Ableitung eines Parameterintegrals

Ableitung eines Parameterintegrals

Studium
ddt∫abf(x,t) dx=∫ab∂f∂t(x,t) dx\frac{d}{dt} \int_{a}^{b} f(x, t)\,dx = \int_{a}^{b} \frac{\partial f}{\partial t}(x, t)\,dx

Voraussetzung: a,ba, b fest,, ff und ∂f∂t\tfrac{\partial f}{\partial t} stetig auf [a,b]×I,[a, b] \times I, t∈It \in I (offenes Intervall)

f(x,t)f(x, t)
Integrand, abhängig von der Integrationsvariablen x und dem Parameter t
xx
Integrationsvariable
tt
Parameter, nach dem abgeleitet wird
a,ba, b
feste Integrationsgrenzen
∂f∂t\frac{\partial f}{\partial t}
partielle Ableitung des Integranden nach t

Ein Integral mit festen Grenzen leitet man nach einem Parameter ab, indem man den Integranden nach diesem Parameter ableitet.

Erklärung

Hängt der Integrand von einem Parameter tt ab, ist das Integral eine Funktion von tt:

F(t)=∫abf(x,t) dxF(t) = \int_a^b f(x, t)\,dx

Die Leibnizregel erlaubt, Ableitung und Integral zu vertauschen: Man leitet unter dem Integralzeichen partiell nach tt ab. Dafür müssen ff und ∂f∂t\frac{\partial f}{\partial t} auf dem Rechteck [a,b]×I[a, b] \times I stetig sein, mit einem offenen Intervall II für den Parameter (die Regel gilt dann an jeder Stelle t∈It \in I). Bei uneigentlichen Integralen oder Integranden, die am Rand unstetig sind, braucht man stattdessen eine integrierbare Majorante h(x)h(x) mit ∣∂f∂t(x,t)∣≤h(x)\left|\frac{\partial f}{\partial t}(x, t)\right| \leq h(x) für alle tt in einer Umgebung der betrachteten Stelle.

Hängen auch die Grenzen von tt ab (differenzierbar in tt), kommen Randterme dazu:

ddt∫a(t)b(t)f(x,t) dx=f(b(t),t) b′(t)−f(a(t),t) a′(t)+∫a(t)b(t)∂f∂t(x,t) dx\frac{d}{dt} \int_{a(t)}^{b(t)} f(x, t)\,dx = f\bigl(b(t), t\bigr)\, b'(t) - f\bigl(a(t), t\bigr)\, a'(t) + \int_{a(t)}^{b(t)} \frac{\partial f}{\partial t}(x, t)\,dx

Ist ff unabhängig von tt und nur die obere Grenze variabel, bleibt der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung übrig.

Als Rechentrick („Feynman-Trick“) führt man einen Parameter künstlich ein, leitet ab und erhält ein leichteres Integral.

Beispiele

F(t)=∫01xt dx=1t+1F(t) = \int_0^1 x^t\,dx = \frac{1}{t + 1} für t>−1t > -1. Für t>0t > 0 sind xtx^t und ∂∂txt=xtln⁡x\frac{\partial}{\partial t} x^t = x^t \ln x auf [0,1]×(0,∞)[0, 1] \times (0, \infty) stetig (mit dem Wert 00 bei x=0x = 0), die Regel ist also direkt anwendbar. Für t>−1t > -1 gilt das Ergebnis ebenfalls, dann mit der Majorante xt0 ∣ln⁡x∣x^{t_0}\,|\ln x| für t≥t0>−1t \geq t_0 > -1. Ableiten nach tt:

∫01xtln⁡x dx=F′(t)=−1(t+1)2\int_0^1 x^t \ln x\,dx = F'(t) = -\frac{1}{(t + 1)^2}

Für t=2t = 2 ergibt sich ohne partielle Integration ∫01x2ln⁡x dx=−19\int_0^1 x^2 \ln x\,dx = -\frac{1}{9}.

Variable Grenze: G(t)=∫0tx t dxG(t) = \int_0^t x\,t\,dx. Mit der erweiterten Regel:

G′(t)=t⋅t⋅1+∫0tx dx=t2+t22=32t2G'(t) = t \cdot t \cdot 1 + \int_0^t x\,dx = t^2 + \frac{t^2}{2} = \frac{3}{2}t^2

Zur Kontrolle: Direkt ist G(t)=t⋅t22=t32G(t) = t \cdot \frac{t^2}{2} = \frac{t^3}{2}, und die Ableitung ist 32t2\frac{3}{2}t^2.

Typische Fehler

  • Bei variablen Grenzen die Randterme vergessen. Im zweiten Beispiel käme sonst nur t22\frac{t^2}{2} heraus.
  • Nach der Integrationsvariablen xx statt nach dem Parameter tt ableiten.
  • Die Regel ohne Prüfung bei uneigentlichen Integralen anwenden. Ohne stetige Ableitung auf dem Rechteck oder integrierbare Majorante kann das Vertauschen ein falsches Ergebnis liefern.

Verwandte Formeln