Kurvendiskussion

Kurvendiskussion

Oberstufe
Nullstellen:f(x)=0Extremkandidaten:f′(x)=0Wendekandidaten:f′′(x)=0\begin{array}{ll} \text{Nullstellen:} & f(x) = 0 \\ \text{Extremkandidaten:} & f'(x) = 0 \\ \text{Wendekandidaten:} & f''(x) = 0 \end{array}

Voraussetzung: ff auf dem Definitionsbereich ausreichend oft differenzierbar

f(x)f(x)
die untersuchte Funktion
f′(x)f'(x)
erste Ableitung, die Steigung des Graphen
f′′(x)f''(x)
zweite Ableitung, die Krümmung des Graphen

Eine Kurvendiskussion untersucht eine Funktion Schritt für Schritt auf Nullstellen, Extrem- und Wendepunkte und Verhalten.

1234−11234xyHWTf
Graph von f(x) = x³ − 6x² + 9x mit Hochpunkt H(1 | 4), Wendepunkt W(2 | 2) und Tiefpunkt T(3 | 0)

Erklärung

Bei einer Kurvendiskussion sammelt man alle wichtigen Eigenschaften einer Funktion, um ihren Graphen skizzieren zu können. Ein bewährter Ablauf:

  1. Definitionsbereich DfD_f festlegen.
  2. Symmetrie prüfen: achsensymmetrisch zur y-Achse bei f(−x)=f(x)f(-x) = f(x), punktsymmetrisch zum Ursprung bei f(−x)=−f(x)f(-x) = -f(x).
  3. Achsenschnittpunkte: y-Achsenabschnitt f(0)f(0), Nullstellen aus f(x)=0f(x) = 0.
  4. Ableitungen f′f', f′′f'' und bei Bedarf f′′′f''' bilden.
  5. Extrempunkte: f′(x)=0f'(x) = 0 lösen, mit f′′f'' oder einem Vorzeichenwechsel von f′f' prüfen, y-Werte mit ff berechnen.
  6. Wendepunkte: f′′(x)=0f''(x) = 0 lösen, mit f′′′f''' oder einem Vorzeichenwechsel von f′′f'' prüfen.
  7. Verhalten für x→±∞x \to \pm\infty und an Definitionslücken.
  8. Monotonie und Krümmung in Intervallen angeben, dann den Graphen skizzieren.

Die y-Werte immer mit der Ausgangsfunktion ff berechnen, nicht mit einer Ableitung.

Beispiele

f(x)=x3−6x2+9xf(x) = x^3 - 6x^2 + 9x mit Df=RD_f = \mathbb{R}.

Symmetrie: Es kommen gerade und ungerade Exponenten vor, also keine der beiden Standardsymmetrien.

Nullstellen: f(x)=x(x−3)2=0f(x) = x(x - 3)^2 = 0 ergibt x=0x = 0 und die doppelte Nullstelle x=3x = 3. Der y-Achsenabschnitt ist f(0)=0f(0) = 0.

Ableitungen: f′(x)=3x2−12x+9=3(x−1)(x−3)f'(x) = 3x^2 - 12x + 9 = 3(x - 1)(x - 3), f′′(x)=6x−12f''(x) = 6x - 12, f′′′(x)=6f'''(x) = 6.

Extrempunkte: f′(x)=0f'(x) = 0 für x=1x = 1 und x=3x = 3.

  • f′′(1)=−6<0f''(1) = -6 < 0, mit f(1)=4f(1) = 4 ist H(1∣4)H(1 \mid 4) ein Hochpunkt.
  • f′′(3)=6>0f''(3) = 6 > 0, mit f(3)=0f(3) = 0 ist T(3∣0)T(3 \mid 0) ein Tiefpunkt.

Wendepunkt: f′′(x)=0f''(x) = 0 für x=2x = 2, und f′′′(2)=6≠0f'''(2) = 6 \neq 0. Mit f(2)=2f(2) = 2 ist W(2∣2)W(2 \mid 2) der Wendepunkt.

Verhalten im Unendlichen: Der Term x3x^3 bestimmt das Verhalten. Für x→∞x \to \infty gilt f(x)→∞f(x) \to \infty, für x→−∞x \to -\infty gilt f(x)→−∞f(x) \to -\infty.

Monotonie: f′(0)=9f'(0) = 9, f′(2)=−3f'(2) = -3, f′(4)=9f'(4) = 9. Also steigt ff auf (−∞,1](-\infty, 1], fällt auf [1,3][1, 3] und steigt auf [3,∞)[3, \infty).

Krümmung: Für x<2x < 2 ist f′′(x)<0f''(x) < 0 (Rechtskurve), für x>2x > 2 ist f′′(x)>0f''(x) > 0 (Linkskurve).

Typische Fehler

  • Die y-Werte von Extrem- oder Wendepunkten in f′f' oder f′′f'' einsetzen statt in ff.
  • Nur die notwendige Bedingung prüfen. Ohne hinreichende Bedingung ist f′(x0)=0f'(x_0) = 0 noch kein Extremum.
  • Eine doppelte Nullstelle übersehen. Dort berührt der Graph die x-Achse nur, wie hier bei x=3x = 3.
  • Beim Ausklammern eine Nullstelle verlieren: Aus x3−6x2+9x=0x^3 - 6x^2 + 9x = 0 folgt auch x=0x = 0, nicht nur die Lösungen von x2−6x+9=0x^2 - 6x + 9 = 0.

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