Stetigkeit (ε-δ-Definition)

Stetigkeit (ε-δ-Definition)

Studium
∀ε>0 ∃δ>0 ∀x∈D ⁣:∣x−x0∣<δ⇒  ∣f(x)−f(x0)∣<ε\begin{gathered} \forall \varepsilon > 0\ \exists \delta > 0\ \forall x \in D\colon \\ |x - x_0| < \delta \\ \Rightarrow\; |f(x) - f(x_0)| < \varepsilon \end{gathered}

Voraussetzung: f:D→R,f: D \to \mathbb{R}, D⊆R,D \subseteq \mathbb{R}, x0∈Dx_0 \in D

ff
Funktion mit Definitionsbereich D
DD
Definitionsbereich von f
x0x_0
Stelle, an der die Stetigkeit geprüft wird
xx
beliebige Stelle aus D in der Nähe von x₀
ε\varepsilon
vorgegebene Toleranz für die Funktionswerte
δ\delta
zugehörige Toleranz für die Stellen; hängt von ε (und meist von x₀) ab

f ist bei x₀ stetig, wenn kleine Änderungen von x nahe x₀ nur beliebig kleine Änderungen von f(x) bewirken.

121234567xyεεδδf
f(x) = 3x + 1 bei x₀ = 1; alle x im δ-Streifen um x₀ (hier δ = ε/3 = 0,5) haben Funktionswerte im ε-Streifen um f(x₀) = 4

Erklärung

Eine Funktion ist an der Stelle x0x_0 stetig, wenn man f(x)f(x) beliebig nahe an f(x0)f(x_0) bringen kann, indem man xx nur nahe genug an x0x_0 wählt. Zu jeder Toleranz ε\varepsilon für die Funktionswerte muss es also eine Toleranz δ\delta für die Stellen geben.

Gleichwertig ist das Folgenkriterium: ff ist bei x0x_0 stetig genau dann, wenn für jede Folge xn→x0x_n \to x_0 in DD auch f(xn)→f(x0)f(x_n) \to f(x_0) gilt. Damit zeigt man Unstetigkeit oft leichter, weil eine einzige passende Folge genügt.

ff heißt stetig auf DD, wenn sie an jeder Stelle von DD stetig ist. Summen, Produkte, Quotienten (mit Nenner ≠0\neq 0) und Verkettungen stetiger Funktionen sind wieder stetig. Polynome, sin⁡\sin, cos⁡\cos, exe^x und ln⁡\ln sind auf ihrem Definitionsbereich stetig.

Beispiele

f(x)=3x+1f(x) = 3x + 1 ist überall stetig. Es gilt ∣f(x)−f(x0)∣=3 ∣x−x0∣|f(x) - f(x_0)| = 3\,|x - x_0|. Mit δ=ε3\delta = \frac{\varepsilon}{3} folgt aus ∣x−x0∣<δ|x - x_0| < \delta sofort ∣f(x)−f(x0)∣<3δ=ε|f(x) - f(x_0)| < 3\delta = \varepsilon.

f(x)=x2f(x) = x^2 ist bei x0=2x_0 = 2 stetig. Man zerlegt ∣x2−4∣=∣x−2∣⋅∣x+2∣|x^2 - 4| = |x - 2| \cdot |x + 2|. Wählt man vorab δ≤1\delta \leq 1, liegt xx in (1,3)(1, 3) und damit ∣x+2∣<5|x + 2| < 5. Also passt δ=min⁡(1,ε5)\delta = \min\left(1, \frac{\varepsilon}{5}\right).

Für ε=0,1\varepsilon = 0{,}1 ergibt das δ=0,02\delta = 0{,}02. Am Rand des Intervalls ist 2,022−4=0,08042{,}02^2 - 4 = 0{,}0804 und ∣1,982−4∣=0,0796|1{,}98^2 - 4| = 0{,}0796, beides kleiner als 0,10{,}1.

Die Vorzeichenfunktion sgn⁡\operatorname{sgn} ist bei 00 unstetig: Für ε=12\varepsilon = \frac{1}{2} gibt es kein δ\delta, denn für jedes noch so kleine x>0x > 0 ist ∣sgn⁡(x)−sgn⁡(0)∣=1|\operatorname{sgn}(x) - \operatorname{sgn}(0)| = 1.

Typische Fehler

  • δ\delta unabhängig von ε\varepsilon wählen oder δ\delta von xx abhängig machen. δ\delta darf nur von ε\varepsilon und x0x_0 abhängen.
  • Bei nichtlinearen Funktionen den Faktor ∣x+x0∣|x + x_0| unbeschränkt lassen. Erst durch eine Vorab-Einschränkung wie δ≤1\delta \leq 1 wird er abschätzbar.
  • Stetigkeit mit „Graph ohne Absetzen zeichenbar“ gleichsetzen. f(x)=1xf(x) = \frac{1}{x} ist auf ihrem Definitionsbereich R∖{0}\mathbb{R} \setminus \{0\} stetig, obwohl der Graph aus zwei Ästen besteht.
  • Stetigkeit an einer Stelle prüfen, die nicht in DD liegt. Bei x0=0x_0 = 0 ist 1x\frac{1}{x} weder stetig noch unstetig, sondern nicht definiert.

Verwandte Formeln