Mindestens-einmal-Aufgabe

Mindestens-einmal-Aufgabe

Oberstufe
1−(1−p)n≥Pmin⁡  ⟺  n≥ln⁡(1−Pmin⁡)ln⁡(1−p)1 - (1-p)^n \geq P_{\min} \iff n \geq \frac{\ln(1 - P_{\min})}{\ln(1-p)}

Voraussetzung: 0<p<1,0 < p < 1, 0<Pmin⁡<1,0 < P_{\min} < 1, n∈Nn \in \mathbb{N}

pp
Trefferwahrscheinlichkeit bei jedem einzelnen Versuch
nn
Anzahl der Versuche, gesucht ist die kleinste passende
Pmin⁡P_{\min}
geforderte Mindestwahrscheinlichkeit für mindestens einen Treffer
(1−p)n(1-p)^n
Wahrscheinlichkeit, in n Versuchen keinen einzigen Treffer zu haben

Wie viele Versuche braucht man, um mit einer Mindestwahrscheinlichkeit wenigstens einen Treffer zu erzielen?

Erklärung

Typische Frage: „Wie oft muss man mindestens würfeln, um mit mindestens 90 %90\,\% Wahrscheinlichkeit wenigstens eine Sechs zu bekommen?“ Gesucht ist die kleinste Anzahl nn von Versuchen.

Man rechnet über das Gegenereignis: „mindestens ein Treffer“ ist das Gegenteil von „kein Treffer“. Bei nn unabhängigen Versuchen hat „kein Treffer“ die Wahrscheinlichkeit (1−p)n(1-p)^n. Daraus folgt die Ungleichung

1−(1−p)n≥Pmin⁡  ⟺  (1−p)n≤1−Pmin⁡1 - (1-p)^n \geq P_{\min} \iff (1-p)^n \leq 1 - P_{\min}

Nun logarithmiert man beide Seiten und teilt durch ln⁡(1−p)\ln(1-p). Weil 0<1−p<10 < 1-p < 1 ist, ist dieser Logarithmus negativ, und das Ungleichheitszeichen dreht sich um. Das Ergebnis rundet man immer auf die nächste ganze Zahl.

Die Versuche müssen unabhängig sein und dieselbe Trefferwahrscheinlichkeit haben (Bernoulli-Kette).

Beispiele

Mindestens eine Sechs mit mindestens 90 %90\,\%, also p=16p = \frac{1}{6} und Pmin⁡=0,9P_{\min} = 0{,}9:

n≥ln⁡(0,1)ln⁡(56)≈12,63n \geq \frac{\ln(0{,}1)}{\ln\left(\frac{5}{6}\right)} \approx 12{,}63

Man muss also mindestens 1313-mal würfeln. Probe: 1−(56)13≈0,90651 - \left(\frac{5}{6}\right)^{13} \approx 0{,}9065, aber 1−(56)12≈0,88781 - \left(\frac{5}{6}\right)^{12} \approx 0{,}8878 reicht nicht.

Ein Los gewinnt mit 5 %5\,\%. Wie viele Lose braucht man, um mit mindestens 99 %99\,\% wenigstens einmal zu gewinnen?

n≥ln⁡(0,01)ln⁡(0,95)≈89,78n \geq \frac{\ln(0{,}01)}{\ln(0{,}95)} \approx 89{,}78

Es sind 9090 Lose nötig: 1−0,9590≈0,99011 - 0{,}95^{90} \approx 0{,}9901, bei 8989 Losen nur 0,98960{,}9896.

Typische Fehler

  • Beim Teilen durch ln⁡(1−p)\ln(1-p) das Ungleichheitszeichen nicht umdrehen. Dann erhält man n≤…n \leq \ldots, was keinen Sinn ergibt.
  • Kaufmännisch runden. Bei 12,6312{,}63 ergibt das zufällig 1313, bei 12,112{,}1 aber 1212, und das reicht nicht. Es wird immer aufgerundet, hier also auf 1313.
  • Mit pnp^n statt (1−p)n(1-p)^n rechnen. pnp^n ist die Wahrscheinlichkeit, dass jeder Versuch ein Treffer ist.
  • Die Wahrscheinlichkeiten addieren: 13⋅1613 \cdot \frac{1}{6} ist größer als 11 und keine Wahrscheinlichkeit.

Verwandte Formeln