders) wird zu einem einfachen Volumenintegral.
  • Aus lokalen Erhaltungsgesetzen (Masse, Ladung, Energie) wird eine globale Bilanz und umgekehrt.

Ist F⃗\vec F quellenfrei, ist der Fluss durch jede geschlossene Fläche null. Die Normale muss nach außen zeigen, und die Fläche muss den Bereich vollständig umschließen. Die ebene Version ist der Satz von Green in Flussform: ∬Ddiv⁡F⃗ dA=∮∂DF⃗⋅n⃗ ds\iint_D \operatorname{div} \vec F\, dA = \oint_{\partial D} \vec F \cdot \vec n\, ds.

Beispiele

Für F⃗=(x,y,z)T\vec F = (x, y, z)^T und die Kugel mit Radius RR ist div⁡F⃗=3\operatorname{div} \vec F = 3, also

∭V3 dV=3⋅43πR3=4πR3\iiint_V 3\, dV = 3 \cdot \frac{4}{3}\pi R^3 = 4\pi R^3

Zur Kontrolle direkt: Auf der Kugeloberfläche ist n⃗=1R(x,y,z)T\vec n = \frac{1}{R}(x, y, z)^T und F⃗⋅n⃗=x2+y2+z2R=R\vec F \cdot \vec n = \frac{x^2 + y^2 + z^2}{R} = R. Der Fluss ist R⋅4πR2=4πR3R \cdot 4\pi R^2 = 4\pi R^3. Für R=2R = 2 ergibt das 32π≈100,5332\pi \approx 100{,}53.

Für F⃗=(x2, y2, z2)T\vec F = (x^2,\ y^2,\ z^2)^T und den Einheitswürfel [0,1]3[0, 1]^3 ist div⁡F⃗=2(x+y+z)\operatorname{div} \vec F = 2(x + y + z) und

∭[0,1]32(x+y+z) dV=2⋅32=3\iiint_{[0,1]^3} 2(x + y + z)\, dV = 2 \cdot \frac{3}{2} = 3

Direkt: Auf der Seite x=1x = 1 ist n⃗=(1,0,0)T\vec n = (1, 0, 0)^T und F⃗⋅n⃗=1\vec F \cdot \vec n = 1, der Fluss dort also 11. Auf x=0x = 0 ist F⃗⋅n⃗=−x2=0\vec F \cdot \vec n = -x^2 = 0. Mit den anderen Richtungen ergibt sich zusammen 3⋅(1−0)=33 \cdot (1 - 0) = 3.

Typische Fehler

  • Die Normale nach innen richten. Dann ändert sich das Vorzeichen des Flusses.
  • Den Satz auf eine offene Fläche anwenden, z.B. eine Halbkugel ohne Boden. Fehlende Teile der Oberfläche müssen ergänzt und ihr Fluss wieder abgezogen werden.
  • Bei einer Singularität im Inneren rechnen, als wäre F⃗\vec F überall glatt. Für F⃗=r⃗∣r⃗∣3\vec F = \frac{\vec r}{|\vec r|^3} ist die Divergenz außerhalb des Ursprungs 00, der Fluss durch jede Kugel um den Ursprung aber 4π4\pi.

Verwandte Formeln