n-te Wurzeln einer komplexen Zahl

n-te Wurzeln einer komplexen Zahl

Studium
zk=rn (cos⁡φ+2kπn+isin⁡φ+2kπn)z_k = \sqrt[n]{r}\,\Bigl(\cos\frac{\varphi + 2k\pi}{n} + i\sin\frac{\varphi + 2k\pi}{n}\Bigr)

Voraussetzung: w=r eiφ,w = r\,e^{i\varphi}, r>0,r > 0, n∈N,n \in \mathbb{N}, n≥1,n \geq 1, k=0,1,…,n−1k = 0, 1, \ldots, n-1

ww
komplexe Zahl, deren Wurzeln gesucht sind (Lösungen von zⁿ = w)
rr
Betrag von w
φ\varphi
Argument (Winkel) von w im Bogenmaß
nn
Wurzelexponent
kk
Nummer der Lösung
zkz_k
die n verschiedenen Lösungen von zⁿ = w
ii
imaginäre Einheit mit i² = −1

Die Gleichung zⁿ = w hat für w ≠ 0 genau n verschiedene komplexe Lösungen, die ein regelmäßiges n-Eck bilden.

Erklärung

Im Reellen hat x3=8x^3 = 8 nur die Lösung 22. Im Komplexen hat die Gleichung zn=wz^n = w für jedes w≠0w \neq 0 genau nn verschiedene Lösungen, die nn-ten Wurzeln von ww.

Man schreibt ww zuerst in Polarform w=r eiφw = r\,e^{i\varphi}. Dann gilt für die Lösungen:

  • Alle haben denselben Betrag rn\sqrt[n]{r} (reelle, positive Wurzel). Sie liegen also auf einem Kreis um den Ursprung.
  • Ihre Winkel unterscheiden sich jeweils um 2πn\frac{2\pi}{n}. Die Lösungen bilden die Ecken eines regelmäßigen nn-Ecks.
  • Für k=nk = n erhält man wieder z0z_0; mehr als nn verschiedene Lösungen gibt es nicht.

Für w=1w = 1 heißen die Lösungen Einheitswurzeln: zk=e2kπi/nz_k = e^{2k\pi i/n}.

Das Zeichen wn\sqrt[n]{w} ist für komplexe ww nicht eindeutig. Meist bezeichnet es die Lösung z0z_0 mit dem Hauptwert des Arguments.

Herleitung

Man setzt z=s eiψz = s\,e^{i\psi} an. Nach der Formel von Moivre ist zn=sneinψz^n = s^n e^{in\psi}. Das soll gleich r eiφr\,e^{i\varphi} sein. Die Beträge müssen übereinstimmen, also s=rns = \sqrt[n]{r}. Die Winkel dürfen sich um Vielfache von 2π2\pi unterscheiden, also nψ=φ+2kπn\psi = \varphi + 2k\pi und damit ψ=φ+2kπn\psi = \frac{\varphi + 2k\pi}{n}.

Beispiele

z3=8z^3 = 8: Hier ist r=8r = 8, φ=0\varphi = 0, 83=2\sqrt[3]{8} = 2:

z0=2,z1=2 ei⋅2π/3=−1+3 i,z2=2 ei⋅4π/3=−1−3 iz_0 = 2, \qquad z_1 = 2\,e^{i \cdot 2\pi/3} = -1 + \sqrt{3}\,i, \qquad z_2 = 2\,e^{i \cdot 4\pi/3} = -1 - \sqrt{3}\,i

z2=iz^2 = i: Hier ist r=1r = 1, φ=π2\varphi = \frac{\pi}{2}:

z0=eiπ/4=22+22 i,z1=ei⋅5π/4=−22−22 iz_0 = e^{i\pi/4} = \frac{\sqrt{2}}{2} + \frac{\sqrt{2}}{2}\,i, \qquad z_1 = e^{i \cdot 5\pi/4} = -\frac{\sqrt{2}}{2} - \frac{\sqrt{2}}{2}\,i

z4=−16z^4 = -16: Hier ist r=16r = 16, φ=π\varphi = \pi, 164=2\sqrt[4]{16} = 2. Die Winkel sind π4,3π4,5π4,7π4\frac{\pi}{4}, \frac{3\pi}{4}, \frac{5\pi}{4}, \frac{7\pi}{4}:

z0,…,3=±2±2 iz_{0,\ldots,3} = \pm\sqrt{2} \pm \sqrt{2}\,i

Typische Fehler

  • Nur die reelle Lösung angeben. z3=8z^3 = 8 hat drei komplexe Lösungen, nicht nur z=2z = 2.
  • Den Summanden 2kπ2k\pi vergessen. Dann erhält man nur eine einzige Lösung.
  • Nur 2kπ2k\pi durch nn teilen und φ\varphi stehen lassen. Der ganze Winkel φ+2kπ\varphi + 2k\pi wird durch nn geteilt.
  • Den Betrag durch nn teilen statt die nn-te Wurzel zu ziehen: Für z4=−16z^4 = -16 ist der Betrag der Lösungen 164=2\sqrt[4]{16} = 2, nicht 44.

Verwandte Formeln