Monotoniekriterium für Folgen

Monotoniekriterium für Folgen

Studium
(an) monoton wachsend und nach oben beschra¨nkt  ⇒  lim⁡n→∞an=sup⁡n∈Nan(a_n) \text{ monoton wachsend und nach oben beschränkt} \;\Rightarrow\; \lim_{n \to \infty} a_n = \sup_{n \in \mathbb{N}} a_n

Voraussetzung: (an)(a_n) reelle Folge

ana_n
Glieder der Folge
sup⁡an\sup a_n
Supremum, die kleinste obere Schranke der Folgenglieder
nn
Index der Folgenglieder

Jede monoton wachsende, nach oben beschränkte Folge konvergiert gegen ihr Supremum; ebenso fallend und nach unten beschränkt.

Erklärung

Das Monotoniekriterium liefert Konvergenz, ohne dass man den Grenzwert vorher kennen muss. Es braucht zwei Zutaten:

  • Monotonie: an+1≥ana_{n+1} \geq a_n für alle nn (wachsend) bzw. an+1≤ana_{n+1} \leq a_n (fallend).
  • Beschränktheit in die passende Richtung: nach oben bei wachsenden, nach unten bei fallenden Folgen.

Der Grenzwert ist dann das Supremum (bzw. Infimum) der Folgenglieder. Er kann kleiner sein als die Schranke, die man im Beweis benutzt hat.

Das Kriterium beruht auf der Vollständigkeit der reellen Zahlen. In Q\mathbb{Q} gilt es nicht: Die Dezimalnäherungen 1; 1,4; 1,41; …1;\ 1{,}4;\ 1{,}41;\ \ldots von 2\sqrt{2} wachsen und sind beschränkt, haben aber keinen rationalen Grenzwert.

Typischer Einsatz sind rekursive Folgen an+1=g(an)a_{n+1} = g(a_n): Zuerst Monotonie und Beschränktheit mit vollständiger Induktion zeigen. Erst dann weiß man, dass ein Grenzwert aa existiert, und darf ihn aus der Fixpunktgleichung a=g(a)a = g(a) bestimmen.

Beispiele

a1=1a_1 = 1, an+1=2+ana_{n+1} = \sqrt{2 + a_n}: Die ersten Glieder sind 1; 3≈1,7321; 2+3≈1,93191;\ \sqrt{3} \approx 1{,}7321;\ \sqrt{2 + \sqrt{3}} \approx 1{,}9319.

  • Beschränkt: Ist an<2a_n < 2, dann ist an+1<4=2a_{n+1} < \sqrt{4} = 2.
  • Wachsend: Für 0≤a<20 \leq a < 2 gilt a2−a−2=(a−2)(a+1)<0a^2 - a - 2 = (a - 2)(a + 1) < 0, also a<2+aa < \sqrt{2 + a}.

Die Folge konvergiert also. Der Grenzwert erfüllt a=2+aa = \sqrt{2 + a}, d.h. a2−a−2=0a^2 - a - 2 = 0 mit den Lösungen 22 und −1-1. Da alle Glieder positiv sind, ist a=2a = 2.

an=(1+1n)na_n = \left(1 + \frac{1}{n}\right)^n ist wachsend (2; 2,25; …2;\ 2{,}25;\ \ldots) und durch 33 nach oben beschränkt. Ihr Grenzwert ist die Eulersche Zahl ee. Für n=1000n = 1000 ist an≈2,7169a_n \approx 2{,}7169.

Typische Fehler

  • Beschränktheit allein für ausreichend halten. (−1)n(-1)^n ist beschränkt, aber nicht monoton, und divergiert.
  • Den Grenzwert aus der Fixpunktgleichung berechnen, ohne die Konvergenz zu zeigen. Bei an+1=2ana_{n+1} = 2a_n mit a1=1a_1 = 1 ist a=0a = 0 die einzige Lösung von a=2aa = 2a, die Folge 1,2,4,…1, 2, 4, \ldots divergiert aber.
  • Die Schranke für den Grenzwert halten. (1+1n)n\left(1 + \frac{1}{n}\right)^n ist durch 33 beschränkt, der Grenzwert ist e≈2,718e \approx 2{,}718.
  • Bei wachsenden Folgen eine untere Schranke angeben. Für wachsende Folgen ist die obere Schranke entscheidend.

Verwandte Formeln