De-Morgan-Regeln der Logik

De-Morgan-Regeln der Logik

Studium
¬(A∧B)⇔¬A∨¬B,¬(A∨B)⇔¬A∧¬B\neg(A \wedge B) \Leftrightarrow \neg A \vee \neg B, \qquad \neg(A \vee B) \Leftrightarrow \neg A \wedge \neg B
A,BA, B
Aussagen, die wahr oder falsch sind
¬\neg
Negation, „nicht“
∧,∨\wedge, \vee
Konjunktion „und“ sowie Disjunktion „oder“ (nicht ausschließend)
⇔\Leftrightarrow
logische Äquivalenz, beide Seiten haben immer denselben Wahrheitswert

Eine verneinte Und-Aussage wird zu einer Oder-Aussage der Verneinungen und umgekehrt.

Erklärung

Die De-Morgan-Regeln sagen, wie man eine Und- oder Oder-Verknüpfung verneint: Die Negation wird auf beide Teile verteilt, und dabei wird aus „und“ ein „oder“ und aus „oder“ ein „und“.

Wahrheitstafel der ersten Regel (ww = wahr, ff = falsch):

AABBA∧BA \wedge B¬(A∧B)\neg(A \wedge B)¬A∨¬B\neg A \vee \neg B
wwwwwwffff
wwffffwwww
ffwwffwwww
ffffffwwww

Die letzten beiden Spalten stimmen in jeder Zeile überein. Die zweite Regel prüft man genauso.

Für Quantoren gelten die entsprechenden Regeln:

¬ ∀x:P(x)  ⇔  ∃x:¬P(x),¬ ∃x:P(x)  ⇔  ∀x:¬P(x)\neg\, \forall x : P(x) \;\Leftrightarrow\; \exists x : \neg P(x), \qquad \neg\, \exists x : P(x) \;\Leftrightarrow\; \forall x : \neg P(x)

Man braucht sie beim Widerspruchsbeweis, bei der Kontraposition und beim Vereinfachen von Bedingungen in Programmen: !(a && b) ist dasselbe wie !a || !b.

Beispiele

Die Aussage „x>0x > 0 und x<5x < 5“ beschreibt das Intervall (0,5)(0, 5). Ihre Verneinung ist

¬(x>0∧x<5)  ⇔  x≤0∨x≥5\neg(x > 0 \wedge x < 5) \;\Leftrightarrow\; x \leq 0 \vee x \geq 5

Die Verneinung von „Jede Folge ist beschränkt“ lautet „Es gibt eine Folge, die nicht beschränkt ist“, nicht „Keine Folge ist beschränkt“.

Stetigkeit verneinen: Aus ∀ε>0 ∃δ>0 ∀x:∣x−x0∣<δ⇒∣f(x)−f(x0)∣<ε\forall \varepsilon > 0\ \exists \delta > 0\ \forall x : |x - x_0| < \delta \Rightarrow |f(x) - f(x_0)| < \varepsilon wird

∃ε>0 ∀δ>0 ∃x:∣x−x0∣<δ∧∣f(x)−f(x0)∣≥ε\exists \varepsilon > 0\ \forall \delta > 0\ \exists x : |x - x_0| < \delta \wedge |f(x) - f(x_0)| \geq \varepsilon

Typische Fehler

  • Den Junktor nicht umdrehen. ¬(A∧B)\neg(A \wedge B) ist nicht ¬A∧¬B\neg A \wedge \neg B. „Nicht beide Lampen brennen“ ist auch dann wahr, wenn genau eine brennt.
  • Bei Ungleichungen falsch verneinen. Die Verneinung von x<5x < 5 ist x≥5x \geq 5, nicht x>5x > 5.
  • Quantoren nicht mitdrehen. Beim Verneinen wird jeder ∀\forall zu ∃\exists und umgekehrt, und die Implikation P⇒QP \Rightarrow Q wird zu P∧¬QP \wedge \neg Q.

Verwandte Formeln