Restglied von Lagrange

Restglied von Lagrange

Studium
Rn(x)=f(x)−Tn(x)=f(n+1)(ξ)(n+1)! (x−x0)n+1R_n(x) = f(x) - T_n(x) = \frac{f^{(n+1)}(\xi)}{(n+1)!}\,(x - x_0)^{n+1}

Voraussetzung: ff auf einem Intervall II mit x0,x_0, x∈I (n+1)x \in I \ (n+1)-mal differenzierbar,, ξ\xi liegt zwischen x0x_0 und xx

Rn(x)R_n(x)
Restglied, also der Fehler des Taylorpolynoms an der Stelle x
Tn(x)T_n(x)
Taylorpolynom n-ten Grades von f um x₀
f(n+1)f^{(n+1)}
(n+1)-te Ableitung von f
x0x_0
Entwicklungsstelle
xx
Stelle, an der genähert wird
ξ\xi
unbekannte Zwischenstelle zwischen x₀ und x
nn
Grad des Taylorpolynoms

Der Fehler des Taylorpolynoms vom Grad n ist die (n+1)-te Ableitung an einer Zwischenstelle mal (x − x₀)ⁿ⁺¹/(n+1)!.

−112123456xyR2fT2
f(x) = eˣ und das Taylorpolynom T₂ um x₀ = 0; das Restglied R₂(x) ist der senkrechte Abstand zwischen beiden an der Stelle x

Erklärung

Das Taylorpolynom TnT_n nähert ff in der Nähe von x0x_0 an. Das Restglied Rn(x)=f(x)−Tn(x)R_n(x) = f(x) - T_n(x) beschreibt den Fehler. Die Lagrange-Form sieht aus wie der nächste Summand der Taylorreihe, nur dass die Ableitung an einer unbekannten Zwischenstelle ξ\xi statt an x0x_0 ausgewertet wird.

Praktisch nutzt man die Formel als Fehlerabschätzung: Gilt ∣f(n+1)(t)∣≤M\left|f^{(n+1)}(t)\right| \leq M für alle tt zwischen x0x_0 und xx, dann ist

∣Rn(x)∣≤M(n+1)! ∣x−x0∣n+1|R_n(x)| \leq \frac{M}{(n+1)!}\,|x - x_0|^{n+1}

Für n=0n = 0 ist die Formel genau der Mittelwertsatz: f(x)−f(x0)=f′(ξ)(x−x0)f(x) - f(x_0) = f'(\xi)(x - x_0).

Geht Rn(x)→0R_n(x) \to 0 für n→∞n \to \infty, stellt die Taylorreihe die Funktion an der Stelle xx dar. So zeigt man z.B., dass die Reihen von exe^x, sin⁡x\sin x und cos⁡x\cos x für alle xx konvergieren.

Beispiele

e0,5e^{0{,}5} mit dem Taylorpolynom 3. Grades um x0=0x_0 = 0:

T3(0,5)=1+0,5+0,522+0,536≈1,6458T_3(0{,}5) = 1 + 0{,}5 + \frac{0{,}5^2}{2} + \frac{0{,}5^3}{6} \approx 1{,}6458

Die vierte Ableitung ist ete^t, und für t∈[0;0,5]t \in [0; 0{,}5] gilt et≤e0,5<2e^t \leq e^{0{,}5} < 2. Also ist

∣R3(0,5)∣≤224⋅0,54≈0,0052|R_3(0{,}5)| \leq \frac{2}{24} \cdot 0{,}5^4 \approx 0{,}0052

Der tatsächliche Fehler ist e0,5−T3(0,5)≈1,6487−1,6458≈0,0029e^{0{,}5} - T_3(0{,}5) \approx 1{,}6487 - 1{,}6458 \approx 0{,}0029, liegt also unter der Schranke.

sin⁡0,5\sin 0{,}5 mit x−x36≈0,4792x - \frac{x^3}{6} \approx 0{,}4792: Dieses Polynom ist T3T_3 und zugleich T4T_4, weil der x4x^4-Term fehlt. Man darf deshalb das Restglied R4R_4 mit der 5. Ableitung cos⁡\cos verwenden: ∣R4∣≤0,55120≈0,00026|R_4| \leq \frac{0{,}5^5}{120} \approx 0{,}00026. Der echte Fehler ist etwa 0,0002590{,}000259.

Typische Fehler

  • n!n! statt (n+1)!(n+1)! im Nenner schreiben, oder den Exponenten nn statt n+1n + 1.
  • Die Ableitung an x0x_0 statt an der Zwischenstelle auswerten. Für eine sichere Schranke braucht man das Maximum von ∣f(n+1)∣\left|f^{(n+1)}\right| auf dem ganzen Intervall zwischen x0x_0 und xx.
  • Für e0,5e^{0{,}5} die Schranke mit e0=1e^0 = 1 statt mit dem Maximum e0,5e^{0{,}5} rechnen. Das ergäbe 0,00260{,}0026 und läge unter dem echten Fehler 0,00290{,}0029.

Verwandte Formeln