Dimensionsformel (Rangsatz)

Dimensionsformel (Rangsatz)

Studium
dim⁡V=dim⁡Kern⁡f+dim⁡Bild⁡f\dim V = \dim \operatorname{Kern} f + \dim \operatorname{Bild} f

Voraussetzung: f ⁣:V→Wf\colon V \to W linear,, dim⁡V<∞\dim V < \infty

ff
lineare Abbildung von V nach W
VV
endlichdimensionaler Vektorraum, der Definitionsbereich von f
WW
Vektorraum, in dem die Bilder von f liegen
Kern⁡f\operatorname{Kern} f
Kern von f, alle Vektoren v mit f(v) = 0
Bild⁡f\operatorname{Bild} f
Bild von f, alle Vektoren f(v) mit v aus V
dim⁡\dim
Dimension, die Anzahl der Vektoren einer Basis

Die Dimension des Definitionsraums einer linearen Abbildung ist die Summe der Dimensionen von Kern und Bild.

Erklärung

Eine lineare Abbildung f ⁣:V→Wf\colon V \to W „verbraucht" einen Teil der Dimensionen von VV: Die Richtungen im Kern werden auf 0⃗\vec 0 abgebildet, die übrigen landen im Bild. Die Dimensionsformel sagt, dass dabei nichts verloren geht: Beide Dimensionen zusammen ergeben genau dim⁡V\dim V.

Für eine Matrix A∈Rm×nA \in \mathbb{R}^{m \times n} und die Abbildung x⃗↦Ax⃗\vec x \mapsto A\vec x lautet sie

n=dim⁡Kern⁡A+rg⁡(A).n = \dim \operatorname{Kern} A + \operatorname{rg}(A).

Dabei ist nn die Spaltenzahl, nicht die Zeilenzahl, und rg⁡(A)=dim⁡Bild⁡A\operatorname{rg}(A) = \dim \operatorname{Bild} A der Rang. Die Dimension des Kerns heißt auch Defekt.

Folgerungen:

  • ff ist genau dann injektiv, wenn Kern⁡f={0⃗}\operatorname{Kern} f = \{\vec 0\}, also wenn dim⁡Bild⁡f=dim⁡V\dim \operatorname{Bild} f = \dim V.
  • Ist dim⁡V=dim⁡W\dim V = \dim W, dann ist ff injektiv genau dann, wenn ff surjektiv ist.
  • Ist dim⁡V>dim⁡W\dim V > \dim W, kann ff nicht injektiv sein, denn dim⁡Bild⁡f≤dim⁡W\dim \operatorname{Bild} f \le \dim W.

Die Formel setzt voraus, dass VV endlichdimensional ist. WW darf beliebig sein.

Beispiele

Für A=(123246)A = \begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 \\ 2 & 4 & 6 \end{pmatrix} ist die zweite Zeile das Doppelte der ersten, also rg⁡(A)=1\operatorname{rg}(A) = 1. Die Dimensionsformel liefert dim⁡Kern⁡A=3−1=2\dim \operatorname{Kern} A = 3 - 1 = 2. Tatsächlich bilden (−2, 1, 0)(-2,\ 1,\ 0) und (−3, 0, 1)(-3,\ 0,\ 1) eine Basis des Kerns: Beide lösen x1+2x2+3x3=0x_1 + 2x_2 + 3x_3 = 0 und sind linear unabhängig.

Die Ableitung D(p)=p′D(p) = p' auf den Polynomen vom Grad höchstens 33 (dim⁡V=4\dim V = 4): Der Kern sind die Konstanten (dim⁡1\dim 1), das Bild sind die Polynome vom Grad höchstens 22 (dim⁡3\dim 3). Es gilt 4=1+34 = 1 + 3.

Jede lineare Abbildung R5→R3\mathbb{R}^5 \to \mathbb{R}^3 hat dim⁡Bild⁡f≤3\dim \operatorname{Bild} f \le 3, also dim⁡Kern⁡f≥5−3=2\dim \operatorname{Kern} f \ge 5 - 3 = 2. Ein homogenes System mit 3 Gleichungen und 5 Unbekannten hat deshalb immer mindestens 2 freie Parameter.

Typische Fehler

  • Bei A∈Rm×nA \in \mathbb{R}^{m \times n} die Zeilenzahl mm statt der Spaltenzahl nn einsetzen. Richtig: n=dim⁡Kern⁡A+rg⁡(A)n = \dim \operatorname{Kern} A + \operatorname{rg}(A).
  • dim⁡W\dim W statt dim⁡V\dim V auf die linke Seite schreiben. Die Formel bezieht sich auf den Definitionsraum.
  • Die Dimension des Kerns mit der Anzahl der Nullzeilen in der Stufenform verwechseln. Bei nicht quadratischen Matrizen gilt: dim⁡Kern⁡A\dim \operatorname{Kern} A ist die Zahl der freien Variablen, also nn minus Zahl der Stufen.

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