Inklusion-Exklusion

Inklusion-Exklusion

Studium
∣⋃i=1nAi∣=∑∅≠I⊆{1,…,n}(−1)∣I∣+1∣⋂i∈IAi∣\left|\bigcup_{i=1}^{n} A_i\right| = \sum_{\emptyset \neq I \subseteq \{1, \ldots, n\}} (-1)^{|I|+1} \left|\bigcap_{i \in I} A_i\right|

Voraussetzung: A1,…,AnA_1, \ldots, A_n endliche Mengen,, n≥1n \geq 1

A1,…,AnA_1, \ldots, A_n
endliche Mengen
II
nichtleere Auswahl von Indizes, über die geschnitten wird
∣I∣|I|
Anzahl der ausgewählten Mengen; sie bestimmt das Vorzeichen
∣M∣|M|
Mächtigkeit, also Anzahl der Elemente einer Menge M

Die Größe einer Vereinigung erhält man, indem man Schnitte ungerader Ordnung addiert und Schnitte gerader Ordnung abzieht.

Erklärung

Das Prinzip von Inklusion und Exklusion zählt die Elemente einer Vereinigung, wenn sich die Mengen überschneiden. Addiert man nur ∣A1∣+…+∣An∣|A_1| + \ldots + |A_n|, werden Elemente in Überschneidungen mehrfach gezählt. Das korrigiert man abwechselnd: Paarschnitte abziehen, Dreierschnitte wieder addieren und so weiter.

Für zwei und drei Mengen:

∣A∪B∣=∣A∣+∣B∣−∣A∩B∣|A \cup B| = |A| + |B| - |A \cap B|∣A∪B∪C∣=∣A∣+∣B∣+∣C∣−∣A∩B∣−∣A∩C∣−∣B∩C∣+∣A∩B∩C∣|A \cup B \cup C| = |A| + |B| + |C| - |A \cap B| - |A \cap C| - |B \cap C| + |A \cap B \cap C|

Warum jedes Element genau einmal gezählt wird: Liegt xx in genau r≥1r \geq 1 der Mengen, so trägt es (r1)−(r2)+…±(rr)=1\binom{r}{1} - \binom{r}{2} + \ldots \pm \binom{r}{r} = 1 bei, denn die alternierende Summe aller (rj)\binom{r}{j} ist 00.

Oft zählt man das Gegenteil: Die Anzahl der Elemente der Grundmenge, die in keiner der Mengen liegen, ist ∣Ω∣−∣A1∪…∪An∣|\Omega| - |A_1 \cup \ldots \cup A_n|. So entstehen die Formel für die φ-Funktion und die Anzahl fixpunktfreier Permutationen. Für Wahrscheinlichkeiten gilt dieselbe Formel mit PP statt ∣⋅∣|\cdot|.

Beispiele

Wie viele Zahlen von 11 bis 100100 sind durch 22, 33 oder 55 teilbar? Durch dd teilbar sind ⌊100/d⌋\lfloor 100/d \rfloor Zahlen; ein Schnitt entspricht Teilbarkeit durch das Produkt:

50+33+20−16−10−6+3=7450 + 33 + 20 - 16 - 10 - 6 + 3 = 74

Also sind 100−74=26100 - 74 = 26 Zahlen zu 3030 teilerfremd.

Umfrage: Von 3030 Studierenden sprechen 1818 Englisch, 1212 Französisch und 99 Spanisch. 55 sprechen Englisch und Französisch, 44 Englisch und Spanisch, 33 Französisch und Spanisch, 22 alle drei. Mindestens eine Sprache sprechen

18+12+9−5−4−3+2=29,18 + 12 + 9 - 5 - 4 - 3 + 2 = 29,

genau 30−29=130 - 29 = 1 Person spricht keine der drei Sprachen.

Typische Fehler

  • Nur die Paarschnitte abziehen. Bei drei Mengen werden Elemente im Dreierschnitt dreimal addiert und dreimal abgezogen. Ohne +∣A∩B∩C∣+|A \cap B \cap C| fehlen sie ganz.
  • Falsches Vorzeichen. Schnitte aus einer ungeraden Anzahl von Mengen werden addiert, aus einer geraden Anzahl abgezogen.
  • Schnitte mit „genau“ verwechseln. ∣A∩B∣|A \cap B| enthält auch die Elemente, die zusätzlich in CC liegen. Wer „nur Englisch und Französisch“ einsetzt (5−2=35 - 2 = 3), erhält ein falsches Ergebnis.

Verwandte Formeln