Integration in Polarkoordinaten

Integration in Polarkoordinaten

Studium
∬Df(x,y) dA=∫φ1φ2∫r1r2f(rcos⁡φ, rsin⁡φ) r dr dφ\iint_D f(x, y)\, dA = \int_{\varphi_1}^{\varphi_2} \int_{r_1}^{r_2} f(r\cos\varphi,\, r\sin\varphi)\, r\, dr\, d\varphi

Voraussetzung: D={(rcos⁡φ,rsin⁡φ):r1≤r≤r2, φ1≤φ≤φ2},D = \{(r\cos\varphi, r\sin\varphi) : r_1 \leq r \leq r_2,\ \varphi_1 \leq \varphi \leq \varphi_2\}, 0≤r1,0 \leq r_1, φ2−φ1≤2π,\varphi_2 - \varphi_1 \leq 2\pi, ff stetig

DD
Integrationsbereich, z.B. Kreisscheibe, Kreisring oder Sektor
rr
Abstand vom Ursprung
φ\varphi
Winkel zur positiven x-Achse
r dr dφr\, dr\, d\varphi
Flächenelement in Polarkoordinaten, der Faktor r ist die Jacobi-Determinante
r1,r2, φ1,φ2r_1, r_2,\ \varphi_1, \varphi_2
Grenzen für Radius und Winkel

Über kreisförmige Bereiche integriert man in Polarkoordinaten; das Flächenelement dx dy wird dabei zu r dr dφ.

Erklärung

Ist der Integrationsbereich ein Kreis, ein Kreisring oder ein Sektor, oder hängt ff nur von x2+y2x^2 + y^2 ab, rechnet man mit Polarkoordinaten x=rcos⁡φx = r \cos\varphi, y=rsin⁡φy = r \sin\varphi. Dann werden die Grenzen konstant, und der Integrand vereinfacht sich oft stark, weil x2+y2=r2x^2 + y^2 = r^2.

Entscheidend ist der Faktor rr: Das Flächenelement ist dA=r dr dφdA = r\, dr\, d\varphi. Anschaulich ist ein kleines Stück zwischen rr und r+drr + dr sowie φ\varphi und φ+dφ\varphi + d\varphi ungefähr ein Rechteck mit den Seiten drdr und r dφr\, d\varphi. Formal ist rr die Jacobi-Determinante der Polarkoordinaten-Abbildung (Transformationssatz).

Die Formel gilt auch, wenn die Grenzen für rr vom Winkel abhängen, also r1(φ)≤r≤r2(φ)r_1(\varphi) \leq r \leq r_2(\varphi).

Beispiele

Der Flächeninhalt einer Kreisscheibe mit Radius RR:

∫02π∫0Rr dr dφ=2π⋅R22=πR2\int_0^{2\pi} \int_0^R r\, dr\, d\varphi = 2\pi \cdot \frac{R^2}{2} = \pi R^2

Für f(x,y)=x2+y2f(x, y) = x^2 + y^2 über die Kreisscheibe mit Radius 22 ist f=r2f = r^2:

∫02π∫02r2⋅r dr dφ=2π⋅[r44]02=2π⋅4=8π≈25,13\int_0^{2\pi} \int_0^2 r^2 \cdot r\, dr\, d\varphi = 2\pi \cdot \left[ \frac{r^4}{4} \right]_0^2 = 2\pi \cdot 4 = 8\pi \approx 25{,}13

Die Gauß-Glocke e−(x2+y2)e^{-(x^2 + y^2)} über die Einheitskreisscheibe: Mit der Substitution u=r2u = r^2 wird ∫01e−r2r dr=12(1−e−1)\int_0^1 e^{-r^2} r\, dr = \frac{1}{2}(1 - e^{-1}), also

∬De−(x2+y2) dA=π(1−e−1)≈1,9859\iint_D e^{-(x^2 + y^2)}\, dA = \pi \left(1 - e^{-1}\right) \approx 1{,}9859

Lässt man den Radius gegen unendlich gehen, erhält man π\pi. Daraus folgt das bekannte Ergebnis ∫−∞∞e−x2 dx=π\int_{-\infty}^{\infty} e^{-x^2}\, dx = \sqrt{\pi}, die Grundlage für die Normierung der Normalverteilung.

Typische Fehler

  • Den Faktor rr vergessen. Ohne ihn ergibt sich für die Kreisfläche 2πR2\pi R statt πR2\pi R^2.
  • Den Winkel falsch begrenzen, z.B. 00 bis π\pi für einen vollen Kreis. Der volle Kreis braucht 00 bis 2π2\pi, der Halbkreis über der xx-Achse 00 bis π\pi.
  • Nur xx und yy ersetzen, aber dx dydx\, dy stehen lassen.

Verwandte Formeln