Spur und Determinante als Summe und Produkt der Eigenwerte

Spur und Determinante als Summe und Produkt der Eigenwerte

Studium
Spur⁡(A)=λ1+λ2+…+λn,det⁡A=λ1⋅λ2⋯λn\operatorname{Spur}(A) = \lambda_1 + \lambda_2 + \ldots + \lambda_n, \qquad \det A = \lambda_1 \cdot \lambda_2 \cdots \lambda_n

Voraussetzung: A∈Rn×n,A \in \mathbb{R}^{n \times n}, λ1,…,λn∈C\lambda_1, \ldots, \lambda_n \in \mathbb{C} alle Eigenwerte mit Vielfachheit

AA
quadratische n × n-Matrix
λ1,…,λn\lambda_1, \ldots, \lambda_n
Eigenwerte von A, nach algebraischer Vielfachheit wiederholt, eventuell komplex
Spur⁡(A)\operatorname{Spur}(A)
Summe der Diagonaleinträge von A
det⁡A\det A
Determinante von A

Die Summe aller Eigenwerte einer Matrix ist ihre Spur, das Produkt aller Eigenwerte ihre Determinante.

Erklärung

Das charakteristische Polynom einer n×nn \times n-Matrix zerfällt über C\mathbb{C} in Linearfaktoren:

det⁡(A−λE)=(λ1−λ)(λ2−λ)⋯(λn−λ).\det(A - \lambda E) = (\lambda_1 - \lambda)(\lambda_2 - \lambda) \cdots (\lambda_n - \lambda).

Ein Koeffizientenvergleich liefert zwei Zusammenhänge. Setzt man λ=0\lambda = 0 ein, steht links det⁡A\det A und rechts das Produkt der Eigenwerte. Der Koeffizient von λn−1\lambda^{n-1} ist links (−1)n−1Spur⁡(A)(-1)^{n-1} \operatorname{Spur}(A) und rechts (−1)n−1(λ1+…+λn)(-1)^{n-1}(\lambda_1 + \ldots + \lambda_n).

Wichtig dabei:

  • Jeder Eigenwert zählt so oft, wie seine algebraische Vielfachheit angibt.
  • Auch komplexe Eigenwerte zählen mit. Bei reellen Matrizen treten sie in konjugierten Paaren auf, Summe und Produkt bleiben reell.

Folgerungen:

  • AA ist genau dann invertierbar, wenn 00 kein Eigenwert ist.
  • Für 2×22 \times 2-Matrizen sind die Eigenwerte die Lösungen von λ2−Spur⁡(A) λ+det⁡A=0\lambda^2 - \operatorname{Spur}(A)\,\lambda + \det A = 0.
  • Die Formeln eignen sich gut als Kontrolle nach einer Eigenwertberechnung.

Beispiele

A=(210120003)A = \begin{pmatrix} 2 & 1 & 0 \\ 1 & 2 & 0 \\ 0 & 0 & 3 \end{pmatrix} hat das charakteristische Polynom (1−λ)(3−λ)2(1 - \lambda)(3 - \lambda)^2, also die Eigenwerte 11, 33, 33. Kontrolle: Spur⁡(A)=2+2+3=7=1+3+3\operatorname{Spur}(A) = 2 + 2 + 3 = 7 = 1 + 3 + 3 und det⁡A=3⋅(4−1)=9=1⋅3⋅3\det A = 3 \cdot (4 - 1) = 9 = 1 \cdot 3 \cdot 3.

Die Drehmatrix (cos⁡φ−sin⁡φsin⁡φcos⁡φ)\begin{pmatrix} \cos\varphi & -\sin\varphi \\ \sin\varphi & \cos\varphi \end{pmatrix} hat für φ∉πZ\varphi \notin \pi\mathbb{Z} keine reellen Eigenwerte, sondern cos⁡φ±isin⁡φ\cos\varphi \pm \mathrm{i}\sin\varphi. Ihre Summe ist 2cos⁡φ2\cos\varphi (die Spur), ihr Produkt cos⁡2φ+sin⁡2φ=1\cos^2\varphi + \sin^2\varphi = 1 (die Determinante).

Eine 2×22 \times 2-Matrix mit Spur 66, Determinante 88 und einem bekannten Eigenwert 22 hat als zweiten Eigenwert 6−2=46 - 2 = 4. Probe: 2⋅4=82 \cdot 4 = 8.

Typische Fehler

  • Mehrfache Eigenwerte nur einmal zählen. Im ersten Beispiel ergäbe 1+3=41 + 3 = 4 nicht die Spur 77.
  • Komplexe Eigenwerte weglassen und dann einen Widerspruch zur Spur finden.
  • Die Diagonaleinträge für die Eigenwerte halten. Das stimmt nur bei Dreiecks- und Diagonalmatrizen; die Summe stimmt aber immer.

Verwandte Formeln