Bestimmtheitsmaß

Bestimmtheitsmaß

Studium
R2=1−∑i=1n(yi−y^i)2∑i=1n(yi−yˉ)2R^2 = 1 - \frac{\sum_{i=1}^{n} (y_i - \hat{y}_i)^2}{\sum_{i=1}^{n} (y_i - \bar{y})^2}

Voraussetzung: n≥2,n \geq 2, nicht alle yiy_i gleich,, y^i\hat{y}_i aus einer Kleinste-Quadrate-Regression mit Achsenabschnitt

R2R^2
Bestimmtheitsmaß, Anteil der durch das Modell erklärten Streuung
yiy_i
beobachtete Werte
y^i\hat{y}_i
vom Regressionsmodell vorhergesagte Werte
yˉ\bar{y}
Mittelwert der beobachteten Werte
nn
Anzahl der Datenpunkte

Das Bestimmtheitsmaß R² gibt an, welcher Anteil der Streuung der Daten durch das Regressionsmodell erklärt wird.

Erklärung

Das Bestimmtheitsmaß beurteilt, wie gut ein Regressionsmodell (z.B. eine Regressionsgerade) die Daten beschreibt. Grundlage ist die Streuungszerlegung: Die Gesamtstreuung der yiy_i um ihren Mittelwert teilt sich in einen erklärten Teil und die Reststreuung der Residuen.

∑(yi−yˉ)2⏟gesamt=∑(y^i−yˉ)2⏟erkla¨rt+∑(yi−y^i)2⏟Rest\underbrace{\sum (y_i - \bar{y})^2}_{\text{gesamt}} = \underbrace{\sum (\hat{y}_i - \bar{y})^2}_{\text{erklärt}} + \underbrace{\sum (y_i - \hat{y}_i)^2}_{\text{Rest}}

R2R^2 ist der erklärte Anteil, also R2=erkla¨rtgesamt=1−RestgesamtR^2 = \frac{\text{erklärt}}{\text{gesamt}} = 1 - \frac{\text{Rest}}{\text{gesamt}}. Für eine Kleinste-Quadrate-Regression mit Achsenabschnitt gilt 0≤R2≤10 \leq R^2 \leq 1:

  • R2=1R^2 = 1: Alle Punkte liegen exakt auf der Regressionskurve.
  • R2=0R^2 = 0: Das Modell erklärt nichts, es ist nicht besser als der Mittelwert yˉ\bar{y}.

Bei der einfachen linearen Regression ist R2R^2 das Quadrat des Korrelationskoeffizienten: R2=r2R^2 = r^2.

Bei mehreren Einflussgrößen wird R2R^2 mit jeder zusätzlichen Variable nie kleiner, auch wenn sie nutzlos ist. Deshalb verwendet man dort oft das korrigierte R2R^2.

Beispiele

Datenpunkte (1; 2)(1;\,2), (2; 3)(2;\,3), (3; 5)(3;\,5), (4; 4)(4;\,4), (5; 6)(5;\,6) mit xˉ=3\bar{x} = 3 und yˉ=4\bar{y} = 4. Die Regressionsgerade hat die Steigung m=910=0,9m = \frac{9}{10} = 0{,}9 und den Achsenabschnitt b=4−0,9⋅3=1,3b = 4 - 0{,}9 \cdot 3 = 1{,}3. Die vorhergesagten Werte sind 2,22{,}2; 3,13{,}1; 4,04{,}0; 4,94{,}9; 5,85{,}8.

∑(yi−y^i)2=0,04+0,01+1+0,81+0,04=1,9\sum (y_i - \hat{y}_i)^2 = 0{,}04 + 0{,}01 + 1 + 0{,}81 + 0{,}04 = 1{,}9∑(yi−yˉ)2=4+1+1+0+4=10\sum (y_i - \bar{y})^2 = 4 + 1 + 1 + 0 + 4 = 10R2=1−1,910=0,81R^2 = 1 - \frac{1{,}9}{10} = 0{,}81

Die Gerade erklärt 81 %81\,\% der Streuung. Probe über die Zerlegung: Die erklärte Streuung ist ∑(y^i−yˉ)2=8,1\sum (\hat{y}_i - \bar{y})^2 = 8{,}1, und 8,1+1,9=108{,}1 + 1{,}9 = 10. Der Korrelationskoeffizient ist r=910⋅10=0,9r = \frac{9}{\sqrt{10 \cdot 10}} = 0{,}9, also r2=0,81r^2 = 0{,}81.

Typische Fehler

  • Ein hohes R2R^2 als Beleg für einen kausalen Zusammenhang oder für ein richtiges Modell werten. Auch ein falsches Modell (z.B. linear statt quadratisch) kann ein hohes R2R^2 haben.
  • R2R^2 mit rr verwechseln. Bei r=0,9r = 0{,}9 ist R2=0,81R^2 = 0{,}81, nicht 0,90{,}9.
  • Im Nenner die Summe der Residuenquadrate und im Zähler die Gesamtstreuung vertauschen.
  • Modelle mit unterschiedlich vielen Variablen allein nach R2R^2 vergleichen. Dafür ist das korrigierte R2R^2 gedacht.

Verwandte Formeln