Cauchy-Produkt

Cauchy-Produkt

Studium
(∑n=0∞an)⋅(∑n=0∞bn)=∑n=0∞cnmitcn=∑k=0nak bn−k\left( \sum_{n=0}^{\infty} a_n \right) \cdot \left( \sum_{n=0}^{\infty} b_n \right) = \sum_{n=0}^{\infty} c_n \quad\text{mit}\quad c_n = \sum_{k=0}^{n} a_k\, b_{n-k}

Voraussetzung: ∑an\sum a_n und ∑bn\sum b_n konvergent, mindestens eine davon absolut konvergent

an,bna_n, b_n
Glieder der beiden Reihen, Index ab 0
cnc_n
Glieder der Produktreihe
kk
Laufindex innerhalb von cₙ
nn
Index der Reihenglieder

Das Produkt zweier absolut konvergenter Reihen ist die Reihe mit den Gliedern cₙ = a₀bₙ + a₁bₙ₋₁ + … + aₙb₀.

Erklärung

Multipliziert man zwei Reihen „jeder mit jedem“, entstehen alle Produkte akbma_k b_m. Das Cauchy-Produkt ordnet sie nach der Indexsumme k+m=nk + m = n. So passt es genau zu Potenzreihen: Bei ∑anxn⋅∑bnxn\sum a_n x^n \cdot \sum b_n x^n sammelt cnc_n alle Beiträge zu xnx^n.

Die ersten Glieder:

c0=a0b0,c1=a0b1+a1b0,c2=a0b2+a1b1+a2b0c_0 = a_0 b_0,\quad c_1 = a_0 b_1 + a_1 b_0,\quad c_2 = a_0 b_2 + a_1 b_1 + a_2 b_0

Sind beide Reihen absolut konvergent, konvergiert das Cauchy-Produkt absolut gegen das Produkt der Werte. Nach dem Satz von Mertens genügt es, wenn eine der Reihen absolut und die andere nur konvergiert (dann konvergiert das Produkt, nicht unbedingt absolut). Sind beide nur bedingt konvergent, kann das Produkt divergieren.

Beispiele

Geometrische Reihe mit sich selbst, ∣x∣<1|x| < 1: Alle ak=bk=1a_k = b_k = 1 (als Koeffizienten von xkx^k), also cn=n+1c_n = n + 1:

1(1−x)2=∑n=0∞(n+1) xn\frac{1}{(1 - x)^2} = \sum_{n=0}^{\infty} (n + 1)\,x^n

Für x=12x = \frac{1}{2} ergibt sich ∑(n+1)⋅0,5n=4\sum (n + 1) \cdot 0{,}5^n = 4.

Exponentialreihe: Mit ak=xkk!a_k = \frac{x^k}{k!} und bk=ykk!b_k = \frac{y^k}{k!} ist nach dem binomischen Lehrsatz

cn=∑k=0nxkk!⋅yn−k(n−k)!=(x+y)nn!c_n = \sum_{k=0}^{n} \frac{x^k}{k!} \cdot \frac{y^{n-k}}{(n-k)!} = \frac{(x + y)^n}{n!}

Das beweist ex⋅ey=ex+ye^x \cdot e^y = e^{x + y}.

Typische Fehler

  • Gliedweise multiplizieren: ∑an⋅∑bn≠∑anbn\sum a_n \cdot \sum b_n \neq \sum a_n b_n. Schon (1+1)⋅(1+1)=4(1 + 1) \cdot (1 + 1) = 4, aber 1⋅1+1⋅1=21 \cdot 1 + 1 \cdot 1 = 2.
  • Die Voraussetzung übergehen. Für an=bn=(−1)nn+1a_n = b_n = \frac{(-1)^n}{\sqrt{n + 1}} konvergieren beide Reihen nach Leibniz, aber ∣cn∣≥1|c_n| \geq 1 für alle nn, z.B. ∣c2∣=13+12+13≈1,6547|c_2| = \frac{1}{\sqrt{3}} + \frac{1}{2} + \frac{1}{\sqrt{3}} \approx 1{,}6547. Das Produkt divergiert.
  • Die Indizes falsch verschieben. In cnc_n addieren sich die Indizes immer zu nn; bei Reihen ab Index 11 muss man vorher umindizieren.

Verwandte Formeln