Grenzwert einer Folge (ε-Definition)

Grenzwert einer Folge (ε-Definition)

Studium
lim⁡n→∞an=a  ⇔  ∀ε>0 ∃N∈N ∀n≥N: ∣an−a∣<ε\lim_{n \to \infty} a_n = a \;\Leftrightarrow\; \forall \varepsilon > 0\ \exists N \in \mathbb{N}\ \forall n \geq N:\ |a_n - a| < \varepsilon

Voraussetzung: (an)(a_n) reelle Folge,, a∈Ra \in \mathbb{R}

ana_n
n-tes Glied der Folge
aa
Grenzwert der Folge
ε\varepsilon
beliebig kleine positive Toleranz um den Grenzwert
NN
Index, ab dem alle Glieder innerhalb der Toleranz liegen; hängt von ε ab
nn
Index der Folgenglieder

Eine Folge hat den Grenzwert a, wenn zu jeder Toleranz ε > 0 ab einem Index N alle Glieder näher als ε an a liegen.

a + εaa − ε1Nn
Die Glieder aₙ = (2n + 1)/(n + 1) nähern sich dem Grenzwert a = 2; für ε = 0,25 liegen ab N = 4 alle Glieder näher als ε an a

Erklärung

Die Definition macht „die Folge kommt dem Wert aa beliebig nahe“ präzise. Man gibt sich eine Toleranz ε>0\varepsilon > 0 vor, also einen Streifen (a−ε, a+ε)(a - \varepsilon,\ a + \varepsilon) um aa. Die Folge konvergiert gegen aa, wenn für jede noch so kleine Toleranz ein Index NN existiert, ab dem kein Glied den Streifen mehr verlässt.

  • NN darf von ε\varepsilon abhängen. Je kleiner ε\varepsilon, desto größer wird NN meist.
  • Endlich viele Glieder am Anfang spielen keine Rolle. Man sagt auch: fast alle Glieder liegen im Streifen.
  • Der Grenzwert ist eindeutig, wenn er existiert.
  • Eine Folge mit Grenzwert 00 heißt Nullfolge. Es gilt an→aa_n \to a genau dann, wenn an−aa_n - a eine Nullfolge ist.

Im Beweis läuft es fast immer gleich: ∣an−a∣|a_n - a| vereinfachen oder nach oben abschätzen, die Ungleichung ∣an−a∣<ε|a_n - a| < \varepsilon nach nn auflösen und daraus ein passendes NN ablesen.

Beispiele

an=1na_n = \frac{1}{n} ist eine Nullfolge: ∣1n−0∣<ε\left|\frac{1}{n} - 0\right| < \varepsilon gilt für n>1εn > \frac{1}{\varepsilon}. Zu ε=0,01\varepsilon = 0{,}01 passt also N=101N = 101, denn 1101≈0,009901<0,01\frac{1}{101} \approx 0{,}009901 < 0{,}01, während 1100=0,01\frac{1}{100} = 0{,}01 gerade nicht mehr kleiner ist.

an=2n+1n+1a_n = \frac{2n + 1}{n + 1} konvergiert gegen 22:

∣an−2∣=∣2n+1−2(n+1)n+1∣=1n+1<ε  ⇔  n>1ε−1|a_n - 2| = \left| \frac{2n + 1 - 2(n + 1)}{n + 1} \right| = \frac{1}{n + 1} < \varepsilon \;\Leftrightarrow\; n > \frac{1}{\varepsilon} - 1

Für ε=0,001\varepsilon = 0{,}001 funktioniert N=1000N = 1000: 11001≈0,000999<0,001\frac{1}{1001} \approx 0{,}000999 < 0{,}001. Für n=999n = 999 ist der Abstand genau 0,0010{,}001 und damit nicht kleiner.

an=(−1)na_n = (-1)^n ist divergent: Zwei aufeinanderfolgende Glieder haben immer den Abstand 22. Bei ε=12\varepsilon = \frac{1}{2} könnten nicht beide im Streifen um einen Wert aa liegen.

Typische Fehler

  • Die Quantoren vertauschen. „Es gibt ein NN, das für alle ε\varepsilon passt“ ist viel stärker und gilt nur für Folgen, die ab einem Index konstant sind.
  • Ein festes ε\varepsilon prüfen und daraus Konvergenz folgern. Die Bedingung muss für jedes ε>0\varepsilon > 0 gelten.
  • Glauben, die Folge müsse sich dem Grenzwert monoton nähern. an=(−1)nna_n = \frac{(-1)^n}{n} springt um 00 herum und konvergiert trotzdem gegen 00.
  • ≤ε\leq \varepsilon und <ε< \varepsilon für wesentlich halten. Beide Varianten definieren denselben Grenzwertbegriff, nur das konkrete NN verschiebt sich eventuell um eins.

Verwandte Formeln