Zwischenwertsatz
Voraussetzung: stetig auf
- auf [a, b] stetige Funktion
- Grenzen des Intervalls
- ein Wert zwischen f(a) und f(b) (einschließlich)
- Stelle im Intervall, an der f den Wert y annimmt
Eine stetige Funktion auf [a, b] nimmt jeden Wert zwischen f(a) und f(b) an mindestens einer Stelle an.
Erklärung
Der Zwischenwertsatz sagt: Der Graph einer stetigen Funktion auf einem Intervall hat keine Lücken in den Werten. Jeder Wert zwischen und wird an einer Stelle angenommen. Ob oder ist, spielt keine Rolle.
Der wichtigste Sonderfall ist der Nullstellensatz (Satz von Bolzano): Haben und verschiedene Vorzeichen, also , dann hat in eine Nullstelle.
Der Satz sichert nur die Existenz. Er sagt nicht, wo die Stelle liegt und wie viele es gibt. Eine Näherung liefert das Bisektionsverfahren, das den Vorzeichenwechsel immer weiter einschachtelt.
Beide Voraussetzungen sind nötig: Ohne Stetigkeit oder auf einem zerrissenen Definitionsbereich kann der Wert übersprungen werden.
Beispiele
auf : Es ist und . Als Polynom ist stetig, also gibt es eine Nullstelle in . Bisektion liefert .
Die Gleichung hat eine Lösung in : Für ist und . Die Lösung liegt bei .
Jedes Polynom mit ungeradem Grad hat mindestens eine reelle Nullstelle, denn für und gehen die Werte in entgegengesetzte Richtungen.
Typische Fehler
- Den Satz auf unstetige Funktionen anwenden. hat und , aber keine Nullstelle. Bei ist nicht definiert.
- Aus gleichen Vorzeichen auf „keine Nullstelle“ schließen. hat , aber die Nullstellen .
- Aus dem Satz die Anzahl der Nullstellen ablesen. Er garantiert mindestens eine; ob es genau eine ist, zeigt man z.B. mit Monotonie oder dem Satz von Rolle.