Diagonalisierung

Diagonalisierung

Studium
A=SDS−1,D=(λ1⋱λn),S=(v⃗1∣⋯∣v⃗n)A = S D S^{-1}, \qquad D = \begin{pmatrix} \lambda_1 & & \\ & \ddots & \\ & & \lambda_n \end{pmatrix}, \qquad S = (\vec v_1 \mid \cdots \mid \vec v_n)

Voraussetzung: A∈Rn×nA \in \mathbb{R}^{n \times n} hat nn linear unabhängige Eigenvektoren v⃗1,…,v⃗n\vec v_1, \ldots, \vec v_n

AA
diagonalisierbare n × n-Matrix
DD
Diagonalmatrix mit den Eigenwerten auf der Diagonalen
SS
invertierbare Matrix mit den Eigenvektoren als Spalten
λ1,…,λn\lambda_1, \ldots, \lambda_n
Eigenwerte von A, in derselben Reihenfolge wie die Eigenvektoren
v⃗1,…,v⃗n\vec v_1, \ldots, \vec v_n
Eigenvektoren mit A v_k = λ_k v_k

Eine Matrix mit n linear unabhängigen Eigenvektoren lässt sich als S D S⁻¹ mit der Diagonalmatrix D der Eigenwerte schreiben.

Erklärung

Eine quadratische Matrix AA heißt diagonalisierbar, wenn es eine invertierbare Matrix SS und eine Diagonalmatrix DD gibt mit A=SDS−1A = S D S^{-1}, gleichwertig S−1AS=DS^{-1} A S = D. Die Spalten von SS sind dann Eigenvektoren, die Diagonale von DD enthält die zugehörigen Eigenwerte in derselben Reihenfolge. Geometrisch: In der Basis aus Eigenvektoren wirkt AA als reine Streckung entlang der Achsen.

Vorgehen:

  1. Eigenwerte als Nullstellen von det⁡(A−λE)\det(A - \lambda E) bestimmen.
  2. Zu jedem Eigenwert eine Basis des Eigenraums Kern⁡(A−λE)\operatorname{Kern}(A - \lambda E) berechnen.
  3. Sind es insgesamt nn Eigenvektoren, diese als Spalten in SS schreiben. Sonst ist AA nicht diagonalisierbar.

Kriterien:

  • nn verschiedene Eigenwerte: AA ist diagonalisierbar.
  • Allgemein: Das charakteristische Polynom zerfällt in Linearfaktoren, und für jeden Eigenwert ist die geometrische Vielfachheit (Dimension des Eigenraums) gleich der algebraischen (Vielfachheit als Nullstelle).
  • Jede reelle symmetrische Matrix ist diagonalisierbar, sogar mit orthogonalem SS.

Hauptanwendung sind Matrixpotenzen: Ak=SDkS−1A^k = S D^k S^{-1}, und DkD^k erhält man durch Potenzieren der Diagonaleinträge.

Beispiele

A=(4123)A = \begin{pmatrix} 4 & 1 \\ 2 & 3 \end{pmatrix} hat die Eigenwerte λ1=2\lambda_1 = 2 mit v⃗1=(1, −2)\vec v_1 = (1,\ -2) und λ2=5\lambda_2 = 5 mit v⃗2=(1, 1)\vec v_2 = (1,\ 1). Damit ist

S=(11−21),D=(2005),S−1=13(1−121)S = \begin{pmatrix} 1 & 1 \\ -2 & 1 \end{pmatrix}, \quad D = \begin{pmatrix} 2 & 0 \\ 0 & 5 \end{pmatrix}, \quad S^{-1} = \frac{1}{3} \begin{pmatrix} 1 & -1 \\ 2 & 1 \end{pmatrix}

und SDS−1=AS D S^{-1} = A. Für A3A^3 potenziert man nur die Diagonale:

A3=S(800125)S−1=13(8125−16125)(1−121)=(86397847).A^3 = S \begin{pmatrix} 8 & 0 \\ 0 & 125 \end{pmatrix} S^{-1} = \frac{1}{3} \begin{pmatrix} 8 & 125 \\ -16 & 125 \end{pmatrix} \begin{pmatrix} 1 & -1 \\ 2 & 1 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 86 & 39 \\ 78 & 47 \end{pmatrix}.

Gegenbeispiel: (1101)\begin{pmatrix} 1 & 1 \\ 0 & 1 \end{pmatrix} hat das charakteristische Polynom (1−λ)2(1 - \lambda)^2, also den doppelten Eigenwert 11. Der Eigenraum Kern⁡(0100)\operatorname{Kern}\begin{pmatrix} 0 & 1 \\ 0 & 0 \end{pmatrix} ist aber nur eindimensional. Es gibt keine zwei unabhängigen Eigenvektoren, die Matrix ist nicht diagonalisierbar.

Typische Fehler

  • Eigenvektoren als Zeilen statt als Spalten in SS schreiben.
  • Die Reihenfolge in DD nicht an die Reihenfolge der Spalten von SS anpassen.
  • A=S−1DSA = S^{-1} D S statt A=SDS−1A = S D S^{-1} schreiben. Mit Eigenvektoren als Spalten von SS gilt AS=SDAS = SD, also A=SDS−1A = S D S^{-1}.
  • Aus einem doppelten Eigenwert schließen, dass AA nicht diagonalisierbar ist. Die Einheitsmatrix hat nur den Eigenwert 11 und ist schon diagonal. Entscheidend ist die Dimension des Eigenraums.

Verwandte Formeln