De-Morgan-Regeln für Mengen

De-Morgan-Regeln für Mengen

Studium
A∪B‾=A‾∩B‾,A∩B‾=A‾∪B‾\overline{A \cup B} = \overline{A} \cap \overline{B}, \qquad \overline{A \cap B} = \overline{A} \cup \overline{B}

Voraussetzung: A,B⊆Ω,A, B \subseteq \Omega, A‾=Ω∖A\overline{A} = \Omega \setminus A

A,BA, B
Teilmengen einer Grundmenge Ω
Ω\Omega
Grundmenge, bezüglich der das Komplement gebildet wird
A‾\overline{A}
Komplement von A, alle Elemente von Ω, die nicht in A liegen
∪,∩\cup, \cap
Vereinigung und Schnitt

Das Komplement einer Vereinigung ist der Schnitt der Komplemente, das Komplement eines Schnitts die Vereinigung der Komplemente.

Erklärung

Die De-Morgan-Regeln beschreiben, wie sich das Komplement (Bezeichnung A‾\overline{A} oder AcA^c) mit Vereinigung und Schnitt verträgt: Beim Übergang zum Komplement wird aus ∪\cup ein ∩\cap und umgekehrt.

  • „Nicht in AA oder BB“ heißt „weder in AA noch in BB“: A∪B‾=A‾∩B‾\overline{A \cup B} = \overline{A} \cap \overline{B}.
  • „Nicht in beiden“ heißt „nicht in AA oder nicht in BB“: A∩B‾=A‾∪B‾\overline{A \cap B} = \overline{A} \cup \overline{B}.

Beweis: x∈A∪B‾x \in \overline{A \cup B} bedeutet ¬(x∈A∨x∈B)\neg(x \in A \vee x \in B). Nach den De-Morgan-Regeln der Logik ist das gleichwertig zu x∉A∧x∉Bx \notin A \wedge x \notin B, also x∈A‾∩B‾x \in \overline{A} \cap \overline{B}.

Die Regeln gelten für beliebig viele Mengen, ⋃iAi‾=⋂iAi‾\overline{\bigcup_i A_i} = \bigcap_i \overline{A_i}, und auch für Differenzen: C∖(A∪B)=(C∖A)∩(C∖B)C \setminus (A \cup B) = (C \setminus A) \cap (C \setminus B). In der Stochastik liefern sie Gegenereignisse, z.B. ist das Gegenteil von „AA oder BB tritt ein“ das Ereignis „weder AA noch BB“.

Beispiele

Grundmenge Ω={1,…,10}\Omega = \{1, \ldots, 10\}, A={2,4,6,8,10}A = \{2, 4, 6, 8, 10\} (gerade Zahlen), B={3,6,9}B = \{3, 6, 9\} (Vielfache von 33).

Erste Regel: A∪B={2,3,4,6,8,9,10}A \cup B = \{2, 3, 4, 6, 8, 9, 10\} hat 5+3−1=75 + 3 - 1 = 7 Elemente, also A∪B‾={1,5,7}\overline{A \cup B} = \{1, 5, 7\} mit 10−7=310 - 7 = 3 Elementen. Andererseits ist A‾={1,3,5,7,9}\overline{A} = \{1, 3, 5, 7, 9\} und B‾={1,2,4,5,7,8,10}\overline{B} = \{1, 2, 4, 5, 7, 8, 10\}, und deren Schnitt ist ebenfalls {1,5,7}\{1, 5, 7\}.

Zweite Regel: A∩B={6}A \cap B = \{6\}, also hat A∩B‾\overline{A \cap B} genau 10−1=910 - 1 = 9 Elemente. Die Vereinigung A‾∪B‾\overline{A} \cup \overline{B} hat 5+7−3=95 + 7 - 3 = 9 Elemente, nämlich alle außer der 66.

Typische Fehler

  • Das Zeichen nicht umdrehen. A∪B‾=A‾∪B‾\overline{A \cup B} = \overline{A} \cup \overline{B} ist falsch. Im Beispiel wäre die 33 in A‾∪B‾\overline{A} \cup \overline{B}, obwohl sie in BB liegt.
  • Komplement ohne Grundmenge. A‾\overline{A} hängt von Ω\Omega ab. Für A={2,4}A = \{2, 4\} ist das Komplement in {1,…,5}\{1, \ldots, 5\} eine andere Menge als in {1,…,10}\{1, \ldots, 10\}.
  • Doppelte Komplemente übersehen. Aus A∩B‾‾\overline{A \cap \overline{B}} wird A‾∪B‾‾=A‾∪B\overline{A} \cup \overline{\overline{B}} = \overline{A} \cup B, nicht A‾∪B‾\overline{A} \cup \overline{B}.

Verwandte Formeln