Laplace-Transformation der Ableitung

Laplace-Transformation der Ableitung

Studium
L{f′}=s F(s)−f(0),L{f′′}=s2F(s)−s f(0)−f′(0)\mathcal{L}\{f'\} = s\,F(s) - f(0), \qquad \mathcal{L}\{f''\} = s^2 F(s) - s\,f(0) - f'(0)

Voraussetzung: ff stetig,, f,f′f, f' höchstens exponentiell wachsend,, s>σ;s > \sigma; für f′′f'' zusätzlich f′f' stetig und f′′f'' höchstens exponentiell wachsend

ff
Originalfunktion, auf t ≥ 0 differenzierbar
f′,f′′f', f''
erste und zweite Ableitung von f
F(s)F(s)
Laplace-Transformierte von f
f(0)f(0)
Anfangswert von f
f′(0)f'(0)
Anfangswert der Ableitung
ss
Variable im Bildbereich
L\mathcal{L}
Laplace-Transformation

Ableiten im Zeitbereich wird zur Multiplikation mit s; die Anfangswerte stehen direkt in der Formel.

Erklärung

Der Differentiationssatz ist der Grund, warum man Differentialgleichungen mit der Laplace-Transformation löst. Er folgt aus partieller Integration:

∫0∞f′(t) e−st dt=[f(t) e−st]0∞+s∫0∞f(t) e−st dt=−f(0)+s F(s)\int_0^\infty f'(t)\,e^{-st}\,dt = \Bigl[ f(t)\,e^{-st} \Bigr]_0^\infty + s \int_0^\infty f(t)\,e^{-st}\,dt = -f(0) + s\,F(s)

Der Randterm bei ∞\infty verschwindet, weil ff höchstens exponentiell wächst und ss groß genug ist. Zweimal angewendet ergibt sich die Formel für f′′f''. Allgemein gilt

L{f(n)}=snF(s)−sn−1f(0)−sn−2f′(0)−…−f(n−1)(0)\mathcal{L}\{f^{(n)}\} = s^n F(s) - s^{n-1} f(0) - s^{n-2} f'(0) - \ldots - f^{(n-1)}(0)

Vorgehen bei einem Anfangswertproblem: beide Seiten transformieren, die Anfangswerte einsetzen, nach Y(s)Y(s) auflösen und mit der Korrespondenztabelle zurücktransformieren. Die Anfangswerte sind damit automatisch eingebaut; eine allgemeine Lösung mit Konstanten braucht man nicht.

Beispiele

y′+2y=0y' + 2y = 0 mit y(0)=3y(0) = 3. Transformieren ergibt

s Y−3+2Y=0⇒Y(s)=3s+2⇒y(t)=3 e−2ts\,Y - 3 + 2Y = 0 \quad\Rightarrow\quad Y(s) = \frac{3}{s + 2} \quad\Rightarrow\quad y(t) = 3\,e^{-2t}

y′′+3y′+2y=0y'' + 3y' + 2y = 0 mit y(0)=1y(0) = 1, y′(0)=0y'(0) = 0:

(s2Y−s⋅1−0)+3 (s Y−1)+2Y=0⇒Y(s)=s+3(s+1)(s+2)\bigl(s^2 Y - s \cdot 1 - 0\bigr) + 3\,\bigl(s\,Y - 1\bigr) + 2Y = 0 \quad\Rightarrow\quad Y(s) = \frac{s + 3}{(s + 1)(s + 2)}

Partialbruchzerlegung: Y(s)=2s+1−1s+2Y(s) = \frac{2}{s + 1} - \frac{1}{s + 2}, also

y(t)=2 e−t−e−2ty(t) = 2\,e^{-t} - e^{-2t}

Probe: y(0)=2−1=1y(0) = 2 - 1 = 1 und y′(0)=−2+2=0y'(0) = -2 + 2 = 0.

Typische Fehler

  • Die Anfangswerte vergessen und L{f′}=s F(s)\mathcal{L}\{f'\} = s\,F(s) schreiben. Das stimmt nur bei f(0)=0f(0) = 0.
  • Bei der zweiten Ableitung f(0)f(0) nicht mit ss multiplizieren: richtig ist s2F−s f(0)−f′(0)s^2 F - s\,f(0) - f'(0).
  • Das Vorzeichen falsch setzen: Die Anfangswerte werden abgezogen, nicht addiert.
  • Im Bildbereich bei der Partialbruchzerlegung Rechenfehler machen und dann eine Lösung erhalten, die die Anfangswerte nicht erfüllt. Die Probe mit y(0)y(0) und y′(0)y'(0) deckt das auf.

Verwandte Formeln