Abstand windschiefer Geraden

Abstand windschiefer Geraden

Oberstufe
d(g,h)=∣(q⃗−p⃗)⋅(u⃗×v⃗)∣∣u⃗×v⃗∣d(g, h) = \frac{\left|(\vec{q} - \vec{p}) \cdot (\vec{u} \times \vec{v})\right|}{\left|\vec{u} \times \vec{v}\right|}

Voraussetzung: g ⁣:x⃗=p⃗+s⋅u⃗,g\colon \vec{x} = \vec{p} + s \cdot \vec{u}, h ⁣:x⃗=q⃗+t⋅v⃗,h\colon \vec{x} = \vec{q} + t \cdot \vec{v}, u⃗×v⃗≠0⃗\vec{u} \times \vec{v} \neq \vec{0}

d(g,h)d(g, h)
kürzester Abstand der Geraden g und h
p⃗,q⃗\vec{p}, \vec{q}
Stützvektoren von g und h
u⃗,v⃗\vec{u}, \vec{v}
Richtungsvektoren von g und h
u⃗×v⃗\vec{u} \times \vec{v}
Kreuzprodukt, steht senkrecht auf beiden Geraden

Der Abstand zweier windschiefer Geraden ist die Projektion des Verbindungsvektors auf die gemeinsame Normale.

Erklärung

Zwei windschiefe Geraden schneiden sich nicht und sind nicht parallel. Ihr Abstand ist die Länge der kürzesten Verbindungsstrecke, des gemeinsamen Lots. Es steht auf beiden Geraden senkrecht, hat also die Richtung n⃗=u⃗×v⃗\vec{n} = \vec{u} \times \vec{v}.

Die Formel projiziert einen beliebigen Verbindungsvektor q⃗−p⃗\vec{q} - \vec{p} von gg nach hh auf diese Richtung. Welche Punkte man nimmt, ist egal: Anteile in Richtung u⃗\vec{u} oder v⃗\vec{v} fallen im Skalarprodukt mit n⃗\vec{n} weg.

Gleichwertig ist der Weg über eine Hilfsebene: Man legt durch gg die Ebene mit Normalenvektor u⃗×v⃗\vec{u} \times \vec{v}. Sie ist parallel zu hh, und der Abstand von hh zu ihr ist der Abstand eines beliebigen Punkts von hh, z.B. mit der Hesseschen Normalform.

Für schneidende Geraden liefert die Formel 00. Für parallele Geraden ist u⃗×v⃗=0⃗\vec{u} \times \vec{v} = \vec{0}, dann nimmt man den Abstand eines Punkts von der anderen Geraden.

Beispiele

g ⁣:x⃗=(1, 0, 2)+s⋅(1, 2, −1)g\colon \vec{x} = (1,\ 0,\ 2) + s \cdot (1,\ 2,\ -1) und h ⁣:x⃗=(2, 3, 0)+t⋅(0, 1, 1)h\colon \vec{x} = (2,\ 3,\ 0) + t \cdot (0,\ 1,\ 1) sind windschief.

u⃗×v⃗=(12−1)×(011)=(3−11),∣u⃗×v⃗∣=11\vec{u} \times \vec{v} = \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ -1 \end{pmatrix} \times \begin{pmatrix} 0 \\ 1 \\ 1 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 3 \\ -1 \\ 1 \end{pmatrix}, \qquad |\vec{u} \times \vec{v}| = \sqrt{11}

Mit q⃗−p⃗=(1, 3, −2)\vec{q} - \vec{p} = (1,\ 3,\ -2) ist (q⃗−p⃗)⋅(u⃗×v⃗)=3−3−2=−2(\vec{q} - \vec{p}) \cdot (\vec{u} \times \vec{v}) = 3 - 3 - 2 = -2, also

d(g,h)=∣−2∣11=211≈0,603d(g, h) = \frac{|-2|}{\sqrt{11}} = \frac{2}{\sqrt{11}} \approx 0{,}603

Über die Hilfsebene: Durch gg geht H ⁣:3x1−x2+x3=5H\colon 3x_1 - x_2 + x_3 = 5, weil 3⋅1−0+2=53 \cdot 1 - 0 + 2 = 5. Der Punkt (2∣3∣0)(2 \mid 3 \mid 0) von hh hat davon den Abstand ∣6−3+0−5∣11=211\frac{|6 - 3 + 0 - 5|}{\sqrt{11}} = \frac{2}{\sqrt{11}}.

Typische Fehler

  • Die Betragsstriche im Zähler vergessen. Ein Abstand ist nie negativ.
  • Durch ∣q⃗−p⃗∣|\vec{q} - \vec{p}| statt durch ∣u⃗×v⃗∣|\vec{u} \times \vec{v}| teilen.
  • Den Abstand der Stützpunkte ∣q⃗−p⃗∣|\vec{q} - \vec{p}| als Abstand der Geraden nehmen. Er ist meist größer.
  • Die Formel bei parallelen Geraden anwenden. Dort ist der Nenner 00.

Verwandte Formeln