Lösbarkeit linearer Gleichungssysteme
Voraussetzung:
- Koeffizientenmatrix mit m Gleichungen und n Unbekannten
- rechte Seite
- Vektor der n Unbekannten
- erweiterte Koeffizientenmatrix
- Rang einer Matrix
Ein lineares Gleichungssystem ist genau dann lösbar, wenn die erweiterte Matrix denselben Rang hat wie die Koeffizientenmatrix.
Erklärung
Der Satz von Kronecker-Capelli (Rangkriterium) entscheidet, ob eine Lösung hat: genau dann, wenn das Anhängen der Spalte den Rang nicht erhöht. Anders gesagt: muss im Spaltenraum von liegen, also eine Linearkombination der Spalten sein.
Mit und Unbekannten gilt:
| Fall | Lösungsmenge |
|---|---|
| leer, keine Lösung | |
| genau eine Lösung | |
| unendlich viele Lösungen, freie Parameter |
Struktur der Lösungsmenge: Ist irgendeine Lösung (eine partikuläre Lösung), dann sind alle Lösungen
Die Lösungsmenge ist also eine verschobene Kopie des Kerns, ein affiner Raum der Dimension . Das homogene System ist immer lösbar (mit ).
Für quadratisches gilt: für jedes genau eine Lösung.
In der Praxis bringt man mit dem Gauß-Algorithmus auf Stufenform. Eine Zeile mit bedeutet .
Beispiele
Beide Ränge sind , das System ist lösbar mit freiem Parameter. Aus folgt , aus der ersten Zeile . Mit ist die Lösungsmenge , also plus Vielfache des Kernvektors .
Mit entsteht in der letzten Zeile . Dann ist , das System hat keine Lösung.
Das System , hat , also und genau eine Lösung: .
Typische Fehler
- Nur den Rang von bestimmen und die rechte Seite ignorieren. Erst der Vergleich mit entscheidet über die Lösbarkeit.
- Die Zahl der freien Parameter als (Gleichungen minus Rang) statt (Unbekannte minus Rang) berechnen.
- Aus „mehr Unbekannte als Gleichungen" auf unendlich viele Lösungen schließen. Das System kann trotzdem widersprüchlich sein, z.B. , .