Gauß-Seidel-Verfahren
Voraussetzung:
- i-te Komponente der Näherung nach k Schritten
- Einträge der Koeffizientenmatrix A
- Diagonaleinträge von A
- Komponenten der rechten Seite b
- Anzahl der Gleichungen und Unbekannten
Das Gauß-Seidel-Verfahren arbeitet wie das Jacobi-Verfahren, verwendet neu berechnete Komponenten aber sofort weiter.
Erklärung
Das Gauß-Seidel-Verfahren (auch Einzelschrittverfahren) löst ein lineares Gleichungssystem iterativ. Wie beim Jacobi-Verfahren löst man die -te Gleichung nach auf. Für die Komponenten , die im aktuellen Schritt schon neu berechnet wurden, setzt man aber sofort die neuen Werte ein.
Mit (Diagonale, strikt unteres und strikt oberes Dreieck) lautet ein Schritt
Man löst also in jedem Schritt ein Dreieckssystem, was durch Vorwärtseinsetzen von oben nach unten geschieht.
Konvergenz:
- Hinreichend ist, dass strikt diagonaldominant ist oder symmetrisch positiv definit.
- Notwendig und hinreichend ist ein Spektralradius der Iterationsmatrix kleiner als .
- Konvergieren beide Verfahren, ist Gauß-Seidel oft schneller als Jacobi. Nur für konsistent geordnete Matrizen (z.B. tridiagonale Matrizen mit ) gilt . Dann braucht Gauß-Seidel für dieselbe Genauigkeit etwa halb so viele Schritte. Allgemein gibt es keinen solchen Zusammenhang.
Ein Nachteil: Die Komponenten hängen voneinander ab, das Verfahren lässt sich schlechter parallelisieren. Außerdem hängt das Ergebnis eines Schritts von der Reihenfolge der Gleichungen ab.
Beispiele
Dasselbe System wie beim Jacobi-Verfahren, , , mit Lösung :
Ab :
| 1 | 1,5 | 1,8333 |
| 2 | 1,0417 | 1,9861 |
| 3 | 1,0035 | 1,9988 |
Nach drei Schritten ist der Fehler in etwa , beim Jacobi-Verfahren noch . Der Spektralradius ist hier , das Quadrat des Jacobi-Wertes . Die Matrix ist tridiagonal, die Beziehung gilt also.
Typische Fehler
- Doch die alten Werte verwenden und damit versehentlich das Jacobi-Verfahren rechnen.
- Die Reihenfolge der Gleichungen ändern, ohne zu prüfen, ob die Diagonaleinträge dann noch passen. Ein Zeilentausch kann Diagonaldominanz herstellen oder zerstören.
- Annehmen, Gauß-Seidel konvergiere immer, wenn Jacobi konvergiert. Das gilt für viele, aber nicht für alle Matrizen.
- Bei rechnen. Dann ist die Vorschrift nicht definiert.