Leibniz-Kriterium

Leibniz-Kriterium

Studium
∑n=1∞(−1)n+1an konvergiert,∣s−sn∣≤an+1\sum_{n=1}^{\infty} (-1)^{n+1} a_n \text{ konvergiert}, \quad |s - s_n| \leq a_{n+1}

Voraussetzung: (an)(a_n) monoton fallend,, lim⁡n→∞an=0\lim_{n \to \infty} a_n = 0

ana_n
Betrag des n-ten Glieds, nicht negativ
(−1)n+1(-1)^{n+1}
Vorzeichenwechsel, beginnend mit plus
ss
Wert (Grenzwert) der Reihe
sns_n
n-te Partialsumme
nn
Index der Glieder

Eine alternierende Reihe, deren Gliedbeträge monoton gegen 0 fallen, konvergiert; der Fehler ist höchstens das nächste Glied.

Erklärung

Eine Reihe heißt alternierend, wenn ihre Glieder abwechselnd positiv und negativ sind. Das Leibniz-Kriterium sagt: Bilden die Beträge ana_n eine monoton fallende Nullfolge, dann konvergiert die alternierende Reihe.

Die Partialsummen springen dabei abwechselnd über und unter den Grenzwert ss, und die Sprünge werden immer kleiner. Daraus folgt die Fehlerabschätzung: Der Abstand zwischen ss und sns_n ist höchstens so groß wie das erste weggelassene Glied an+1a_{n+1}. Außerdem liegt ss immer zwischen zwei aufeinanderfolgenden Partialsummen.

Das Kriterium zeigt nur Konvergenz, nicht absolute Konvergenz. Die alternierende harmonische Reihe konvergiert, die Reihe der Beträge (die harmonische Reihe) aber nicht. Solche Reihen heißen bedingt konvergent; ihre Glieder darf man nicht beliebig umordnen.

Beginnt die Reihe mit einem negativen Glied oder bei einem anderen Index, gilt dasselbe. Monotonie muss erst ab einem Index NN gelten.

Beispiele

Die alternierende harmonische Reihe 1−12+13−…1 - \frac{1}{2} + \frac{1}{3} - \ldots erfüllt die Voraussetzungen mit an=1na_n = \frac{1}{n}. Ihr Wert ist ln⁡2≈0,6931\ln 2 \approx 0{,}6931. Die vierte Partialsumme ist

s4=1−12+13−14=712≈0,5833s_4 = 1 - \frac{1}{2} + \frac{1}{3} - \frac{1}{4} = \frac{7}{12} \approx 0{,}5833

Der tatsächliche Fehler 0,10980{,}1098 ist kleiner als die Schranke a5=15a_5 = \frac{1}{5}.

Die Leibniz-Reihe 1−13+15−17+…=π41 - \frac{1}{3} + \frac{1}{5} - \frac{1}{7} + \ldots = \frac{\pi}{4} hat an=12n−1a_n = \frac{1}{2n - 1}. Mit vier Gliedern ergibt sich 0,72380{,}7238, der genaue Wert ist π4≈0,7854\frac{\pi}{4} \approx 0{,}7854. Der Fehler 0,06160{,}0616 liegt unter der Schranke 19≈0,111\frac{1}{9} \approx 0{,}111.

Wie viele Glieder der alternierenden harmonischen Reihe garantieren einen Fehler von höchstens 10−310^{-3}? Aus an+1=1n+1≤10−3a_{n+1} = \frac{1}{n + 1} \leq 10^{-3} folgt n≥999n \geq 999. Tatsächlich ist der Fehler bei n=999n = 999 etwa 0,00050{,}0005.

Typische Fehler

  • Die Monotonie nicht prüfen. Eine alternierende Reihe mit Nullfolge, aber nicht monotonen Beträgen kann divergieren.
  • Aus dem Leibniz-Kriterium absolute Konvergenz folgern.
  • Die Fehlerschranke mit dem letzten addierten Glied ana_n statt mit dem ersten weggelassenen Glied an+1a_{n+1} bilden.
  • Das Kriterium auf Reihen anwenden, deren Vorzeichen nicht streng abwechseln.

Verwandte Formeln